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Nachfragen ist Qualität

Härten-Apotheke ist laut Test bisher die beste in Deutschland

96 von hundert möglichen Punkten erzielte die Härten-Apotheke im Zentrum von Kusterdingen im Test für das Apothekensiegel. Sie kam damit unter mehr als 4000 getesteten Apotheken in Deutschland auf den ersten Platz.

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Ulrike Pfeil

Kusterdingen. Seit 2006 betreibt die Apothekerin Caroline Foster die Apotheke im neuen Kusterdinger Ärztehaus. Zusammen mit ihrer Schwester Stefanie Foster setzt die 40-Jährige die Apotheker-Tradition der Familie fort, die 1978 mit der Mühlen-Apotheke in Betzingen von den Eltern begründet wurde. Zum Fosterschen Apotheken-Netz gehören außerdem die Uhland-Apotheke in Pfullingen und die Apotheke in Grafenberg.

Im Ranking ganz oben: Apothekerin Caroline Foster von der Härten-Apotheke (Mitte) und ... Im Ranking ganz oben: Apothekerin Caroline Foster von der Härten-Apotheke (Mitte) und Mitarbeiterinnen Ana Moreira (links) und Kristina Schielke. Bild: Sommer

Alle vier bekamen im Apotheken-Prüfverfahren der Firma Tesalys (siehe Kasten) Spitzenwerte. Die Land-Apotheke in Kusterdingen überraschte die Tester als beste überhaupt. „Kusterdingen ist das Epizentrum der deutschen Apothekenlandschaft“, sagte Tesalys-Gründer Prof. Thomas Gerlach bei der Siegelverleihung. Caroline Foster kennt die Kusterdinger auch als besonders kritische Kunden: „Sie fragen genau nach und erwarten einen gewissen Service.“

Nachfragen, beraten, Service – das sind auch auf der Apothekerseite die wichtigsten Kriterien für die Siegelvergabe. Wird die ärztliche Verschreibung erläutert? Werden Eigendiagnosen der Kunden hinterfragt? Wird auf Nebenwirkungen von Medikamenten hingewiesen, die Anwendung erklärt? Auch die Apotheke selbst wird in Augenschein genommen: Barrierefreiheit, Namensschilder, Preisauszeichnung, Diskretionszone – alles zählt.

„Beratungsqualität, das war schon meinem Vater immer das Wichtigste“, sagt Caroline Foster. Sie lässt ihre zehn Mitarbeiterinnen (die meisten in Teilzeit) regelmäßig von einer externen Trainerin schulen. In letzter Zeit gab es besonders viele Schulungen, da sie einige neue Mitarbeiterinnen einstellen musste. Sie freut sich, dass die Überprüfung den Nutzen der Schulungen bestätigt hat.

Vor allem bei Selbstmedikationen fragen die Mitarbeiterinnen der Härten-Apotheke nach. Jemand verlangt nach Aspirin, wofür wird es eingesetzt? Ist die Dosierung für die Blutverdünnung richtig? Ist der Patient Asthmatiker, nimmt er noch andere Medikamente? Ist das Medikament etwa für Kinder gedacht? Was für Schmerzen werden damit behandelt? „Wenn man in den nächsten Tagen einen Zahnarzttermin hat, ist ein blutverdünnendes Mittel eher nicht angezeigt“, sagt Foster.

Verlangt ein Kunde ein bestimmtes Produkt, sollen sich die Mitarbeiterinnen versichern, woher die Empfehlung stammt. „Nur weil man etwas in der Werbung gesehen hat, heißt das ja noch nicht, dass es das Richtige ist“, sagt Foster. Ein bestimmter Hustenstiller etwa könne für Menschen mit hohem Blutdruck problematisch sein.

Die Testkäufer wurden in der Härten-Apotheke nicht bemerkt. „Man dachte nur manchmal, das könnte einer gewesen sein“, sagt Foster. Auch die Apothekerkammer schickt manchmal unangekündigte Testkäufer vorbei. Die kommen aber nach dem Kauf gleich wieder herein zur Besprechung. Die von Tesalys schicken später ein anonymes Protokoll.

Wie kommt das Apothekensiegel zustande?
Das Apothekensiegel für Beratungs- und Servicequalität wird seit 2011 von der Prüfgesellschaft Tesalys in Nagold vergeben. Grundlage sind unangekündigte objektivierbare Testkäufe, die seither deutschlandweit gemacht werden. Pro Apotheke werden acht Testkäufe angesetzt, die 320 Qualitätskriterien ergeben.
Apotheken, die beim Qualitätsindex mindestens 80 von 100 Punkten erreichen, können an sechs weiteren kostenpflichtigen Hauptprüfungen teilnehmen. Das Siegel „sehr gut“ gibt es für mindestens 90 Punkte, das Siegel „gut“ für mindestens 80. Von rund 21 000 Apotheken in Deutschland wurden bisher 4040 getestet. Nur elf Prozent erreichten 90 Punkte. Die 22 in Tübingen getesteten Apotheken waren im bundesweiten Vergleich eher unterdurchschnittlich, die Reutlinger besser als der Durchschnitt.


13.11.2012 - 08:30 Uhr

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