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Für Lob und ein paar Euro

Neuntklässler wollen sich beweisen

Sieben Jugendliche aus Ergenzingen und Remmingsheim sind jetzt fit fürs Babysitten. Was ihnen noch fehlt, sind Kinder, die sie betreuen dürfen.

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Birgit Reinke
Windeln wechseln? Kein Problem mehr für Anton Smolin (rechts). Gemeinsam mit sechs ... Windeln wechseln? Kein Problem mehr für Anton Smolin (rechts). Gemeinsam mit sechs Schulkameradinnen hat er einen Babysitter-Kurs absolviert. Bild: Groebe

Ergenzingen/Neustetten. Kati, Viki, Lucy, Sarah, Denise, Angi und Anton, allesamt Neuntklässler der Hauptschule Ergenzingen, wissen jetzt ganz genau, wie man ein Baby hält, wickelt, füttert und wie man als vertrauenswürdiger Babysitter auftreten sollte. Denn sie haben einen eintägigen Kurs absolviert, angeboten von der Jobbörse Ergenzingen.

Angemeldet waren eigentlich elf Mädchen und fünf Jungen, aber die Grippewelle hatte die Anzahl stark reduziert. Tanja Möllenbeck, Betreuerin der Jobbörse, und Mariele Hausdorf vom Jugendbüro Neustetten, haben den Kurs gemeinsam in der Schule in Remmingsheim veranstaltet. „Mit diesem Babysitter-Kurs wollen wir unseren Jugendlichen ein weiteres Feld für Job-Möglichkeiten eröffnen“, so Tanja Möllenbeck. Denn an denen mangele es leider.

Mehr als 20 Jugendliche sind mittlerweile bei der Jobbörse registriert. Sie können sowohl von Privatleuten als auch von Institutionen wie Kindergärten, Schulen oder Banken gebucht werden. „Unsere Neuntklässler erledigen Jobs wie Blätter fegen, Holz aufstapeln, Auto putzen, Rasen mähen oder Party-Service sehr zuverlässig“, versichert die Sozialarbeiterin.

Das bestätigt beispielsweise Jürgen Neef aus Ergenzingen. Weil er selbst aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit keine schweren Arbeiten verrichten kann, buchte er zwei Jungs bei der Jobbörse. „Die beiden haben meinen Garten mit so einer Power und Geschwindigkeit umgegraben, wie ich es selbst im gesunden Zustand nicht mal hätte schaffen können“, lobt er Manuel und Patryk aus Remmingsheim. Und weil sie eben so fleißig und freundlich waren, gab er ihnen gleich den doppelten Lohn, erzählt er noch lachend.

Standard sei 4 oder 5 Euro pro Stunde, so Möllenbeck. Die Möglichkeit, etwas Taschengeld dazu zu verdienen, sei oft der erste Grund, warum sich die Jugendlichen bei der Jobbörse melden. „Aber spätestens nach dem ersten Einsatz sind eigentlich alle stolz und glücklich, etwas geschafft zu haben, und das Lob, das sie dann ernten, spornt an!“

Ursprünglich war die Jobbörse, die 2007 ins Leben gerufen wurde, mal gedacht als Besuchsdienst für Jugendliche bei älteren Menschen. Aber auch hier mangelte es einfach an Aufträgen, weil wohl die Hemmschwelle zu groß war, vermutet Tanja Möllenbeck. „Wir haben deshalb unser Feld erweitert auf allgemeine Hilfsdienste für jedermann.“ Denn die Idee, die dahinter stecke, sei einfach gut: „Die Jugendlichen sollen in die Gemeinde eingebunden werden, sollen sich dazu gehörig fühlen und zeigen, dass sie bereit sind etwas zu leisten und Verantwortung zu übernehmen.“

Finanziert wird die Jobbörse aus einem Topf für Jugendarbeit der beiden Kirchen in Ergenzingen. Organisatorisch gliedert sich die Jobbörse an das Jugendbüro des Diasporahauses Bietenhausen an. Tanja Möllenbeck nutzt das Büro in der Hauptschule Ergenzingen mit und hat so auch eine gute Möglichkeit, die Neuntklässler direkt und persönlich anzusprechen. Die Jobbörse sei schließlich auch eine gute Vorbereitung für die Berufswelt. „Die Jugendlichen lernen hier die Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und bekommen auf Wunsch auch ein Zeugnis für ihren Quali-Pass“.

Mitmachen können alle Neuntklässler, die in Ergenzingen oder der näheren Umgebung wohnen oder die Schule in Ergenzingen besuchen. Sobald der Jobbörse ein Angebot vorliegt, regelt Tanja Möllenbeck das Organisatorische wie Termin, Dauer oder Lohn für den Einsatz und vermittelt dann ein oder zwei geeignete Jugendliche. „Ich kenne meine Jungs und Mädels inzwischen ganz gut und weiß, wer welchen Job gut erledigen kann; Beschwerden gab es noch nie!“

So war auch der Babysitter-Kurs nicht nur geeignet, den Jugendlichen mit Rollenspielen und praktischen Übungen das Betreuen von Babys und Kindern näher zu bringen, sondern auch eine Gelegenheit, die potenziellen Babysitter einzuschätzen. Möllenbeck: „Ich weiß jetzt ziemlich genau, wen ich ruhigen Gewissens vermitteln kann.“

Info

Die Jobbörse ist erreichbar übers Jugendbüro Ergenzingen, Kornstraße 25, Telefon 0 74 57 / 73 18 32, oder per E-Mail an jugendburo.ergenzingen@diasporahaus.de

02.12.2009 - 08:30 Uhr
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