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Schwanen bald wieder offen

Sandra Piccione ist die neue Pächterin des Nehrener Traditionslokals

Lange Monate stand das bekannte „Schwanen“-Lokal in Nehren leer. Nun bekommt es eine neue Pächterin. Sandra Piccione, seit einigen Jahren mit ihrer Familie im Ort wohnhaft, wird die Führung der traditionsreichen Gaststätte in die Hand nehmen.

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Jürgen Jonas
„Es ist so schade, dass es den Schwanen nicht mehr gibt“, dachte sich Sandra Piccione – jetzt ... „Es ist so schade, dass es den Schwanen nicht mehr gibt“, dachte sich Sandra Piccione – jetzt hat sie das Lokal selbst gepachtet. Bild: Franke

Nehren. Die Türe zur Gaststube wird sich auf jeden Fall erst nach den Sommerferien öffnen, schätzungsweise wird es Anfang Oktober. Sandra Piccione hat viel zu tun mit den Vorbereitungen. Im Gemeinderat hat sich die 40-Jährige vorgestellt und den Zuschlag als Pächterin bekommen. Die Gemeinde, Eigentümerin des Gebäudes, hat ein gesteigertes Interesse daran, dass der Laden läuft.

Zwischen Rathaus und Bürgerhaus gelegen, gehörte das Haus einfach immer zum Mittelpunkt des Ortes. Die Räte haben die dringend nötige Sanierung in die Wege geleitet, Handwerker sind im Haus. Die künftige Wirtin kümmert sich derzeit energiereich um Einrichtungsfragen, überlegt Konzepte und kauft passendes Geschirr. Sie hat Einzelhandelskauffrau gelernt, im Geschäft der Eltern in der Hirschgasse, Schlüsseldienst Schmid, wo ihr Mann Franco heute als selbstständiger Mitarbeiter tätig ist. Schon als Jugendliche hat es sie aber auch ins Restaurantfach gezogen, nicht nur, um etwas Geld dazu zu verdienen, sondern aus Freude an der Arbeit. In einigen bekannten Tübinger Gaststätten hat sie gearbeitet, in der Weinstube Forelle, im Hotel am Schloss oder im Rebstöckle, auch im Restaurant „Pepe Rosso“ in Reutlingen oder auf Messen in Sindelfingen. Auf dem Flughafen in Stuttgart hat sie gelernt, die Bewirtung großer Menschenmengen zu organisieren. „Ich bin es gewohnt, schnell zu arbeiten“, sagt sie.

Vereine und Kinder sind willkommen

Sie war öfter mit der Familie zum Essen im Schwanen, die Entwicklung des Hauses hat sie beobachtet, immer wieder hat sie, im Vorübergehen, gedacht: „Es ist so schade, dass es den Schwanen nicht mehr gibt.“ Nun wagt sie, mit Unterstützung ihrer Familie, den Sprung in die Selbstständigkeit. Seit Februar 2004 wohnt die Familie in Südwest Ehrenberg, am Rande des Dorfes, aber keineswegs außerhalb. Von Freunden wurden sie auf den Bauplatz aufmerksam gemacht, vorher wohnten sie in Tübingen in der Hechinger Straße. Vor allem der Kinder wegen kam der Umzug, „hier ist es viel ruhiger als in der Stadt“. Der Spielplatz ist in unmittelbarer Nähe, und „Nehren bietet einiges für Kinder“. Fabio (13) spielt mit großer Begeisterung Fußball beim SVN, die Tochter Elisa ist elf, malt viel und geht reiten, beim Zirkus Nehrondo macht sie mit. Sascha, der 19-jährige große Sohn, wohnt in Mössingen. Zur Familie gehört auch ein netter Hund namens Tyson, von Volpetto-Art. Sandra Piccione liest viel, vor allem historische Romane, setzt leidenschaftlich riesige Puzzles zusammen und fertigt Kerzen.

Die Picciones haben, nicht nur mit Nachbarschaftsfesten oder Sponsoring, Fuß gefasst in der Gemeinde. Sie kommen nicht plötzlich von außerhalb als jemand, der sich mit den Nehrener Bedingungen kaum auskennt. Ein etwas anderes Konzept als die vorherigen Pächter macht Piccione zur Grundlage ihrer künftigen Arbeit. Die Vereine werden ihr natürlich herzlich willkommen sein, Stammtische wünscht sie geradezu herbei. Es wird ihr nicht schwerfallen, besonders Kindern gegenüber „sehr viel Verständnis“ aufzubringen. Sie will das Lokal bis auf weiteres erst am Nachmittag öffnen, keinen Ruhetag einlegen. Küche „gutbürgerlich, Überraschungen nicht ausgeschlossen“. Dabei gilt der Grundsatz: Aus der Region für die Region. Eine Köchin aus Nehren wird in der Hauptsache diese Arbeit übernehmen, „wer es ist, wird noch nicht verraten“. Kochen kann Piccione auch, aber 40 Essen am Abend zu bereiten würde ihr schwer fallen.

Und was wird nun

aus dem Keller?

Ihre Sichtweise des Gastronomenberufs fasst sie in die Worte: „Jemanden zu Gast zu haben, heißt, für sein Wohl zu sorgen, solange er unter meinem Dache weilt.“ Im Keller ist der Ursprung des Jugendhauses, bis vor 25 Jahren die Baracke am Bahndamm bezogen wurde. Bis heute heißt der Club „Schwanenkeller“. Wie sie den Keller nutzen will, weiß sie noch nicht. Aber Überlegen kann nicht schaden.Wäre es nicht ein idealer Ort für Weinproben? Und wie kann der Biergarten besser genutzt werden? Auf jeden Fall steht schon mal fest: Es kommt auch Wulle-Bier zum Ausschank. Lokal mit Lokalbezug.

27.08.2010 - 08:30 Uhr
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