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Akteure, Claqueure, Schikaneure

Ein neues Stück Starzacher Gemeinderats-Theater

Der Haussegen im Starzacher Gemeinderat hängt immer noch gewaltig schief. Besserung? Nicht absehbar. Einmal mehr haben sich Räte und Bürgermeister Thomas Noé in der Sitzung am Montagabend einen aberwitzigen Schlagabtausch geliefert. Die Streitpunkte: Zwielichtige Akteure, heimliche Claqueure und allerlei fragwürdige Zitate.

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Marike Schneck

Bis Tagesordnungspunkt 13 mussten sich die Zuhörer gedulden, ehe das Theater begann. Dass sich das lange Warten lohnen werde, hatte Gemeinderat Burkhard Freiherr von Ow-Wachendorf der Redakteurin vom SWR schon vor der Sitzung verraten. Einige Zuhörer – der Sitzungssaal im Rathaus war bis rauf in die Galerie besetzt – waren wohl ebenfalls informiert.

Die erste Runde läutete Gemeinderätin Christina Schweizer ein: „Ich tue mich zunehmend schwer mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit!“ Der Grund: Ein persönliches Gespräch, in dem Noé ihr gesagt haben soll, er werde einigen Gemeinderäten „die Köpfe abschneiden“. Der Bürgermeister bestritt, das so gesagt zu haben, und handelte sich damit sogleich eine Rüge des Baron von Ow ein: „Das würde ja bedeuten, dass Frau Schweizer lügt!“

Die Rätin jedenfalls blieb bei ihrer Aussage, Noé dementierte und erklärte: „Ich habe in dem Gespräch lediglich klar gestellt – und das tue ich auch gerne immer wieder öffentlich – dass ich denen, die versuchen, meine Person, meine Arbeit, meine Familie zu diskreditieren, das Handwerk legen werde.“ Noé sprach von „Akteuren“, Ralf Günther hakte nach: „Also meinen Sie damit auch Gemeinderäte?“ Zwischen Gemeinderäten und anderen, sagte Noé, mache er in diesem Punkt keinen Unterschied. Aus dem Gremium kam spöttisches Lachen.

„Die Zeiten, in denen ich mich ständig irgendwelcher Dinge erwehren muss, sind vorbei“, wurde Noé lauter im Ton. Aufsehenerregendster Fall: Im Frühjahr 2010 hatte die Staatsanwaltschaft Tübingen nach einer anonymen Anzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen den Bürgermeister ermittelt. Grundlos, wie sich später herausstellen sollte. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Noé: „Ich habe keine Lust, täglich darauf zu warten, dass wieder der Staatsanwalt vor der Tür steht.“ Aus dem Gremium verhaltenes Kichern. Einen Rechtsstreit scheut der Bürgermeister nach eigenen Aussagen nicht. Auch nicht im derzeit schwelenden Konflikt mit dem Wachendorfer Klärwärter Horst Erdmann. Dem drohte der Bürgermeister mit einer Abmahnung, weil er Dienstanweisungen nicht befolgt haben soll. Jetzt fühlt sich der Klärwärter gemobbt. Wie das Verfahren weitergeht, ist noch offen. Öffentlich werde er deshalb in der Sitzung keine weiteren Aussagen treffen, so Noé. „Ich erinnere nochmal daran, dass nicht ich es war, der in diesem Fall an die Presse gegangen ist.“ Im „Schwarzwälder Bote“ sei er dann mit der Aussage, dass Gemeinderäte unter Druck gesetzt worden seien, auch noch falsch zitiert worden. Von Ow: „Ich möchte jetzt hier mal eines klarstellen: Es ist nicht wahr, dass irgendwann Druck auf irgendwen ausgeübt worden ist.“ Ein kurzer Schlagabtausch zwischen Noé und von Ow, die – wen wundert’s – auch hier nicht einer Meinung waren, schaffte es, in nicht mal 30 Sekunden die wichtigsten Streitpunkte der vergangenen Jahre zu streifen. Ein Sieger war hernach nicht auszumachen. Wohl aber musste sich Noé den berechtigten Vorwurf gefallen lassen, dass er – sollte er wirklich falsch zitiert worden sein – keine Richtigstellung fordere. Da half dem Bürgermeister auch sein Galgenhumor nicht weiter: „Ich bin nicht der Herr Wulff, ich übe keinen Druck auf die Presse aus!“ Harsch begegnete er jedoch dem Vorwurf, er würde Leserbriefe gezielt in Auftrag geben: „Das sind keine Claqueure von mir!“

Letzte Runde: „Der Fisch stinkt bei uns nicht vom Kopf her, sondern vom Bauch raus.“ Mit diesem Zitat, trug von Ow vor, soll Noé die Vereine und deren Engagement für die Heimattage 2013 schlecht gemacht haben. „Schön, wenn Zitate aus dem Kontext genommen werden. Das scheint die Stärke dieses Gremiums zu sein“, hielt Noé dagegen und erging sich – fast hatte man den Eindruck er stünde vor Gericht – in einer weiteren Rechtfertigung, wann und wo und warum er das gesagt haben will. Details sollen dem Leser hier erspart bleiben. Die kurze Fassung: Es ist sehr lange her und war alles ganz anders.

„Vielleicht“, merkte Noé schlussendlich bissig an, „wäre es besser, wir würden uns künftig schreiben, wenn wir alle Aussagen so auf die Goldwaage legen wollen.“ Vielleicht hat er Recht.

28.11.2012 - 08:30 Uhr

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