Kusterdinger Kinder machten Trickfilm über Trauminsel
Weltpremiere im Kusterdinger Kino Metropol, Filmstar sein, im Beifall baden auf der Bühne – so schön kann Kindheit manchmal sein.
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WOLFGANG ALBERS
Auf der Paradiesinsel waren Saskia Baumann, Vanessa Baumann, Sophie Glora, Britta Heusel, Sophia Hoss, Christian Kümmele, Jascha Löser, Karim Narowski, Elisabeth Väterlein und Veronika Väterlein in den letzten Sommerferien. Das Ticket gelöst haben sie über das Kusterdinger Ferienprogramm. Und die Insel lag im Garten der Kusterdinger Cordula und Jörg Jäger. Was bei diesem Abenteuer herausgekommen ist: Zu sehen war es am Sonntag im Kino Metropol.
Hier entsteht ein Film, allerdings mit der Fotokamera. Archivbild: Faden
Vollbesetzt war das Scheunenkino mit Kindern, Freunden, Eltern. Das Licht geht aus – und die Leinwand bleibt dunkel. Stattdessen tönten aus dem Off Kinderstimmen, die sich von dem abrupten Ende einer Kreuzfahrt erzählen.
Die Kinder baden im Pool, da rummst es gewaltig, das Schiff bekommt Schlagseite. Und die Matrosen rufen: „Rette sich, wer kann!“ Und wer kann sich am schnellsten in die Rettungsboote retten? – Die Erwachsenen. „Uns haben sie vergessen“, merken die Kinder.
Vor dem nassen Tod im Wasser retten sie Delphine und Orcas, die die Kinder auf ihren Rücken nehmen. Die sieht man plötzlich auf der Leinwand: aufblasbare Gummitiere aus der Freibad-Population, die über eine wogende blaue Plane gleiten – gar nicht delphinhaft geschmeidig, sondern merkwürdig ruckartig.
Denn der Film, der da abläuft, ist in Trickfilm-Technik montiert. Voraussetzung für das Projekt von Cordula und Jörg Jäger, in drei Tagen mit zehn Kindern einen Film hinzubekommen.
Bis vor einem Jahr haben die beiden in Dortmund Fotographie studiert. Jetzt arbeiten sie in Kusterdingen zum Beispiel für Auftraggeber aus der Wirtschaft, möchten aber auch Workshops mit Kindern oder Jugendlichen machen. Ein bisschen pädagogischer Ehrgeiz war auch im Ferienprogramm-Projekt dabei: „Wir wollten auch Kompetenzen im Bereich Medien vermitteln“, erklärt Jörg Jäger.
Er ist immer noch begeistert über die Arbeitsatmosphäre: „Am ersten Tag haben wir die Geschichte intensiv besprochen. Die kam ganz von den Kindern, nur, dass sie auf einer Insel spielen sollte, war vorgegeben.“ Probleme, dafür eine Handlung zu finden, gab es keine: „Die Kinder waren unglaublich kreativ. So sehr, dass wir, was schade war, die sprudelnde Fantasie oft beschneiden mussten.“
Hinter der Kamera, einem Fotoapparat, saß Cordula Jäger. Und hatte viel abzudrücken. Der Film ist eine Montage aus 15 Standbildern pro Sekunde. Das mal fünf Minuten ergibt rund 4500 Einzelbilder. Die auszuwählen unter noch mehr Aufnahmen und zu montieren kostete Cordula Jäger nochmal etwa vier Tage Zeit.
Das Ergebnis hat seinen eigenen Reiz. Ein rotes Tuch zuckt als Feuer, Bananen, die darüber gehalten werden, haben plötzlich keine Schale, ruckzuck sind Kinder beim Versteckspiel verschwunden.
Der Erwachsenen-kritische Ton aus der Ouvertüre hält übrigens an. Zwei Erwachsene röhren in einem Bootskasten heran, stapeln graue Häuser auf dem Strand, ziehen einen Zaun, murmeln im Stakkato „Geld, Geld, Geld“ und „verboten, verboten.“ Aber in der Fantasie kann man so etwas Lästiges ja loswerden. Ein bisschen Zauber-husch-husch mit den Händen, weg sind die Fieslinge.
„Wir haben alles gut gelernt, oder?“ fragt Jörg Jäger seine Schauspieler, Drehbuchautoren, Schauspieler. „Jaaa“, tönt es zurück. Die Chance, dass das auch weitere Kinder (30 Mitmach-Willige kamen im letzten Sommer nicht zum Zug) tun können, stehen nicht schlecht: Die Jägers können sich wieder ein Angebot im Sommerferienprogramm vorstellen.