Vier aus dem Steinlachtal nehmen an der Allgäu-Orient-Rallye 2010 teil
Mone, Heier, Beppo, Dirk: Zusammen bilden sie das Team „der3TEgang“. Ihr Ziel: In zehn Tagen von Oberstaufen im Allgäu nach Amman in Jordanien fahren. Mit alten Autos, die weniger als 1111 Euro kosten. Am 30. April geht‘s los.
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Ulrich Eisele
Mone Habelt (34), Dirk Ebert (36), Johannes Käsmann (35, v. l. n. r.) und Beppo Käsmann (36, oben) auf ihrem Traum-Rallyefahrzeug. Ein altes T-Modell von Mercedes würden sie selbstverständlich auch nehmen, falls sie eins angeboten bekämen. Privatbild
Dußlingen/Gomaringen. Es war so: Heier, Beppo und Dirk gehen immer zusammen in die Therme zum „Männerbadetag“. Heier, der eigentlich Johannes heißt, und Beppo sind Brüder und stammen aus dem Allgäu. Mone ist Heiers Freundin, sie darf nicht mit zum Männerbadetag. Dirk ist ein „Ossi“ und irgendwann zur Gruppe dazugestoßen. Zusammen haben die vier Dußlinger/Gomaringer schon viele schöne Urlaubserinnerungen gesammelt, aber immer nur in der Nähe. „Unsere weiteste Reise bisher war Portugal“, sagt Heier.
In der Therme wurde auch die Idee geboren: die Teilnahme an der Allgäu-Orient-Rallye, einer Motorsportveranstaltung für Auto-Freaks mit schmalem Budget, bei der als Preis für den Ersten ein Kamel winkt. Erfunden hat sie ein umtriebiger Allgäuer aus Oberstaufen, Wilfried Gehr, einst Geschäftsführer eines Sportverbandes, dann Pensionsinhaber – und als das keinen Spass mehr machte, erkor sich Gehr den Journalismus und das Eventmanagment zum Lebenszweck. Die Rallye Allgäu-Orient soll ein Gegenentwurf zur Rallye Paris-Dakar sein, bei der jede Menge teure Autos von Profi-Piloten sinnlos in der Wüste verheizt werden.
Bei der Allgäu-Orient-Rallye hingegen starten überwiegend normal verdienende Hobbyfahrer mit Kisten, die es nur noch mit Mühe durch den TÜV schaffen. „Wir schicken ihren Spritschlucker in die Wüste“, lautet das Motto der Rallye – und das trifft fast genau ins Schwarze. Fast – denn die Autos gehen nach dem Rennen in den Besitz des World Food-Programms über, einer Unterorganisation der UNO, die sie als Ersatzteillager vermarktet und vom Erlös verschiedene Hilfsprojekte in Jordanien unterstützt. Zum Beispiel den Aufbau einer Käserei in Al Rabiat, die einmal sechs Beduinen-Familien sesshaft machen und ernähren soll.
Der Ruf der Rallye, eines der letzten Abenteuer für „positiv verrückte Menschen“ mit sozialem Touch zu sein, hat auch Mone, Heier, Beppo und Dirk angelockt. Die erste Hürde, einen fahrbaren Untersatz zu besorgen, haben sie schon genommen: Eine Familie von den Härten hat ihnen ihren ausgemusterten Kleinbus geschenkt, einen L 300 von Mitsubishi. Jetzt wünschen sie sich ein zweites Auto vom selben Typ, wenn es geht, „denn dann wird es mit den Ersatzteilen einfacher“, sagt Beppo, der „Schrauber“. Beppo ist von Beruf zwar Zimmermann, aber an alten Autos rumgeschraubt hat er schon „jede Menge“, wie er grinsend verkündet.
Keine schlechte Voraussetzung für die 6000 Kilometer lange Reise, die durch Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Bulgarien, die Türkei und Syrien nach Jordanien führt. Zehn Routen sind möglich, jedes Team sucht seine eigene Strecke. Einzige Voraussetzung: keine Autobahnen, keine mautpflichtigen Straßen! Unterwegs gilt es immer wieder Aufgaben zu lösen, die die Teams in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung bringen – Nationalhymnen sammeln, seltene Gewürze auf dem Basar in Istanbul einkaufen et cetera. Auch soziale Aufgaben wie Rollstühle oder Hörgeräte nach Amman bringen waren in den letzten Jahren gefragt.
Warum macht man so was? „Ich wollte schon immer in die Wüste“, verrät Mone, die in einem Stuttgarter Kinder- und Jugendbüro arbeitet. „Man muss schon gern Auto fahren, um das zu machen“, sagt Beppo mit schrägem Lächeln. Etwa 1500 bis 2000 Euro kostet die Reise pro Person – Startgeld, Übernachten, Essen, Eintritte, Kulturprogramm, Rückflug, Sprit, Bestechungsgelder, Zoll, Versicherungen, Reparaturen, Verpflegung, Geschenke inbegriffen.
15 Tage haben sie sich vom Geschäft frei geschaufelt – Beppo macht sich gerade als Zimmermann selbstständig. Zehn Tage haben sie für die Rallye kalkuliert, fünf Tage für die anschließende Sightseeing-Tour durch Jordanien. Und wenn sie Sieger werden, das Kamel gewinnen? „Dann schenken wir es vielleicht einem kleinen Nomaden-Jungen“, überlegt Mone. Nach Deutschland habe noch keines der Teams seinen Gewinn gebracht. „Geschlachtet wird es jedenfalls nicht“, erklärt Mone entschieden.
Die Rallye Allgäu-Orient: Wohltätiges Rennen für Auto-Freaks mit schmalem Budget
Die Rallye Allgäu-Orient wird jährlich am ersten Mai-Wochenende – diesmal am 30. April – in Oberstaufen im Allgäu gestartet und endet in Amman / Jordanien. Bei dieser Motorsportveranstaltung handelt es sich um eine Spezialform einer Rallye, am ehesten mit einer Oldtimer-Rallye zu vergleichen. Die Fahrzeuge der Teilnehmer müssen mindestens 20 Jahre alt sein oder dürfen einen Wert von 1.111,11 Euro (laut Schwacke-Liste) nicht überschreiten.
Sie gehen nach der Rallye in den Besitz des World Food-Programms, einer Unterorganisation der UNO, über. Der Erlös aus dem Verkauf der Fahrzeuge dient dem Aufbau einer Käserei in Al Rabiat / Jordanien, von der einmal sechs Beduinen-Familien leben sollen. Die Übernachtungskosten auf der Reise sollen pro Person und Nacht 11,11 Euro nicht übersteigen. Es dürfen keine Navigationsgeräte, keine Autobahnen und keine Fähren benutzt werden.
Pro Tag dürfen nur 666 Kilometer gefahren werden. Der Hauptpreis für das Sieger-Team ist ein Kamel. Die Rallye Allgäu-Orient gilt mit über 100 Teams, 250 Autos und Motorrädern sowie etwa 500 Teilnehmern (2010) als eine der größten Rallye-Veranstaltungen der Welt. Das Teilnehmerfeld ist international besetzt, was auch an der stetig wachsenden Berichterstattung der Print- und TV-Medien liegt. Quelle: Wikipedia