Bis 15. September noch geben sich die Betreiber der geplanten Bierlingen Biogasanlage Zeit, um ein für den Bau unverzichtbares „Schlüsselgrundstück“ zu erwerben. Werden sie mit dem Eigentümer bis dahin nicht handelseinig, ist das Projekt ad acta gelegt.
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willibald ruscheinski
Starzach. „Es sieht derzeit so aus, als könne das Vorhaben nicht umgesetzt werden“, räumte auch Bürgermeister Thomas Noé ein, nachdem die Bioenergie Starzach GmbH am Montagabend im Gemeinderat vom derzeitigen Stand der Dinge berichtet hatte. Zwar sei die Technik, Zucker- und Energierüben in Piccolo-Fermentern zu vergären und daraus Biogas zu gewinnen, inzwischen auch in der Praxis erprobt, sagte ihr Sprecher Jörg Dürr-Pucher.
Allerdings fehlt den Gesellschaftern am Standort im Gewann Stumpach immer noch Grund. Im für die Anlage ausgewiesenen Sondergebiet selbst, so Dürr-Pucher, können sie bislang über einen Hektar verfügen, dazu kommen zwei weitere Hektar im gesamten Areal – insgesamt mehr als nötig, allerdings noch nicht passend.
Dürr-Pucher räumte ein, dass es verkaufsunwillige Eigentümer gebe, deren Grundstücke für den Bau der Anlage freilich nicht „entscheidend“ seien. Derzeit fehle aber das „Schlüsselgrundstück“ eines Besitzers, und der habe „noch nicht definitiv nein gesagt“.
Kontrovers wurde in der Sitzung beurteilt, ob die laufende Flurbereinigung doch noch zu einer passenden Umlegung führen kann. Selbst wenn, sagte Dürr-Pucher: Drei bis fünf Jahre zu warten, bis die Zuteilungen sicher rechtskräftig geworden sind, könnten sich die Investoren nicht leisten. Der Bürgermeister hielt sich aus dieser Diskussion heraus, bekräftigte aber, dass die Gemeinde ihrerseits im Zuge ihres Bebauungsplanverfahren bislang keine eigenen bodenordnenden Maßnahmen beabsichtigt. Noé, der ein erklärter Befürworter des Biogas-Projekts ist: „Enteignung war nie ein Thema.“
Sollte Mitte September feststehen, dass die Anlage nicht gebaut werden kann, muss die Gemeinde entscheiden, ob sie das mit dieser verbundene Nahwärme-Netz nicht auf anderer Grundlage realisiert. Denkbar wäre etwa ein Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk, allerdings sei dies ohne Einspeisevergütungen aus der Stromerzeugung nicht rentabel, sagte Jörg Dürr-Pucher. Schon bislang sei die Zahl der Interessenten, die in Bierlingen Wärme aus Biogas beziehen wollen, nicht hoch genug: „Die Diskussion im Ort spiegelt sich da in der Anschlussquote wider.“
Ein ersatzloses Scheitern des Nahwärme-Projekts würde die Gemeinde Starzach zwingen, die kommenden Jahre über in die Erneuerung überalterter Heizanlagen zu investieren, zum Beispiel im Rathaus. Schon im jährlichen Energiebericht zum Verbrauch der 15 größten kommunalen Liegenschaften, den Controller Peter Mierzwa zuvor hielt, hatten er und Noé eindringlich gefordert, die Gemeinde müsse „den Weg gehen weg von den fossilen Brennstoffen“.
Voraussichtlich am 15. November dieses Jahres werden die über 1000 Teilnehmer am Flurbereinigungsverfahren in ihre neu zugeschnittenen Parzellen eingewiesen. Das versprach Christian Ketterer, der neue für Starzach zuständige Fachbeamte des Landratsamtes, am Montag im Gemeinderat.
Gleichzeitig mit seiner Vorstellung dort wurde Manfred Sautter verabschiedet, der das Mammut-Projekt bislang betreut hatte und nun in den Ruhestand ging.
Schon jetzt seien die allermeisten Flächen zugeteilt, schilderte Ketterer den Stand des seit über 20 Jahre laufenden und zuletzt durch die Auswirkungen der Verwaltungsreform blockierten Verfahrens. Derzeit würden bereits Grenzmarken gesetzt, vielfach damit aber auch noch gewartet, bis die Ernte eingebracht ist.