Norland Wind brauste durch die Ofterdinger Zehntscheuer
Wird Ofterdingen zur Kulturhauptstadt des Steinlachtals? Es kann jedenfalls als Glücksfall angesehen werden, dass der Mediziner Helmut Wilhelm eine Liebe zum Norden und seiner Musik entwickelt hat. So kam Norland Wind hierher.
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Irish Folk in der Ofterdinger Zehntscheune, Norland Wind gastierte dort am Wochenende. Bild: Franke
Ofterdingen. Wilhelms Leidenschaft kommt seinen Mitbürgern zugute, nicht nur denen in Ofterdingen. Er ist in Tübingen Professor für Augenheilkunde, widmet sich aber auch dem Wohlbefinden der Ohren. Am Samstagabend hat er es möglich gemacht, dass „Norland Wind“ im schönen Saal der Zehntscheuer auftrat. „Fantastische Musik“ versprach er dem Publikum zu Beginn. Und die Leute wurden nicht enttäuscht.
Den Auftakt machte das Quintett mit einem Liebeslied. War aber nicht das ganze Konzert ein einziges Liebeslied? Das erzählte von der Leidenschaft zwischen den Geschlechtern, vom Leben an und für sich und von der Landschaft.
„Norland Wind“. Das sind, wie sie da auf die Bühne kommen, fünf Personen. Thomas Loefke, der die keltische Harfe spielt. Er hält das Ohr an sein Instrument, als wolle er horchen, was es ihm zu erzählen hat, um es dann gleich wiederzugeben. Kerstin Blodig, Berlinerin und Norwegerin, handhabt virtuos ihre Gitarre und lässt dazu ihre Stimme sich erheben, die einem gleich unvergesslich wird. Noel Duggan, Bariton und Gitarrenspieler, Mitglied gewesen bei der legendären irischen Gruppe „Clannad“. Ein typischer Erzähler. Da könnte man tagelang am Tresen stehen und zuhören. Angelika Nielsen ist die Geigerin. Man spürt ihr Spiel im Herzen. Und am Keyboard, die solide Grundlage gebend, sitzt Henning Flintholm, aus Kopenhagen stammend. Er spielt auch Querflöte.
Von Easttown und Westtown/Tory Island
Loefke erzählt die Geschichten nach, von denen die Lieder handeln. Zum Beispiel von Tory Island, einer kleinen Insel, wo der letzte König von Irland zu Hause sein soll, ein paar Kilometer vor Donegal zu finden. Donegal wiederum ist der keltische Nordwesten Irlands. Diese Weltgegend hat die Musik der Fünf beeinflusst, ebenso wie Schottland oder auch die Faröer-Inseln. In Tory Island jedenfalls gibt es zwei kleine Ortschaften mit zusammen 300 Einwohnern, Easttown und Westtown, die eine Kneipe brauchten und eine bauten. In Westtown, wegen ein paar mehr Einwohnern. Sie brannte ab. Vermutlich Brandstiftung aus Richtung Easttown. Wurde wieder aufgebaut, diesmal am Ortsrand von Westtown, damit die aus Easttown es noch weiter haben sollten. Die Dörflein liegen, muss man wissen, 300 Meter auseinander.
Sie nehmen sich Zeit für ihre Stories, die auch ohne Worte auskommen können. Loefke hat zum Beispiel ein Lied geschrieben, wie es ist, wenn man als Musikreisender auf einem Kontinent ein Gespräch beginnt mit einem andern Musikanten, sich acht Jahre nicht sieht, sich dann wiederbegegnet und das Gespräch nahtlos fortsetzen kann.
Dann gibt es einen „guten Ratschlag im 5/8-Takt“, der einleuchtend lautet „Heirate einen Dudelsackspieler“. Blodig singt von einer Nachtigall, die den Verlockungen eines schönen Ritters nicht erliegen will. Und erzählt im Liebeslied von einer Räbin, „nimm mich sanft unter deinen samtschwarzen Flügel“.
Eine Hymne aus dem 14. Jahrhundert kommt dazu und eine dramatische Ballade über das Liebschaftsleben im Seilergewerbe. Der Zusammenklang ist bestens, es passt alles neben- und übereinander. Zum Tiefseufzen schön. Schätzungsweise 150 Hörer. Gut bewirtet. Whisky. Guiness. Starker Beifall. Ruth Blaum, in der Gemeinde mit Kultur befasst, sagt: „Ich bin ganz glücklich.“ Hanka aus Mössingen, acht Jahre alt, gibt, nach ihrem Lieblingslied befragt, zur Antwort: „Mir hat alles gefallen.“