Alt-Bürgermeister Maier führte durch die Geschichte
Kelten, Pest und Flurbereinigung: kenntnis- und detailreich führte Alt-Bürgermeister Rudi Maier am Sonntagnachmittag rund 70 Interessierte durch die Remmingsheimer Ortsgeschichte.
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frank rumpel
Oben im Kirchturm hängt der älteste von Menschen gefertigte Gegenstand in Remmingsheim: die große Vier-Evangelisten-Glocke von 1456. Das sagte Alt-Bürgermeister Rudi Maier (Mitte) zum Auftakt seiner heimatgeschichtlichen Dorf-Führung am Sonntag.Bild: Ulmer
Remmingsheim. Besonders groß war es nicht, das historische Remmingsheim. Auf einem Plan von 1847 bestand der Ort im Wesentlichen aus der Hauptstraße (bis zu ihren heutigen Knickstellen). 108 Familien lebten hier, das waren 521 Personen. Den Plan hatte Rudi Maier einst vom Vermessungsamt bekommen. Am Sonntag vermachte er ihn der Gemeinde.
„Eigentlich könnten wir 2500 Jahre Besiedlung feiern“, sagte Maier. Schließlich sei die Gegend schon vor der ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1111 nachweislich von Kelten, Römern, Alamannen und Franken besiedelt gewesen. „Ich empfehle der Gemeinde, gleich nochmals den Jubiläumsausschuss einzuberufen, damit wir das nächstes Jahr feiern können“, sagte Maier lächelnd.
Ältestes Gebäude im Ort ist die Peterskirche. Sie wurde 1523 und damit noch vor der Reformation fertig gestellt und ersetzte den wohl zu klein gewordenen Vorgängerbau aus dem Jahr 1050. Maier empfahl der Kirchengemeinde, 2023 doch das 500-jährige Bestehen zu feiern.
Nach alten Ausgleichsurkunden muss die bürgerliche Gemeinde bis heute anteilig für den Unterhalt von Turm, Uhr und Glocken zahlen. Ursprünglich waren es 50 Prozent. „Ich habe das in meiner Amtszeit mit Ach und Krach geändert bekommen“, sagte Maier.
Die Remmingsheimer Kirche gehörte von 1420 bis 1806 dem katholischen Moriz-Stift in Rottenburg – also auch noch nach der Reformation. Die württembergische Herrschaft baute 1538 für 220 Gulden „ein fürstliches Pfarrhaus“. Das hielt bis 1887, wurde dann auf Abbruch verkauft und vom Steinhauer August Deible erworben. Mit dem Material baute er sein Haus in der heutigen Hauptstraße 93.
Aus der Hinteren Gasse wurde auf Bitten der Anwohner die Hintere Straße, verriet Maier. „Dabei finde ich Gasse eigentlich ganz schön.“ Lange Jahre aber hieß sie im Volksmund sowieso nur Brandgasse, weil sie im Mai 1839 fast komplett abbrannte. Im Plan von 1847 aber sind alle Häuser schon wieder aufgebaut.
Die Wettestraße führte zur Wette, wo sich hinterm damaligen Ortsende das Wasser sammelte. Wie wasserreich die Gegend ist, zeigen heute noch viele Brunnen im Ort. Deren Zahl stieg mit dem großen Bauboom Ende des 19. Jahrhunderts rapide an. Um 1900 gab es 21 Brunnen in Remmingsheim. 1908 wurde die Wette aufgefüllt – und zwar mit dem Aushub, der beim Verlegen der Wasserleitung anfiel.
Auf der ehemaligen Lehmgrube entstand 1913 die Schule. Beim Graben stieß man auf ein Massengrab. Die Pest hatte im 16. und 17. Jahrhundert auch im Stäble schwer gewütet und die Bevölkerung innerhalb von 70 Jahren auf 180 Menschen dezimiert. Viele flohen nach Rottenburg.
Lediglich der evangelische Pfarrer bekam dort kein Asyl. Er ging auf die Weitenburg. Wollten die Exilanten von ihm ein Neugeborenes taufen lassen, mussten sie dafür bis nach Sulzau. Ihr Pfarrer stieg dann von der Burg herab.
Als „größte Errungenschaft“ der Flurbereinigung in den 1960er Jahren bezeichnete Maier den Durchbruch der heutigen Hohenzollernstraße nach Süden. Hinterm Rathaus stand dort lange ein Bauernhof. Zum Backhaus hin blieb nur eine schmale Gasse.
Durch einen Grundstückstausch kam das Gebäude in Besitz der Gemeinde. Die brach es ab und schaffte dadurch die Öffnung nach Süden. Diese „Errungenschaft“ durch eine Verkehrssperrung ums Rathaus herum wieder aufzugeben, davon hält der ehemalige Bürgermeister nichts. „Ich glaube, das müssen wir offen lassen.“