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Drei Familien gefährdet

Prozess gegen Brandstifter an Autosattlerei

Das Schöffengericht Tübingen verhandelte gestern gegen ein Feuerleger-Trio aus dem Steinlachtal. Einer der drei Männer wurde wegen schwerer Brandstiftung verurteilt, der zweite wegen Beihilfe. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten wird im Dezember fortgesetzt.

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DOROTHEE HERMANN

Tübingen / Ofterdingen. Weil der von den Angeklagten am 23. Januar 2010 gelegte Brand in einer Ofterdinger Autosattlerei glimpflich ausging, kamen die beiden gestern vom Schöffengericht verurteilten Männer vergleichsweise milde davon. Der entstandene Sachschaden soll rund 3000 Euro betragen.

Ein 51-jähriger Familienvater aus dem Kreis Tübingen wurde wegen schwerer Brandstiftung zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er eine Geldbuße von 400 Euro in 50-Euro-Raten an eine gemeinnützige Einrichtung (die Johanniter) zahlen. Staatsanwältin Tatjana Grgic hatte dasselbe Strafmaß, aber 800 Euro Geldbuße gefordert.

Der zweite Angeklagte war an der Tat vor allem als Fahrer beteiligt. Der 27-Jährige ist derzeit wegen eines anderen Delikts in Haft. Wegen Beihilfe zu schwerer Brandstiftung muss er nun weitere vier Monate ohne Bewährung absitzen.

Laut Staatsanwältin Tatjana Grgic wollten die drei Männer die Autosattlerei anzünden. „Sie wussten, dass es sich um ein kombiniertes Geschäfts- und Wohngebäude handelte, und dass es zwischen den Gebäudeteilen keinerlei Brandschutz gab“, sagte die Staatsanwältin. Das Wohnhaus teilten sich drei Familien.

Die Lunte blieb an der Fensterscheibe hängen

Schon am frühen Nachmittag hätten die beiden jüngeren Angeklagten an der Shell-Tankstelle in Ofterdingen einen roten Fünfliterkanister und einen schwarzen Zehnliterkanister mit Benzin gefüllt und bereitgehalten. Beide kommen aus dem Steinlachtal und kennen sich seit der Schulzeit, sollen aber auf Anweisung des 51-Jährigen gehandelt haben.

Am Abend habe das Trio in der Wohnung des 27-jährigen weitere Einzelheiten besprochen, bevor alle drei in dessen Auto zum Tatort fuhren. Dort soll der 51-Jährige zunächst das Fenster der Autowerkstatt eingeschlagen und den Zehnliterkanister mit Benzin ins Gebäudeinnere geworfen haben. Jedoch traf der Kanister so auf, dass nur wenig Benzin auslief. Ein Molotov-Cocktail, der als Lunte dienen sollte, blieb an der Fensterscheibe hängen, hieß es in der Anklageschrift. Der Fünfliterkanister landete in der Garage, wo er bis zum Fußboden durchbrannte. Weil das Feuer rasch entdeckt wurde, konnte ein Übergreifen des Brandes auf das Wohnhaus verhindert werden, sagte die Staatsanwältin. Doch das habe nicht im Ermessen der Angeklagten gelegen. Vielmehr sei die Tat-Situation hochgefährlich gewesen, auch weil auf dem Gelände eine Vielzahl brennbarer Materialien wie abgestellte Fahrzeuge, Farben und Lacke lagerte.

„Es hat sich genauso abgespielt, wie in der Anklage beschrieben“, räumte der 51-Jährige ein. Der gelernte Industriemechaniker will die Tat mit dem 29-jährigen Mitangeklagten geplant haben. Wegen einer gescheiterten früheren Geschäftsverbindung habe er einen Groll gegen den Inhaber der Autosattlerei gehegt, sagte der 51-Jährige vor dem Schöffengericht. Seither lasteten 28 000 Euro Schulden auf ihm.

Der 27-Jährige „sei nur der Fahrer gewesen, auf unsere Bitten“, meinte der 51-Jährige. Für die Chauffeurdienste habe er keinerlei Bezahlung erhalten. Ob auch der 27-Jährige einen der Benzinkanister befüllte, ließ sich nicht mehr zweifelsfrei klären.

Brandbeschleuniger zusätzlich besorgt

Auf dem Weg zum Tatort kaufte der 29-Jährige an einer weiteren Tankstelle in Ofterdingen „auf Geheiß“ des 51-Jährigen eine Flasche Spiritus und eine Schachtel Zigaretten. Er habe sich damals nichts dabei gedacht, behauptete der Fenstermonteur vor dem Schöffengericht. Der 51-Jährige sei mit einer Tasche allein auf das Firmengelände der Autosattlerei gegangen. Der 29-Jährige will beim Auto geblieben sein, wo er eine Zigarette geraucht habe. Das Verfahren gegen ihn wird am Montag, 10. Dezember, fortgesetzt.

Info Richter am Amtsgericht: Eberhard Hirn; Schöffen: Eva De Vries-Wehrhahn, Hans-Albert Schaupp. Staatsanwältin: Tatjana Grgic. Verteidiger: Michael Bruckner, Christoph Geprägs, Thomas Weiskirchner.

21.11.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 21.11.2012 - 20:52 Uhr

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