Unterm Punkt Verschiedenes taucht im Nehrener Gemeinderat oft noch am Ende der Tagesordnung Konfliktstoff auf, Kurioses und Kabinettstückchen der Debattierkunst. Wie lebendig es im Nehrener Gemeinderat zugeht, erfährt der Besucher oftmals aber auch bei den Debatten über die Gestaltung des Friedhofs und die Formulierung der Satzung, die festlegt, wie der Ruheplatz genutzt werden darf. Im Juli hatten die Räte einer Neukalkulation der Friedhofsgebühren zugestimmt und dabei die Satzung den veränderten Bedingungen angepasst. Jedoch: zu schnell.
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Der Technische Ausschuss hatte bei einer Besichtigung vor Ort festgestellt, dass die Satzungsbestimmungen „nicht auf die örtlichen Verhältnisse passen“.
Auf Rasengräbern sollen nur stehende, nicht liegende Grabmale zulässig sein, bei den neuen Grabkammern können neben den verzinkten Einfassungen auch solche aus Stein verwendet werden. Denn die aus Zink sähen eher aus wie Schneckenzäune, meinte Gerhard Ziersch. Die individuelle Gestaltung bleibt dann den Hinterbliebenen überlassen. Es könne aber wiederum nicht angehen, meinte Werner Nill, dass noch die politische Gesinnung des Begrabenen sich in der Farbe der Einfassung widerspiegele, schwankend zwischen tiefschwarz und dunkelrot. Bürgermeister Egon Betz sagte zum Urnenrasengrab und dessen Blumenbeschmückung: „Wer diesen Grabcharakter will, muss wissen, worauf er sich einlässt.“
Auch Elektronisches wurde in der Sitzung angesprochen. Hinsichtlich des schnellen Internet-Anschlusses hat, wie Betz mitteilte, die Telekom alle nötigen Leitungen eingerichtet. „Aber wer es haben will, muss es schon beantragen“, der DSL-Weihnachtsmann komme nur zu dem, der ihn einlade. Dann ließen sich die Räte auf eine Debatte über neuzeitliche Technologien und altertümliches Papiergeraschel ein. Gemeinderat Gerhard Ziersch schlug vor, die Sitzungsunterlagen per Mail zu verschicken und dafür Tablets anzuschaffen, die vor und in den Sitzungen zu nutzen seien. So könne das viele Papier für die Sitzungsunterlagen und die Kopierkosten eingespart, die Amtsbotengänge und die Arbeit von Betzens Sekretärin verringert werden. In Tübingen, wo es sich um sage und schreibe 700 000 Euro Druck- und Papierkosten handeln solle, werde auch umgestellt.
Keine Geraschel mehr bei Haushaltsberatungen? Da begann es gleich zu brummen: „Nie im Leben!“ So einen Hokuspokus mache er nicht mit, rief Nill, er wolle die Beschlussvorlagen gefälligst schwarz auf weiß.
Betz kennt sich, als früherer Leiter der Kreistagsgeschäftsstelle, mit der Thematik aus, hat dort selbst Software dafür angeschafft. Aber für einen kleinen Rat lohne sich das nicht, wie er schlüssig bewies. Außerdem fühlt auch er sich nicht den „digital natives“ zugehörig, Menschen, die mit dem Laptop auf die Welt gekommen sind. So bleiben die Nehrener Räte Papiermenschen. jon / Bild: Fotolia S. Voigt
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