Eine Greifvogelschau hatte der Angel- und Naturschutzverein (ANV) Weitingen am Sonntag auf Schloss Weitenburg organisiert. Rund 40 Zuschauer betrachteten die großen Raubvögel aus der Nähe und sprachen mit erfahrenen Falknern über den Artenschutz.
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Katharina Tomaszewski
Sulzau. Unter den Greifvögeln tummelten sich am Sonntagnachmittag auch Exoten: die beiden in Südamerika heimischen Wüstenbussarde Lilly und Freddy und Bartkauz Franzl, der in Sibirien und nördlichen Regionen Europas beheimatet ist. Mehr als 30 Besucher/innen kamen zur Greifvogelschau der Greifgruppe des Angel- und Naturschutzvereins (ANV) Weitingen auf Schloss Weitenburg.
Bei der Falknerschau auf Schloss Weitenburg landete Bartkauz Franzl am Sonntag sicher auf der Faust von Falknerin Ramona Seele.Bild: Groebe
Jürgen Meyer und sein Team führten dem Publikum fünf verschiedene Greifvögel vor. Mit einer Schnur gesichert, flogen die Tiere an einer Flugdrahtanlage von einem Falkner zum anderen. Auf diese Weise konnte das Publikum Flugtechnik und Jagdtechnik aus nächster Nähe beobachten.
Meyer zählt zu den 40 besten Jägern Deutschlands und wird jedes Jahr zur Kaninchenjagd auf Norderney eingeladen, wo er mit seinen Greifvögeln auf die Beizjagd geht. Der Habicht ist sein Lieblingsvogel. „Das Wichtigste bei der Haltung von Greifvögeln ist das Vertrauen und regelmäßiges Ausfliegen“, sagt er.
Die Tiere des ANV werden in großen Gehegen gehalten. Den Vorwurf der Tierquälerei weist Jürgen Meyer weit von sich: „Unsere Tiere bekommen artgerechte Nahrung und jeden Tag Ausflug“, erklärt er. Viele Menschen hätten Aquarien oder würden Singvögel in kleinen Volieren halten, ohne diese frei fliegen zu lassen. „Das ist in meinen Augen Tierquälerei“, sagte Meyer. Es gebe nichts Schöneres, als einen Vogel in der freien Natur fliegen zu sehen.
Mit Ohröffnungen fast ein Rundum-Gehör
Trotz sommerlicher Temperaturen war Bartkauz Franzl am Sonntagnachmittag topfit. Der 856 Gramm schwere Kauz hat eine Flügelspannweite von 140 Zentimetern. Käuze können minutenlang in eine Richtung blicken ohne sich zu bewegen oder auch nur mit den Augen zu zwinkern. „Der Kauz spart seine Kräfte“, erklärt dazu Meyer.
Eulen und Käuze können ihren Hals um beinahe 240 Grad drehen, weil sie so viele Halswirbel haben. Ihre Ohröffnungen sind nicht auf gleicher Höhe am Kopf, wodurch sie fast über ein Rundum-Gehör verfügen. Mit ihrem großen, lockeren Federkleid fliegen sie so lautlos, dass sie dabei einerseits ausgezeichnet hören, andererseits ihre Beutetiere unbemerkt erhaschen.
Wüstenbussard Freddy ist erst seit 14 Tagen im Training, zeigte bei der Vogelschau jedoch keinerlei Anzeichen von Lampenfieber. Meyer sagte überrascht: „Bisher hat er nur mit mir trainiert. Heute tritt er zum ersten Mal vor Publikum auf.“ Als Belohnung gab es ein Stück Küken.
Wüstenbussard Lilly ist erfahrener und hat rund 10 Zentimeter mehr Flügelspannweite. Schwerster Greifvogel auf Schloss Weitenburg war am Sonntag Uhu Paula mit 3500 Gramm und einer Flügelspannweite von 165 cm
Der kleinste unter den Schauvögeln war Turmfalke Jim Knopf. Mit seinen großen, stofftierähnlichen Augen begeistert er regelmäßig bei Aufführungen in Kindergärten. Mit seinen rund 192 Gramm und einer Flügelspannweite von 70 Zentimetern sah er neben den anderen Greifvögeln wie ein Zwerg aus. Je kleiner das Tier, desto höher der Stoffwechsel, desto häufiger muss es fressen. Ein Sperber mit einem Durchschnittsgewicht von 250 Gramm muss mehrmals täglich fressen. Einem zirka ein Kilo schwerer Steinadler hingegen reicht es, sich einmal pro Woche richtig voll zu fressen.
Je größer der Greifvogel desto älter wird er. So kann ein Steinadler bis zu 75 Jahre alt, ein Geier sogar 100 Jahre werden. Bei Greifvögeln gibt es Arten, die mit Biss oder Druck töten. Ein Steinadler kann mit dem Schnabel drei Mal so hart zubeißen wie ein Hund. Falken zählen zu den sogenannten Bisstötern. Sie benutzen ihre Fänge und Krallen in erster Linie zum Festhalten der Beute, die daraufhin durch einen Biss in die Halswirbelsäule oder bei kleineren Beutetieren in den Schädel getötet wird.
1500 Euro für einen Zuchtfalken
Kathi Biesetal ist Studentin an der Hochschule für Forstwirtschaft und absolvierte vor ihrem Studium ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Cochem, Rheinland-Pfalz. Dort arbeitete sie in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Falknerei. Ihr Chef züchtete Falken und bekam dafür sogar ein Angebot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. 1500 Euro bezahlt man dort für einen solchen Greifvogel. Vor allem Falken seien sehr begehrt, erklärte Biesental. Kurz vor dem Verkauf erkrankten die Tiere jedoch und starben.
Greifvögel haben in freier Natur eine kürzere Lebenserwartung, sie sterben dort häufig an Krankheiten, selten an Altersschwäche. „Greifvögel sind Egoisten“, sagt Jürgen Meyer. „Da hilf der eine in schlechten Zeiten nicht dem anderen. Wer nicht mehr jagen kann, stirbt.“ Nach dem zweistündigen Vortrag stellten viele Besucher Fragen rund um die Haltung von Greifvögeln und den Artenschutz.
Info Mehr Informationen gibt es beim Angel- und Naturschutzverein www.anv-weitingen.de.
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