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Gemeindeangestellter will Bürgermeister Noé vor Gericht bringen

Klärwärter fühlt sich gemobbt

Starzach spricht wieder über Bürgermeister Thomas Noé und seinen Umgang mit dem Personal. Dafür sorgt Horst Erdmann, Klärwärter im Teilort Wachendorf. Erdmann geht heute zum Anwalt. Er will Noé anzeigen wegen Mobbings. Noé sagt, er wolle eine Verwaltung, der die Bürger vertrauen können.

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Gert Fleischer

Starzach. Thomas Noé drohte Erdmann eine Abmahnung an. Er hatte sich in Abwesenheit Erdmanns auf der Kläranlage umgesehen und hielt dem Klärwärter nun vor: „Beim Durchgang fielen mir mehrere private Gegenstände wie Bilder, Kruzifixe, Bierkrug oder Weihnachtsbeleuchtung auf, ebenso private Motorradzeitschriften.“ Er fügt hinzu, dass er Erdmann schon im Mai angewiesen habe, „die Lagerung und Nutzung privater Dinge zu unterlassen bzw. diese zu beseitigen. Diese Anweisung scheint zumindest teilweise noch nicht von Ihnen umgesetzt zu sein.“

Das Büro des Klärwärters in Wachendorf gestern. Unter dem Kruzifix rechts an der Wand sind noch die ... Das Büro des Klärwärters in Wachendorf gestern. Unter dem Kruzifix rechts an der Wand sind noch die Schraublöcher zu sehen der Konsole, auf der ein Aquarium stand. Bild: Fleischer

Erdmann, 46, zeigte dem TAGBLATT weitere Briefe von seinem Vorgesetzten. Dass er ein Fahrtenbuch führen müsse, ist zu lesen. Noé hält ihm vor, er sei mit dem Dienstwagen privat gefahren. Erdmann sagt, er habe als damaliger Feuerwehrkommandant Jugendliche zu einer Feuerwehrveranstaltung gefahren und zurück. Ein anderes Mal habe er Jugendliche beim „Girl‘s and Boy‘s Day“ transportiert. Das habe ihm Starzachs Personalchef Reinhold Bock so aufgetragen.

Thomas Noé Thomas Noé

Ein weiterer Vorwurf Noés lautet, Erdmann, der 40 Prozent seiner Arbeitszeit im Gemeindebauhof arbeitet, habe mit dem Gemeindemäher sein eigenes Grundstück gemäht. Falsch, entgegnet Erdmann, er habe den Randstreifen des Weges gemäht.

Horst Erdmann Horst Erdmann

Erdmann gibt zu, dass er nicht derjenige sei, der besonders ordentlich ist. Ja, er habe auch mal sein Motorrad und einen Traktor eine Zeitlang in der Kläranlage untergestellt, aber die Garage sofort geräumt, als der Bauhof die Mäher unterstellen wollte.

Auf die vom Bürgermeister eingeräumte Gelegenheit, sich wegen der angekündigten Abmahnung zu äußern (Frist bis 11. November) ging Erdmann bisher nicht ein. „Für mich gilt der Mediationsbeschluss nicht mehr“, sagt er. Einen Mediator hatte der Gemeinderat eingesetzt, seitdem erhebliche Differenzen zwischen dem Personal und dem Bürgermeister manifest wurden. Noé, Mediator und Gemeinderat beschlossen, personelle Probleme intern beizulegen.

Die Beteiligten bestimmten zudem, einen Personalrat zu wählen. Vorsitzender wurde Gewerkschaftsmitglied Horst Erdmann. Seit 2002 ist er bei der Gemeinde Starzach, zuvor hatte er bei Daimler Benz Erfahrungen im Vertrauenskörper gesammelt. Seit er den Personalrat führt, sagt Erdmann, wolle ihm Noé etwas anhängen. 14 Monate lang habe der Bürgermeister das Fahrtenbuch, zu dem er ihn vergattert hatte, nicht eingesehen. Zwei Tage vor seinem Urlaub, habe er es haben wollen. Für Erdmann sei klar gewesen: „Er will etwas gegen mich vorbereiten.“ Er gab seinem Vorgesetzten das Fahrtenbuch nicht.

Gewerkschaftssekretär Harry Pokk, bei Verdi in Reutlingen für Gemeinden zuständig, unterstützt Erdmann. Seit Noé Anfang dieses Jahres wiedergewählt wurde – trotz der bekannten Personalquerelen innerhalb des Rathauses und trotz zweier Gegenkandidaten erhielt er 68,7 Prozent – seitdem „hat er angefangen, den Personalratsvorsitzenden gezielt zu piesacken“, sagt Pokk. Dabei fahre der Bürgermeister selbst seine Kinder mit dem Dienstwagen in den Kindergarten. Pokk: „Ist das keine private Nutzung? Das muss mal öffentlich gemacht werden.“

Es sei Ungleichbehandlung, Erdmann allein das Führen eines Fahrtenbuchs aufzuerlegen, so der Gewerkschafter, „das geht gar nicht“. Völlig abwegig sei es, dem Klärwärter zu verbieten, dass er ein Radio im Büro habe oder einen als Vase genutzten Krug oder Bilder und Zeitschriften. „Jeder hat bei sich im Büro etwas Privates.“ Da mit Sicherheitsaspekten zu argumentieren, wie es Noé tue, sei daneben.

All das habe den Bürgermeister in den Jahren zuvor nicht gestört. Jetzt behindere er Erdmann in der Ausübung seines Amts als Personalratsvorsitzender. Als der setze er sich ein für die Kolleginnen und Kollegen, die mit Noés Führungsstil nicht einverstanden sind. Wie solle Erdmann dieses Problem anders angehen, als dass er sich einen Rechtsanwalt nimmt? Ob es Mobbing ist oder einfach Behinderung und Einschränkung der individuellen Persönlichkeitsrechte, werde ein Gericht entscheiden.

Thomas Noé weist die Vorwürfe zurück und sieht sich selbst als Opfer, das mithilfe der Medien niedergemacht werden soll. „Ich drangsaliere überhaupt keine Mitarbeiter“, sagte er dem TAGBLATT. Er haben gegenüber den Bürgern eine Schutzpflicht für das, was in der Gemeinde geschieht. Notfalls müsse er privat haften. Noé: „Ich werde alles tun, damit ich rechtlich nicht belangt werden kann.“

Werde der Streit nun öffentlich an seinem angeblichen Verbot, ein Kruzifix aufzuhängen, festgemacht werde, zeige das die Stoßrichtung. Er, Noé, setze sich sogar dafür ein, dass Kruzifixe in öffentlichen Räumen bleiben dürfen. Als er die Kläranlage visitierte, habe das Kreuz nicht an der Wand gehangen, sondern „unwürdig“ in einer Kiste gelegen. Erdmann sei vielleicht nicht einfach. 2006 schied er im Streit aus der Narrenzunft (wir berichteten). Noé: „Ich habe gehört, dass er auch in der Feuerwehr Schwierigkeiten hatte.“

An Fakten will der Bürgermeister festgehalten sehen: Es gab bisher keine Abmahnung gegen Erdmann. Es gab innerhalb der Belegschaft der Gemeinde (etwa 25 Leute) keine Kündigung. Seine Kinder habe er gelegentlich mit dem Dienstwagen im Kindergarten abgeholt, aber die Fahrten bezahlt. Alle Vorwürfe, die ihm in den vergangenen Jahren gemacht wurden, hätten sich als haltlos erwiesen. Verwaltungen, so Noé, werde gern vorgeworfen, dass nicht alles sauber zugehe. Deshalb werde er alles unterbinden, was solche Vorurteile befördert. „Ich habe einen Wählerauftrag“, sagt Noé, „und ich nehme meine Arbeit ernst.“

08.11.2012 - 13:30 Uhr | geändert: 08.11.2012 - 22:19 Uhr

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