Ein Gasthaus wäre am schönsten, sagten viele Gemeinderäte. Aber das Architektenbüro, das sich nun um das Gebäudeensemble rund um den Rathausplatz kümmern wird, soll alle Sanierungs-Optionen offen halten. Fachleute ermitteln, was machbar ist. Und der Gemeinderat soll sich darüber klar werden, was er wirklich will.
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Gabi Schweizer
Nehren. Wieder mal hat eine Pächterin aufgegeben, wieder mal steht der Schwanen leer. Und nicht nur das: Er löst sich auf. Zum Beweis hatte Bürgermeister Egon Betz ein armlanges Brett samt Blumenkasten-Haken mit in die Sitzung gebracht: Wenige Stunden zuvor hatte es sich von einem der Giebelfenster gelöst. „Aber die Farb’ hebt noch!“ rief Malermeister Werner Nill. In der Tat: Der Schwanen sieht, rein äußerlich, nicht so schlecht aus. Der hintere Teil aber und die oberen Stockwerke, Betz betonte es noch einmal deutlich, seien in einem „desolaten Zustand“. Unklar ist aber, ob das Gasthaus überhaupt rentabel zu bewirtschaften ist. Betz zitierte betriebswirtschaftliche Berechnungen, nach denen ein Restaurant mindestens 100 Plätze benötigt – die gibt es in dem alten Fachwerkhaus nicht.
Rathaus, Rotkreuzhäusle, Schwanen (von links): Alle sind renovierungsbedürftig, aber nur beim Rathaus ist die künftige Nutzung klar. Bild: Rippmann
Nun soll eine Machbarkeitsstudie Klarheit bringen. Das Büro Reschl und Höschele soll ermitteln, welche Nutzungen für den Schwanen und das sogenannte Rotkreuzhäusle infrage kommen, dabei auch den Rathausplatz einbeziehen. 50 000 Euro kostet die Studie, 60 Prozent fließen in Form von Fördermitteln an die Gemeinde zurück (ein Grund übrigens, warum es eilt – die Beantragungsfrist läuft sonst ab). Zwar können spätere Entwürfe auf der Machbarkeitsstudie aufbauen. FWV-Rat Gerd Klett war dennoch skeptisch, fand 50 000 Euro viel Geld, zumal ja auch die Zuschüsse über Steuern finanziert würden. Vor allem aber: „Ich habe das Gefühl, dass es zu eng in eine Richtung geht.“ In der Tat hatten etliche Gemeinderäte zuvor beteuert, ein Gasthaus wäre ihnen die liebste Lösung. Andererseits: Reschl und Höschele werden mindestens ein halbes Jahr brauchen, ehe die Studie steht. Betz möchte „alle Optionen offenhalten“ und die Zeit als Chance begreifen, um Grundsatzentscheidungen zu treffen: Welche Gebäude und Flächen will die Gemeinde unbedingt behalten? Wie wichtig sind ihr der Schwanen und das Rotkreuzhäusle? Wo kommt das Gemeindearchiv unter, das derzeit unterm Rathausdach lagert, dort aber raus muss? Es ist zu schwer, zu brandanfällig, benötigt zu viel Platz, vor allem nun, da die Gemeinde ein Bürgerbüro einrichten möchte.
Neulich war die Rede davon, das Gemeinde- gemeinsam mit dem Vaihinger-Archiv im Rotkreuzhäusle unterzubringen, das gerade noch zwischen Schwanen und Rathaus vor sich hingammelt. Da schließt sich gleich die nächste Grundsatzfrage an: Will die Gemeinde Platz für Hans Vaihinger und Ernst Wulle schaffen, die beiden bekanntesten Nehrener – der eine Philosoph, der andere Bierbrauer und sozialer Wohltäter. Und wenn ja: wo?
Die Machbarkeitsstudie liege ihm sehr am Herzen, versicherte Helmut Frank (ALN): „Das ist eine Nummer zu groß, als dass wir es als Nichtfachleute überblicken können.“ Allerdings: Sollte die Gemeinde etwas beschließen wollen, was defizitär ist, dann möchte er auf jeden Fall die Bürger dazu befragen. Wenn also zum Beispiel der Schwanen für so viel Geld renoviert würde, dass diese Kosten niemals über die Pacht hereinkämen. Stirnrunzeln im Saal: „Das täten wir auch nicht“, murmelte Tanja Schmidt (SPD). Und Antje Warth sprach vom „Hintergrundwissen“, das der Gemeinderat habe: „Wir hätten wahrscheinlich kein Bürgerhaus bauen können, wenn wir danach gefragt hätten.“
An der Machbarkeitsstudie allerdings wollte niemand rütteln: „Wir haben lang genug rumgewurstelt und sind zu nichts gekommen“, befand Marlies Lipps (CDU). Das Büro wird nun beauftragt.
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