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Eine Mühle gegen die größte Not

Verein Songtaaba hilft einem Dorf in Burkina Faso

Eine Getreidemühle wünschen sich die Frauen in Béma. Béma liegt im westafrikanischen Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Die Kirchentellinsfurterin Andrea Höppner ist im Sommer dorthin gereist. Und will nun dafür sorgen, dass die Frauen ihre Mühle bekommen.

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Sabine Lohr

Kirchentellinsfurt. Andrea Höppner ist immer noch bewegt, wenn sie von der Begrüßung in dem kleinen Dorf in der Region Béma erzählt, die sie und ihre vier Mitreisenden aus Kirchentellinsfurt im Sommer erlebt haben. „Die Leute hatten sich alle schön angezogen, die Frauen mit bunten Kleidern und weißen Tüchern, die Mädchen mit Flechtfrisuren.“ In Gruppen sind die Dorfbewohner zusammengesessen – die Frauen für sich, die Männer für sich, Jungs und Mädchen jeweils für sich. Und sie hätten sich überschwänglich bei den Deutschen bedankt.

Hirsebrei mit Blättern als tägliche Mahlzeit

Die nämlich haben in den vergangenen drei Jahren das Dorf von Kirchentellinsfurt aus unterstützt. Sie haben Zement besorgt für den Bau stabiler Brunnen, haben die Schule ausgestattet und den Kindern Pateneltern in Deutschland besorgt. Und sie haben Geld für Mangopflanzen gesammelt, damit die Bauern zu leben haben.

Die Menschen in Béma leben in Lehmhütten. Auch die Brunnen waren bisher aus Lehm. Jetzt sind sie ... Die Menschen in Béma leben in Lehmhütten. Auch die Brunnen waren bisher aus Lehm. Jetzt sind sie aus Zement.

Um helfen zu können, gründeten Andrea Höppner und ihr Haus-Mitbewohner Boukary Berry den Verein Songtaaba. Berry ist in Béma geboren und aufgewachsen, als Erster in der Familie besuchte er eine Schule. Später musste er aus politischen Gründen Burkina Faso verlassen und kam so nach Europa, wo er Asyl bekam. Von hier aus hilft er den Bewohnern seines Heimatdorfes – mit der Unterstützung des Vereins. Immer wieder besucht er Béma – nun nahm er zum ersten Mal auch Andrea Höppner und drei andere Vereinsmitglieder mit.

Diesen neuen Krankenwagen ließ Songtaaba bauen. Das Vorgängermodell bestand aus einem Karren, den ... Diesen neuen Krankenwagen ließ Songtaaba bauen. Das Vorgängermodell bestand aus einem Karren, den ein Mann ziehen musste. Privatbilder

Höppner half den Frauen bei ihrer Arbeit. Sie gehen täglich aufs Feld, um Hirse zu holen und essbare Blätter von Bäumen zu sammeln. Ihre Kinder haben sie dabei. „Eine hatte ihr zwei Wochen altes Baby auf dem Rücken“, sagt Andrea Höppner. Sehr süß sei das gewesen – aber es zeige eben auch, wie schnell nach der Geburt die Frauen wieder arbeiten.

Die Hirse schleppen die Frauen in großen Körben ins Dorf, wo sie sie zerstampfen – mit einem dicken Holzstab in einem Holztopf. Höppner hat es ausprobiert: „Das war unheimlich anstrengend.“ Aus dem Mahlgut wird auf kleinen Feuerstellen ein Brei gekocht. Zusammen mit den gekochten Blättern ist das die tägliche Mahlzeit der Menschen. Manchmal gibt es ein Fladenbrot dazu, wofür die Hirse mit Steinen von Hand gemahlen wird.

Die Männer arbeiten ebenfalls auf den Feldern oder auf der Mangoplantage. Sie hacken, jäten ernten, bauen Zäune und Brunnen. Manchmal ist die Arbeit vergebens. Die Lehmbrunnen spült es in der Regenzeit einfach weg, die Zäune werden vom Vieh eingerissen, das sich dann an den Mangopflanzen gütlich tut.

Einkaufstour in die Hauptstadt

Für einen stabilen Zaun haben die Kirchentellinsfurter in der Hauptstadt Ouagadougou Metallpfosten gekauft. Und nicht nur das: Sie waren richtig auf Einkaufstour. Säckeweise Zement für die Brunnen haben sie besorgt, zehn neue Matratzen für die Krankenstation nähen lassen, ein Dreiradauto gekauft und zum Krankenwagen umbauen lassen. Und Medikamente haben sie besorgt.

„Die Sterblichkeit ist sehr hoch“, berichtet Andrea Höppner. Die Malaria bringt Kinder und Erwachsene um, Viele sterben auch an Aids. Für Antibiotika oder auch nur Schmerzmittel fehlt das Geld. Das könnten die Frauen nun aber mit ihrer Getreidemühle verdienen. Mit dem Gerät, das rund 2000 Euro kostet, könnten sie Hirsemehl produzieren und verkaufen – denn Hirse haben sie dieses Jahr viel. Die Regenzeit war ergiebig, die Ernte ist üppig ausgefallen.

Das war nicht immer so. Vergangenes Jahr hat es zwischen Juli und September zu wenig geregnet, die Pflanzen kümmerten, die Ernte war spärlich und reichte nur bis April. Im Mai und Juni litten die Menschen in Burkina Faso unter einer Hungersnot. Wenigstens in Béma konnte Songtaaba helfen: Der Verein schickte 4000 Euro, wovon etwa 100 Säcke Hirse in der Hauptstadt gekauft wurden. „Die haben die Leute dann zu Fuß und mit Eselskarren nach Hause transportiert“, sagt Höppner.

„Mir ist erst bei meinem Besuch so richtig klar geworden, wie sehr Hilfe gebraucht wird“, sagt die Kirchentellinsfurterin. Vor allem die Getreidemühle liegt ihr am Herzen: „Ich hab sie den Frauen versprochen.“

Der Weg zur Getreidemühle und zur Hilfe für Béma
Die Vereinsmitglieder von Songtaaba stehen jeden Freitag auf dem Rathausplatz in Kirchentellinsfurt und verkaufen selbstgebackenen Kuchen. Die Einnahmen daraus gehen direkt in den Spendentopf. 700 Euro sind so für die Getreidemühle schon zusammengekommen. Wer Geld dafür geben möchte, kann es auf das Konto 177 82 07 bei der Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 500 20 überweisen. Den Verein unterstützen kann man auch durch Patenschaften für ein Kind in Béma. Von den 20 Euro im Monat werden das Schulgeld und Medikamente bezahlt. Das Geld geht direkt an die Bewohner, dafür sorgen Freunde in der Hauptstadt. Mehr über den Verein und seine Hilfsprojekte bei www.songtaaba-ev.de


28.11.2012 - 08:30 Uhr

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