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Hafer für den Gaul

Taufe der Räppleshenker in Nellingsheim

Seit drei Jahren haben die Nellingsheimer eine Narrenzunft und die Stetterberg Hexen. Nun war wegen des großen Andrangs schon Bedarf an einer neuen Gruppe.

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Die fünf Räppleshenker der Nellingsheimer Narren. Die Masken schnitzte Ralf Lorenz aus Seebronn.  ... Die fünf Räppleshenker der Nellingsheimer Narren. Die Masken schnitzte Ralf Lorenz aus Seebronn. Bild: Franke

Nellingsheim. Räppleshenker heißt die vom Seebronner Ralf Lorenz geschnitzte Lindenholzmaske. Ziemlich modern kommt sie daher, mit blauem Bauernkäpple, das auf langem, zu schwarzen Pferdeschwänzen gebundenem Haar sitzt. Dazu tragen die erst mal fünf Räppleshenker eine schwarze Zimmermannshose und über einem gestreiften Hemd eine braune Cordweste.

Die Geschichte zu dieser Figur führt in das 18. Jahrhundert zurück. Zunftmeister Uwe Frank hat sie in einem Heimatbuch gefunden, und in ihrem Ausgang ähnelt sie ein wenig dem Lied von der schwäb'sche Eisebahn. Vor weit über 200 Jahren ist demnach ein örtlicher Landwirt nach Herrenberg auf den Viehmarkt gefahren, weil sein Gaul nicht mehr der Jüngste war. Dort erwarb er ein schwarzes Fohlen – ein Räpple. Auf dem Heimweg beging er vor lauter Freude über die Neuanschaffung allerdings einen folgenschweren Fehler. Nicht nur, dass er in ein Wirtshaus einkehrte und zu viel trank, zuvor hatte er dem alten Gaul, der sein Fuhrwerk zog, noch Wasser und einen ganzen Sack Hafer gegeben. Von dem gestochen, brachte das Zugpferd des Nellingsheimers den Wagen derart eilig nach Hause, dass das hinten angebundene Fohlen am Ende erdrosselt im Seil hing.

Die Stetterberg Hexen tanzten nach der Vorstellung und Taufe der Räppleshenker um einen Galgen. Sie sind nach einem Hügel zwischen Wolfenhausen und Nellingsheim benannt, der wiederum nach der abgegangenen Siedlung Stetten heißt. 33 gibt es von ihnen inzwischen. Dabei hätten sie erst im Jahr 2007 begonnen, so Frank: „Da haben wir gesagt, wir machen auch etwas, damit in ganz Neustetten Fasnet ist.“ Remmingsheim und Wolfenhausen waren damals schon längst närrisch.

Gut 80 Narrenfreunde fanden sich am winterlich düsteren Mittwochabend vor dem Bürgerhaus ein, um die fünfte Jahreszeit zu eröffnen. Ihnen heizten nicht nur Schwedenfackeln ein, sondern mit fetziger Fasnets-Musik auch die Beschdenger Baizakrageler. Weil's draußen bitterkalt war, sorgte zudem das Feuerwehrhaus für einen warmen Raum zum Schunkeln ein.

08.01.2010 - 08:30 Uhr
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