Proppenvoller Pfarrsaal in Börstingen: Über 60 Starzacher/innen wollten dabei sein, als Amtsinhaber Thomas Noé am Mittwochabend mit einem Bürgergespräch in den Bürgermeisterwahlkampf einstieg.
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willibald ruscheinski
Das Interesse war groß: Thomas Noé (im Bild rechts) legt Rechenschaft ab im überfüllten Börstinger Pfarrsaal.Bild: Mozer
Börstingen. Mit Absicht habe er für seine Wahlkampftermine nicht kommunale Räume gebucht, entschuldigte der Bürgermeister den Umstand, dass die Zahl der Sitzplätze im Pfarrsaal dem Andrang nicht genügen konnte: „Ich achte darauf, Amt und Kandidatur strikt zu trennen.“
In seinem Rückblick auf die vergangenen acht Jahre erinnerte Thomas Noé zunächst an die finanziellen Schwierigkeiten, vor denen die Gemeinde 2004 gestanden habe. In einem „Kraftakt“ sei es gelungen, die Gesamtverschuldung seither um 350 Euro je Einwohner zu senken. Im gleichen Zeitraum habe die Gemeinde 13 Millionen Euro in Erhalt und Ausbau der Infrastruktur investiert. Dabei achtete Noé auch im folgenden darauf, per kollektiven „Wir“ den Gemeinderat stets in seine „Leistungsbilanz“ einzubeziehen – „und die ist. denke ich, positiv.“
So sei es etwa gleich zu Beginn gelungen, statt zusätzlicher Kredit-Millionen die KBF als Bauherr und Betreiber des Pflegeheims in Bierlingen zu gewinnen. Um Familie und Beruf für Mütter vereinbar zu machen, habe die Gemeinde die bis 2013 vorgeschriebene Mindestquote von Kinderkrippenplätzen schon jetzt übererfüllt, und das Starzacher Betreuungsmodell, in dem Erziegheinen nach Torschluss als Tagesmütter weiterarbeiten, habe „landesweite Beachtung gefunden“.
Bis auf zwei Grundstücke schon fast wiederausverkauft ist das neue Gewerbegebiet „Stumpacher Weg“ in Bierlingen. Mit der Ansiedlung des Kühlgeräte-Spezialisten Langheinz sei es ferner gelungen, die Gewerbebrache Lohmühle zu reaktivieren. Und auch der von der Schließung bedrohte Hauptschul-Standort habe sich durch die Kooperation mit Rottenburg retten lassen. Zur Wiedergründung einer eigenen Gemeinschaftsschule, wie vor Ort gelegentlich erhofft, werde es aber nicht reichen, weil diese eine komplette Sekundarstufe I voraussetzt.
„Wie vor acht Jahren werde ich Ihnen auch diesmal keine Versprechungen maschen, die ich nicht halten kann“, eröffnete der mittlerweile 44-Jährige seinen Ausblick. Es gelte noch stärker, den Auswirkungen des demografischen Wandels mit seinen nachteiligen Folgen für den Ländlichen Raum entgegenzuarbeiten, sagte Noé. Das Ehrenamt solle gestärkt und die vorhandenen sozialen Initiativen noch besser vernetzt werden. In der schärfer werdenden Konkurrenz um junge Familien und Einwohner überhaupt müsse Starzach weiter an seinem Schul- und Kindergartenangebot arbeiten. Ab kommenden Schuljahr, kündigte der Bürgermeister an, werde es Sozialarbeit an der Grundschule geben.
„Gottseidank“ gesichert sei in der Gemeinde die Grundversorgung der Bevölkerung. Erst dieser Tage habe er die Zusicherung bekommen, dass die Bierlinger Filiale der krisengeschüttelten Drogeriemarkt-Kette Schlecker nicht gefährdet ist. Wichtiger als ein zweiter Lebensmittelladen sei der Erhalt der Arztpraxen in Starzach. „Das Thema“, versprach Noé, „ist bei uns auf der Agenda“.
Schon in den vergangenen Jahren seien, mit Ausnahme von Stock-Berg in Bierlingen, nur noch kleinere Neubaugebiete eröffnet worden. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gehe es in den nächsten Jahren noch stärker als bisher um die Innenentwicklung, sagte Noé und sprach die in Bierlingen und Wachendorf anlaufenden Sanierungsprogramme an. „Wir haben versucht, mit allen fünf Ortsteilen ins Programm zu kommen, aber wir bekamen nur die beiden genehmigt“, sagte der Bürgermeister. „Die Investitionen in die Höhengemeinden sind höher als bei uns hier unten“, beschwerte sich ein Zuhörer. Noé mochte nicht widersprechen, hielt aber fest: „Das war nicht der politische Wille des Gemeinderats“.
„So lange die DSL-Versorgung im Neckartal so schlecht ist, brauchen Sie an die Ansiedlung von Betrieben gar nicht zu denken“, ärgerte sich Xaver Pekari. Die Unzufriedenheit sei berechtigt, Abhilfe zu schaffen trotz jahrelanger Arbeit am Thema aber schwierig, sagte Noé. Ziel bleibe die kabelgebundene Versorgung Börstingens, die dafür nötigen Leerrohre ließen sich aber erst mit dem Bau des fehlenden Stücks Neckartal-Radweg verlegen, Und der wiederum solle, so das Versprechen von Verkehrsminister Winfried Hermann, zu den Heimattagen 2013 fertig sein.
Auch weil der Konsolidierungskurs bei den Gemeindefinanzen fortgesetzt werden müsse, lasse sich für die kommenden Jahre allenfalls der Erhalt der vorhandenen Infrastruktur und die Verbesserung ihrer Qualität erreichen. „Mein Ziel ist und bleibt aber“, fügte Thomas Noé hinzu. „eine energieneutrale Gemeinde zu begleiten“ Das nächste große Thema werde dabei der von der Ausbau der Windenergie sein, kündigte Noé an und versprach zugleich: „Wir werden mit den Erfahrungen mit der geplanten Biogasanlage in Bierlingen lernen. Und die Bürgerbeteiligung künftig noch früher und noch besser machen.“
Von sich aus sprach Thomas Noé die Auseinandersetzungen zwischen ihm und den Gemeindebediensteten nicht an. „Was können Sie uns zum Thema sagen?“, wollte aber Hubert Lohmiller in der Fragerunde wissen. Noé verwies auf den Datenschutz, der ihm personenbezogene Aussagen verbiete, und betonte, er habe sich an die Abmachungen aus dem Schlichtungsprozess gehalten. „Warum hat man keine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht?“ monierte er. Und, eine Kritik am Gemeinderat: „Es ist als Thema bewusst in den Wahlkampf hineingetragen worden.“ Er werde, versprach der Bürgermeister, im Falle der Wiederwahl „mit jedem Mitarbeiter das Gespräch suchen. Und ich werde jedem die Hand reichen, der zum Wohl der Gemeinde weiterarbeiten will.“ Dafür erntete Noé den lautesten Applaus des ganzen Abends.