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Ein bisschen Frieden …

200 Starzacher für den Gemeindefrieden auf der Straße

In Starzach gingen am Samstagmorgen nahezu 200 Bürger für den Frieden im Rathaus auf die Straße. Dort herrscht seit langem ein eisiges Klima. Die Streithansel im Ort sollen sich mäßigen, verlangten die Demonstranten.

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Raimund Weible & Raimund Weible & Katharina Tomaszewski Katharina Tomaszews

Bierlingen. Der Maskenschnitzer Gerold Weschenmoser hat es satt, von Fremden ständig auf die Probleme in seiner Gemeinde angesprochen zu werden. Auf seine dunkelblaue Fleecejacke hat er das Gemeindewappen und den Spruch „Gemeinsam für unser Starzach“ prägen lassen. „Uns reicht es“, sagte Weschenmoser. Eine ältere Frau pflichtete bei: „Die sollen endlich aufhören mit dem Streit.“

Der Appell gilt den Gemeinderäten, dem Personal im Rathaus und Bürgermeister Thomas Noé. Seit Jahren ist das Verhältnis von Konflikten geprägt. Im Gemeinderat sieht sich der 2004 erstmals gewählte Noé heftigen Angriffen ausgesetzt. Auch das Verhältnis zwischen dem Bürgermeister und den Beschäftigten im Rathaus ist angespannt.

Daran änderte auch ein Mediationsverfahren wenig, das von einem neutralen Kirchenmann geleitet wurde. Als Noé im Januar 2012 eine weitere Wahlperiode anstrebte, wollte der Gemeinderat die Wiederwahl erschweren. Doch das Volk bestätigte ihn mit 68,7 Prozent der Stimmen. „Eine Weile war Ruhe, dann ging es wieder los“, klagt Weschenmoser. Der Personalrat kündigte die Mediationsvereinbarung.

Nach dieser neuerlichen Eskalation platzte vielen Bürgern der Kragen. Fast 200 kamen deshalb am Samstag zum Rathausplatz von Bierlingen. Sie hielten Plakate in die Höhe. Die Sprüche waren bewusst neutral gehalten, damit sich keine der Parteien allein angegriffen fühlte. Auf einem stand „Ein bisschen Frieden auch für Starzach“, auf einem anderen „Starzach ist keine Theaterbühne“. Ein alter Mann appellierte an Verwaltung und Gemeinderat: „Lasst den Bürgermeister seinen Job machen.“

Niemand hielt eine Ansprache. Mit-Initiator Horst Kessler war wie die anderen Organisatoren bemüht um Neutralität. Doch viele der Demonstranten zeigten Sympathie für den Bürgermeister. Sie machten ihrem Ärger über den Gemeinderat und das Personal im Rathaus Luft. „Die haben gar keine Zeit zum Schaffen vor lauter Händel“, schimpfte eine ältere Frau. Eine andere: „Wem es nicht passt, soll gehen.“ Ein älterer Mann rief: „In der freien Wirtschaft hätte man solche Leute längst auf die Straße gesetzt!“

Protest-Demo für den Gemeindefrieden vor dem Starzacher Rathaus in Bierlingen. Wenn‘s 2013 nicht ... Protest-Demo für den Gemeindefrieden vor dem Starzacher Rathaus in Bierlingen. Wenn‘s 2013 nicht besser wird, sagen die Leute, wird weiter demonstriert.Bilder: Franke

Die Demonstration zu Weihnachten soll die Marschrichtung fürs neue Jahr anzeigen. „Ruhe und Gemeinsamkeit, das wünscht sich Starzach,“ sagt Weschenmoser. Wie wichtig den Starzachern der Friede ist, zeigte der große Andrang. Die Organisatoren hatten mit 80, maximal 100 Demonstranten gerechnet – doppelt so viele kamen. Zwei Polizisten standen bereit, als die Versammlung um 10.30 Uhr begann, konnten dann aber getrost wieder abrücken. „Wir haben uns auf einen stillen Protest geeinigt“, sagte Kessler. „Nur mit Plakaten statt laut gerufener Parolen!“

Für Bürgermeister Thomas Noé, der wegen eines anderen, schon seit längerem geplanten Termin fehlte, kam seine Sekretärin. Gabriele Schweizer, noch neu im Bierlinger Rathaus, begrüßt die friedliche Protestaktion. „Ich kenne die verhärteten Fronten noch nicht, wünsche mir aber für die Zukunft dass man nach vorn statt zurück blickt.“

Auch der einstige Starzacher Gemeinderat Dietmar Gaus, der erst kürzlich zu einem Ordnungsgeld von 250 Euro verdonnert worden war, weil er in einem Leserbrief Interna aus nichtöffentlicher Sitzung verraten haben soll, schluckte den eigenen Ärger tapfer runter. Statt Verbitterung wünscht er sich „eine gemeinsame Richtung“ fürs neue Jahr. „Ich habe das Gefühl, dass es für einige Leute zu einem persönlichen Kampf geworden ist“, erklärte Gaus. Der Zusammenhalt sei aber wichtig für Starzach; ebenso, „dass jeder seine Meinung sagen kann und man gemeinsam nach einer guten Lösung sucht“.

Der Starzacher Konflikt ist kein Konflikt der Alten. Auch viele jüngere Bürger stören sich an dem ... Der Starzacher Konflikt ist kein Konflikt der Alten. Auch viele jüngere Bürger stören sich an dem Zwist und fordern: „Gebt endlich Ruh!“

Alfredo Vela von den „Freien Bürgern Starzach“ mischte sich als einer von wenigen Gemeinderäten unter die Menge. „Ich sehe die Demonstration positiv“, sagte er, „es muss aufhören mit der Polemik.“

Anderthalb Stunden und viele Gespräche später löste sich die Demo langsam wieder auf. Eine Patentlösung hatte am Samstag keiner aus der Tasche ziehen können. Einig aber sind sie sich alle: Im neuen Jahr muss es zu einer weiteren Aussprache kommen. Und Horst Kessler kündigte an: „Sollte sich die Situation 2013 nicht bessern, werden wir wieder demonstrieren.“

23.12.2012 - 21:00 Uhr

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