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Häckseln im Fasanengarten

Neustetten will bald selbst Baum- und Grasschnitt annehmen

Die Gemeinde Neustetten will einen eigenen Häckselplatz einrichten. Denn der Wolfenhauser Komposthof Maier wird bald keinen Baumschnitt mehr annehmen.

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michael hahn
Zumindest für eine Übergangszeit bis August will der Wolfenhauser Landwirt Wilhelm Maier noch ... Zumindest für eine Übergangszeit bis August will der Wolfenhauser Landwirt Wilhelm Maier noch Häckselgut aus Neustetten und Seebronn annehmen. In den Hallen im Hintergrund mischt er das trockene Häckselmaterial in den nassen Biomüll und macht daraus hochwertigen Kompost. Bild: Mozer

Neustetten. Nur noch bis zum 30. Juni wird der Inhalt der „Grünen Tonnen“ aus dem Landkreis Tübingen nach Wolfenhausen gefahren. Dort kompostiert der Landwirt Wilhelm Maier seit 15 Jahren den Biomüll. Doch vor kurzem hat der Landkreis die Entsorgung des Biomülls neu ausgeschrieben und an den günstigsten Bieter vergeben: an eine große Entsorgungsfirma in Ludwigsburg.

Damit fehlt dem Komposthof künftig das Rohmaterial. Wie Maier die rund einen Hektar große Anlage unweit des Autobahnzubringers künftig nutzen will, ist noch offen. Der Landwirt will die Kreistagssitzung Mitte Juli abwarten, bevor er eine Entscheidung fällt, sagte er gestern dem TAGBLATT.

Um den nassen Biomüll zu kompostieren, brauchte Maier auch trockenes Häckselgut, also geschredderte Äste und Zweige. Für die Gemeinde Neustetten war das eine „Luxuslösung“, sagte Bürgermeister Gunter Schmid am Montag im Gemeinderat. Denn die Einwohner der drei Ortsteile (und aus dem benachbarten Seebronn) konnten ihre holzigen Baum- und Strauch-Abfälle direkt und kostenlos beim Komposthof abliefern, ebenso wie ihren Grasschnitt und ihr Laub. Und die Gemeinde Neustetten brauchte keinen kommunalen Häckselplatz vorzuhalten.

Das wird nun aller Voraussicht nach anders. Wenn Maier tatsächlich die Kompost-Produktion einstellt, dann braucht er auch kein Häckselgut mehr. Der Landkreis holt zwei Mal im Jahr gebündelten Baumschnitt und Laubsäcke vom Straßenrand ab. Aber für eine Landgemeinde wie Neustetten sei das zu wenig, sagte Schmid, der sich im Kreistag vergeblich für eine umfangreichere Grüngut-Abfuhr eingesetzt hatte. „Auf dem Land funktioniert das so nicht“, sagte Schmid. „Wir haben hier relativ große Grundstücke und viele Leute, die Baumpflege betreiben.“

Deswegen muss nun Neustetten – wie die meisten anderen Kreisgemeinden auch – einen eigenen Häckselplatz mit Grüngut-Annahme einrichten. Schmid hatte mehrere mögliche Standorte geprüft; der Gemeinderat folgte einstimmig seinem Vorschlag, den Platz im Gewann „Fasanengarten“ nördlich von Remmingsheim einzurichten – derzeit ein ungepflegtes Heckengrundstück. (Ein anderer Standort nördlich von Nellingsheim, den Gemeinderat Berthold Kienzle ins Gespräch gebracht hatte, wurde wieder fallen gelassen.) Das Fasanengarten-Grundstück sei großteils bereits im Eigentum der Gemeinde und über asphaltierte Feldwege gut erreichbar, sagte Schmid.

Der Häckselplatz müsse eingezäunt und beaufsichtigt werden, sagte Schmid. Denn die holzigen Abfälle dürfen nicht mit feuchtem Grasschnitt und Laub vermischt werden. Auf die Gemeinde kommt so eine Investition von rund 55 000 Euro zu, schätzte Schmid. Plus die Personalkosten für den laufenden Betrieb.

Für die Anlieferung müsse man etwa zwei Ar Wiesenfläche asphaltieren. Weiterhin soll ein Container für den Grasschnitt aufgestellt werden. Der Maschinenring würde – wie anderswo auch – das Häckseln übernehmen und die Späne abtransportieren. Schmid hofft, dass man den Häckselplatz bis Oktober fertig stellen kann.

Der Bürgermeister will den Häckselplatz zunächst nur samstags öffnen, eventuell auch freitagnachmittags. Berthold Kienzle plädierte für längere Öffnungszeiten: „Wenn jemand eine Woche Urlaub hat und da seinen Heckenschnitt macht, dann will er das auch gleich abliefern.“ Über Öffnungszeiten und Gebühren wird der Gemeinderat später entscheiden.

Landwirt Maier ist bereit zu einer Übergangslösung. Er will noch mindestens bis August Häckselgut annehmen. Da der Kompost-Prozess mehrere Wochen lang dauert, kann er die Holzspäne noch eine Zeitlang brauchen. Maier hätte den Biomüll-Vertrag mit dem Landkreis gerne verlängert, sagte er. Aber als kleiner Betrieb könne er kostenmäßig nicht mit einer großen Entsorgungsfirma konkurrieren. „Wir sortieren hier von Hand.“ Er habe stets auf die Qualität seines Komposts geachtet: „Ich will meinen Abnehmern auch ins Auge sehen können.“

16.06.2010 - 08:30 Uhr
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