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Die Jugendhelferin aus Tirana

Albanierin macht Freiwilliges Jahr in Neustetten

Elona Hoxha ist 24 Jahre alt und hat Sozialarbeit studiert. Eine ganz normale, junge Frau, die beim Jugendbüro in Neustetten ein Freiwilliges Jahr macht. Wenn da nicht ihre Herkunft wäre: Sie kommt aus Albanien.

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Ulrich Eisele
Weil sie dieselbe Sprache wie Adwan (links) und Gresa (rechts) spricht, hilft Elona Hoxha den ... Weil sie dieselbe Sprache wie Adwan (links) und Gresa (rechts) spricht, hilft Elona Hoxha den beiden Kindern aus dem Kosovo beim Deutsch lernen. Bild: Mozer

Bis 1998 lag Albanien hinter einem Eisernen Vorhang. Wie die Menschen dort lebten, wusste man hierzulande nur aus – zumeist ideologisch gefärbten – Zeitungsberichten. Erst nach dem Tod des Führers der kommunistischen Partei Enver Hoxha, 1985, öffnete sich das Land nach Westen. Seit 1991 wird Albanien von bürgerlichen Regierungen geführt. Der Prozess der wirtschaftlichen und politischen Umgestaltung wird allerdings immer wieder durch Krisen unterbrochen.

Erst im vergangenen Jahr ist Albanien in die Liste der Länder des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) aufgenommen worden. Dieses von der EU finanzierte Programm ermöglicht jungen Europäern zwischen 18 und 30 Jahren ein Jahr Aufenthalt im europäischen Ausland. Die jungen Leute engagieren sich in dieser Zeit in sozialen Projekten. Ziel des EFD ist, „die aktive Europäische Bürgerschaft sowie das gegenseitige Verständnis unter jungen Menschen zu fördern“ (aus einem Prospekt).

Elona Hoxha (sprich: Hodscha) hat diese Chance sogleich genutzt. Etwa ein halbes Jahr dauerte es jedoch, bis sie eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland bekam. Weil der Austausch mit Albanien noch nicht so etabliert ist wie mit anderen europäischen Ländern, waren zahlreiche bürokratische Hindernisse zu überwinden.

Seit September vergangenen Jahres wohnt Elona Hoxha in Remmingsheim und arbeitet fürs Jugendbüro Neustetten. Mariele Hausdorf, die Stützpunktleiterin, hat sich für sie immer wieder eingesetzt. Hoxha hilft ihr bei der Kinderbetreuung in der Schule und arbeitet auch im Kindergarten mit sowie fürs Ergenzinger Jugendbüro. Dort hilft sie bei der Essensausgabe in der Mensa. „Vielfältige Einblicke in verschiedene soziale Felder“ seien bei dem Austauschprogramm erwünscht, sagt Mariele Hausdorf.

Zufällig kamen mit Elona Hoxha zwei Kinder aus dem Kosovo in die Gemeinde, die kein Wort Deutsch sprachen. „Wir wussten nicht, was wir mit ihnen anfangen sollen“, berichtet Hausdorf. Adwan, 8, und Gresa, 6, besuchen seit September die dritte und erste Klasse der Remmingsheimer Grundschule. Ihre Muttersprache ist Albanisch. Elona Hoxha hilft den beiden nun zwei Mal in der Woche, Deutsch zu lernen und in den geforderten Schulstoff – Rechnen und Schreiben – hinein zu kommen. „Sie ist unser Bindeglied“, sagt Mariele Hausdorf.

Dabei konnte Elona Hoxha selbst noch wenig Deutsch, als sie hier ankam. Sie spricht sehr gut Englisch, auch Italienisch versteht sie leidlich – wie die meisten Albaner. Das Albanische klingt ein wenig wie ein italienischer Dialekt und gehört zu den romanischen Sprachen. Die albanischen Jugendlichen würden sich vorwiegend nach Italien und Frankreich hin orientieren, erzählt Elona Hoxha. Deutsch könne man in Tirana zwar auch lernen. Diese Sprache werde aber eher selten gewählt.

Die junge Tiranerin hat sich bewusst für Deutschland entschieden. Sie plant zukünftig, in Deutschland ihren Master in Pädagogik zu machen. Ihre Familie werde sie dabei finanziell unterstützen, sagt sie. Auch beruflich sind ihre Hoffnungen mehr auf Europa als auf ihre Heimat ausgerichtet. In Tirana sei es sehr schwierig, als Sozialarbeiterin tätig zu sein, erzählt sie. Es gebe kaum staatliche Programme.

In ihrer Freizeit macht Elona Hoxha das, was andere ausländische Studierende oder Freiwillige auch hier machen: Sie fährt nach Rottenburg oder Tübingen, trifft sich dort mit Freund(inn)en, geht ins Kino oder ins Café . Mit ihrem offenen Wesen hat sie rasch Anschluss gefunden – bei anderen Freiwilligen, Student(inn)en oder Austauschschüler(inne)n, die sich für ein Jahr in der Region aufhalten.

Freiwilligendienst und Auslandsstudium

Der Europäische Freiwilligendienst dient ausdrücklich nicht dazu, Immigrant(inn)en aus Nicht-Eu-Ländern einen Aufenthaltsstatus in Deutschland zu verschaffen. Nach ihrem Aufenthalt kehren die Freiwilligen in der Regel in ihre Heimatländer zurück. Die Aufnahme eines Studiums in Deutschland ist Nicht-EU-Ausländern, auch albanischen Staatsangehörigen, möglich, wenn sie mit einem Abitur oder gleichwertigen Abschluss und einem Jahr Studium im Heimatland die Studienvoraussetzungen erfüllen. Für die Dauer des Studiums erteilt das Landratsamt eine Aufenthaltserlaubnis.

22.01.2010 - 08:30 Uhr
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