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Grüne Bundestags-Kandidat(inn)en stellten sich vor

Alle grün – und so verschieden

Eine Kandidatin, zwei Kandidaten, drei komplett unterschiedliche Profile: Kathrin Metzler, die Probleme global sehen will, Stichwort Welternährung. Chris Kühn, der Jüngste und zugleich derjenige mit der meisten Politikerfahrung. Dennis De, der Wirtschaftsprofessor, der ein Thema anpacken will, das bei den Grünen bislang keine Priorität hat.

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Gabi Schweizer

Nehren. Wenn sie sich was wünschen dürften, würde Chris Kühn sich um Verkehrsfragen kümmern, Kathrin Metzler um die Agrarpolitik, Dennis De um die Wirtschaft. So läuft das nicht immer in der Politik – da kann es passieren, dass man sich für Umwelt meldet und sich dann um Atommüll kümmern soll. Aber die Kür der grünen Bundestagskandidatin oder des Bundestagskandidaten wird wohl auch eine Themenwahl – das zeichnete sich vorgestern Abend im Nehrener Schwanen ab, wo die Drei sich zum ersten Mal gemeinsam präsentierten, in lockerer Atmosphäre vor etwa 15 Grünen.

Würden gern für den Bundestag kandidieren: Kathrin Metzler, Chris Kühn und Dennis De (von ... Würden gern für den Bundestag kandidieren: Kathrin Metzler, Chris Kühn und Dennis De (von links). Bild: Franke

Der Tübinger Chris Kühn, 33, ist seit 2009 Landesvorsitzender. Künftig will er weniger organisieren und mehr selbst gestalten – im Landtag hat er keine Stimme, ohnehin würde vieles auf Bundesebene entschieden. Eigentlich in der Verkehrspolitik zu Hause, sieht er sich mittlerweile als politischer Generalist. Kaum ein Thema gebe es, zu dem er kein Podium gemacht habe. Persönlich traut er sich zu, Druck auszuhalten: „Ich möchte den Schritt rauswagen aus dem grünen Biotop.“

Krippenplätze ja, Betreuungsgeld nein

Eine echte Verkehrswende sei allein mit schadstoffarmen Autos nicht zu schaffen. Kühn will dafür eintreten, dass es über 2019 hinaus Fördermittel für den Öffentlichen Nahverkehr gibt. Daran hängt nicht zuletzt die Regionalstadtbahn. Ökosteuer, Tempolimit auf Autobahnen (eine auf 170 Stundekilometer ausgelegte koste mehr als eine für 130), PKW-Maut – das sind Ideen, die Kühn kurz anriss und grundsätzlich befürwortet. Beim Deutsche Bahn-Konzern müssten Netz und Betrieb entkoppelt werden. Das Betreuungsgeld würde er wieder abschaffen und die dafür vorgesehenen 1,2 Milliarden in den Ausbau von Betreuungsplätzen stecken.

Bewerber Dennis De, „glücklich verheirateter Vater zweier Kinder“, sprach ganz bewusst von der „Herdprämie“, durch die Kinder ferngehalten würden von anderen Kindern – ihrer Entwicklung, das belegen Studien, ist das abträglich. Der 48-Jährige, nach eigener Aussage der „unbekannte Dritte“, präsentierte sich als einer, der aus der Wirtschafts-Praxis kommt und das Thema nicht den anderen Parteien überlassen will.

Er hat Stationen bei der EU und in Mumbai hinter sich, berät mittelständische Betriebe, hat den Studiengang International Business an der ESB Reutlingen aufgebaut und arbeitet dort als Professor für Mittelstandsökonomie und Entrepreneurship. Er sprach von der Jugendarbeitslosigkeit, die junge Menschen in England und Frankreich schon jetzt ohne Perspektiven lässt: „Die Chance, die wir in Deutschland haben, ist, dass wir noch nicht so pleite sind wie alle anderen.“

Zur Finanz- und Wirtschaftskrise: „Vereinfacht dargestellt sind es nur die Banken gewesen. Das stimmt aber gar nicht.“ In der Verantwortung sieht er auch jene Firmen, die im Ausland produzieren. Nun müsse man hierzulande die „Wirtschaft umbauen“, ressourcenschonender gestalten.

Ob er damit beispielsweise die Methanisierung von CO2 und Wasserstoff meine?, wollte Peter Zschocke wissen. Ja – mit dieser Methode soll Gas gewonnen werden, wenngleich sie, wie De einschränkte, noch nicht weit genug entwickelt und darum finanziell noch nicht attraktiv sei. „Wachstum“ – das musste er auf kritische Nachfrage erläutern – verstehe er „qualitativ, nicht quantitativ“.

Wie hältst du’s mit den Piraten?

„Es geht darum, das Wachstum zu entkoppeln vom Ressourcenverbrauch“, pflichtete Kathrin Metzler bei. Sie verfolgt gerade mit großem Interesse die Vorbereitungen zur UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung, die in einer Woche in Rio de Janeiro beginnen wird. Klimawandel, Welthunger, Schuldenkrise: „Überall gibt es mittelmäßig ambitionierte Ziele, die mit großer Sicherheit nicht erreicht werden.“

Die Agrarpolitik, Metzlers bevorzugtes Thema, sieht sie in einen globalen Kontext eingebettet. Beispielsweise plädiert sie für eine Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln, die auf den ersten Blick erkennen lässt, ob Tiere mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden und ob das Fleisch aus einem Massenbetrieb kommt. Soziale Gerechtigkeit ist ihr ganz wichtig. „Ich habe die Utopie einer Welt, in der wir Menschen in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden und in Einklang mit der Natur zusammenleben.“

Kathrin Metzler, 44 Jahre alt, Mutter dreier Töchter, schätzt sich selbst als „glaubwürdig und bodenständig“ ein. Sie hat einen „wenig stromlinienförmigen“ Lebenslauf: Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, Studium der Mathematik und Germanistik, beides mit Kind (im Studium Kindern), dann Mitarbeiterin bei Teilauto Tübingen und momentan Aktionsleiterin bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Sie war im Wendelsheimer Ortschafts- und im Rottenburger Gemeinderat,

Bei den Kandidat(inn)en: von Konkurrenzkampf nichts zu spüren. Trotz manchmal gegensätzlicher Ansichten. Beispiel Piraten: Kathrin Metzler rät zu Gelassenheit, baut darauf, dass die Politiker mit den Augenklappen „Angriffsfläche bieten“ – etwa bei Frauen- und sozialen Themen.

Dennis De sieht sich als Mann aus der Praxis und nicht als „Berufspolitiker“ – jenen Typ lehnten die Piratenwähler ab. Chris Kühn will die „knallharte Auseinandersetzung“, findet, man müsse das „Post-Gender-Gelaber der Piraten entlarven“, das ihn an die 50er-Jahre erinnert, und mit Themen punkten: „Bei den Piraten kauft man die Katze im Sack.“

Info Wer für die Grünen in den Bundestag soll, wird am 13. Juli entschieden. Wahl ist im Herbst 2013.

15.06.2012 - 08:30 Uhr

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