Eine „Zentnerlast“ sei ihm vom Herzen gefallen, bekannte Starzachs alter und neuer Bürgermeister Thomas Noé, als am Sonntag Abend gegen dreiviertel Sieben das Ergebnis der Wahl feststand: Mit 68,7 Prozent holte Noé nicht nur doppelt so viele Stimmen wie seine beiden Mitbewerber zusammen, sondern wusste am Ende auch fast die Hälfte der Wahlberechtigten hinter sich.
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Willibald Ruscheinski
Starzach. Schon zehn Minuten nach Schließung der Wahllokale lief beim Gemeindewahlausschuss im Bierlinger Bürgerhaus das erste Teilort-Ergebnis ein: In Sulzau hatten fast drei Mal so viele ihre Stimme für Noé abgegeben wie für Rilling, und Schäfer war gar nur auf ganzen zwei Zetteln angekreuzt worden.
Weil dieser erste Trend nicht bekannt gegeben wurde, erhielten sich die meisten der über 200 Bürgerhaus-Besucher ihre Spannung, bis Wahlausschuss-Vorsitzende Jutta Keller gegen 18.40 zur öffentlichen Verkündung des Gesamtergebnisses nach oben in den Bürgersaal bat.
Den Weg dorthin musste sich Sieger Thomas Noé, der als letzter ins Wahllokal gekommen war und mit frenetischem Applaus empfangen wurde, aber bereits durch eine ganze Schar von Gratulanten bahnen, unter ihnen fast einem Dutzend Gemeinde- und Stadtoberhäuptern aus der ganzen Nachbarschaft.
Zu den ersten Gratulanten hinterm Saalmikrofon gehörte Joachim Walter. „Sie haben das Ergebnis bekommen, das Sie verdient haben“, sagte der Landrat und sprach die „Polarisierung“ der Pro- und Contra-Noé-Lager im Wahlkampf an. Dass ein Schultes den kompletten Gemeinderat gegen sich hat, habe er „in dieser Form noch nicht erlebt. Ich kenne es aus Gemeinden, wo es ein Bürgermeister fachlich nicht gebracht hat. Aber hier war das Gegenteil der Fall.“
Gestern Abend konnte er wieder lächeln: Wahlsieger Thomas Noé (Bildmitte, links neben ihm Ehefrau Kerstin) nimmt die Glückwünsche von (von links) dem Bürgermeister-Sprengelvorsitzenden Manfred Schmiderer, der Wahlausschuss-Vorsitzenden Jutta Keller und von Landrat Joachim Walter entgegen. Bild: Groebe
Walter forderte alle Beteiligten auf, angesichts des klaren Wählervotums „die Gräben zu schließen“. Schluss sein müsse jetzt auch mit „in Heckenschützenmanier“ eingereichten anonymen Anzeigen und Beschwerden gegen Noé, die der Landrat als „eine moderne Form der Brunnenvergiftung“ bezeichnete.
„Unter den genannten Konditionen ist das ein Traumergebnis“, kommentierte Bürgermeister-Sprengelvorsitzender Walter Schmiderer die „Paukenschlag“-Mehrheit für Noé und beglückwünschte den Sieger auch dazu, „dass eine unsägliche Kampagne“ jetzt zu Ende sei. „Die Wähler wollten einen Neubeginn“, sagte Schmiderer. Und, ohne die Adressaten zu benennen: Wer das nicht könne, solle jetzt „die Konsequenzen ziehen.“
„Ich hätte nicht mit so einem Wahlergebnis gerechnet“, bekannte sichtlich bewegt der Sieger selbst. Noé, von dessen Gesicht die Anspannung des Wahlkampfs erst allmählich wich, hatte keine Rede vorbereitet. Aber er forderte Gegner wie Unterstützer unterschiedslos dazu auf, mit ihm die nächsten acht Jahre für Starzach zusammenzuarbeiten: „Ich reiche heute Abend allen die Hand.“ Seinen unterlegenen Mitbewerbern, die ihm zuvor bereits gratuliert hatten, dankte Noé „für einen fair geführten Wahlkampf“.
Enttäuscht von seinem Abschneiden zeigte sich nicht nur Linken-Kandidat Wolfgang Schäfer, der in Börstingen sogar keine einzige Stimme erhielt. Sondern auch Michael Rilling, der als chancenreicher gegolten hatte: Mit 43,9 Prozent blieb Rilling dem Amtsinhaber in seinen Wohnort Wachendorf noch am dichtesten auf den Fersen, während Thomas Noé sein bestes Einzelergebnis ebenfalls nicht unerwartet in Bierlingen holte, wo der alte und neue Schultes mit seiner Familie lebt.
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