Silvesterwürfeln hat in Felldorf und Wachendorf seit langem Tradition
Seit mehr als 35 Jahren wird an Silvester im Felldorfer Sportheim gewürfelt. Anfangs wurde um Neujahrsbrezeln gezockt, inzwischen spielt man auch um Bratwürste. Bei den Schützen in Wachendorf wird um Rote gewürfelt.
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Yvonne Arras
Felldorf/Wachendorf. Seit das Sportheim Mitte der 1970er Jahre gebaut war, ist dort an Silvester gewürfelt worden, erinnert sich Reinhold Merz, der seit Jahrzehnten im Sportverein tätig ist. Den Brauch gibt es schon länger. Wie er nach Felldorf kam, wusste Merz allerdings nicht zu beantworten, genauso wenig wie Vereinschef Hansi Dohl. „Das hat in Felldorf angefangen und ist von hier aus in die ganze Welt ausgesendet worden“, scherzt er.
Gute Stimmung am vollen Tisch beim Silvesterwürfeln im Felldorfer Sportheim. Bild: Arras
Tatsächlich habe das Würfeln im Ort eine „ewig lange“ Tradition, warf Merz ein. Vor 1975 wurde in den Gaststätten, vor allem im „Hirsch“, gewürfelt. Damals seien sehr viel mehr ältere Bürger dabei gewesen. Bis nach Mitternacht haben die Spieler gezockt – und das Spiel nur für das Feuerwerk unterbrochen.
Heute hat sich das Bild geändert: Am Tisch sitzen 15 Spieler, größtenteils jüngere bis jugendliche Vereinsmitglieder. Warum die ältere Generation inzwischen fast gänzlich fehlt, kann sich Vereinschef Dohl auch nicht erklären. Es sei ihnen vielleicht zu laut geworden. Dass es ihnen zu spät wird, ist eigentlich unmöglich. Denn gewürfelt wird nicht mehr bis um Mitternacht, sondern nur am Nachmittag. Ende ist gegen 18 Uhr. Auch der Gewinn hat sich gewandelt: Zusätzlich zu den aus Hefeteig gebackenen, großen Neujahrsbrezeln gibt es auch Bratwürste.
Gleichgeblieben sind die Regeln, und die sind denkbar einfach: Jeder muss der Reihe nach drei Würfel dreimal würfeln. Die Augen werden zusammengezählt. Wer die höchste Augenzahl hat, gewinnt. Bei 15 Spielern läuft das Spiel 15 Runden. Der Einsatz liegt bei drei Euro. Jeder hat die Möglichkeit einmal zu gewinnen. Die Gewinne, also Brezeln und Bratwürste, wechseln sich dabei rundenweise ab.
Dann geht’s los: Einer würfelt mit voller Wucht, der andere versucht es sachte. Die Runde gewinnt Simon Bareis, er bekommt eine Bratwurst. Diese wird sofort in viele schmale Scheiben zerkleinert und brüderlich an alle am Tisch verteilt. Dem Gewinner ist anzusehen: Bratwürste sind der durchweg männlichen Truppe lieber als die traditionellen Neujahrsbrezeln.
Um die Würste, allerdings die Rote, ging‘s auch beim Würfeln bei den Vereinsschützen in Wachendorf. Im Vereinsheim saßen etwa dreißig Würfel-Wütige um den Tisch und spielten, was das Würfelauge hergab. Im Gegensatz zu den Felldorfer Vereinssportlern waren bei den Wachendorfer Schützen zahlreiche ältere Semester dabei. Und die waren derart schnell, dass die Gewinne lange vor der Zeit verspielt waren und einige Herren, ihre vakuumverpackten Wurstpäckchen unter den Arm gepackt, früher als geplant wieder nach Hause zogen. Derweil saßen die Felldorfer noch vergnüglich um den langen Tisch, und starteten in die nächste Runde.
An Silvester wird gern und viel gewürfelt
Das Würfeln heißt eigentlich „Paschen“ und kommt vom französischen „Passe-Dix“ – „über Zehn hinaus schreiten“. In Süddeutschland wird das Spiel, das als das älteste Glücksspiel der Welt gilt, vor allem seit dem Mittelalter an Silvester gespielt. In der Region kennt man das „Paschen“ auch als „Scholdern“ oder „Bobbera“. Oft hat jeder Ort einen eigenen Namen dafür.
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