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Der Krippenweg erzählt die Weihnachtsgeschichte

Variationen mit Ochs und Esel

Klassisch bis minimalistisch, ausladend bis winzig: In Kirchentellinsfurt stehen noch bis zum Dreikönigstag 34 Krippen in Fenstern von Läden, Einrichtungen und Privathäusern.

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Fabian Ziehe

Kirchentellinsfurt. „Es begab sich aber zu der Zeit…“, beginnt Lukas seine 21 Verse zur Geburt Jesu. Von einem Stall berichtet der Evangelist nicht, dafür von einer Krippe. So hat sich das Bild der Heiligen Familie in einfachster Herberge durchgesetzt: Seit Generationen gestalten Familien das Bild der Geburt im Stall en miniature. So erzählt jede Krippe, die nun in den Fenstern Kirchentellinsfurts ausgestellt sind, eine kleine Geschichte.

Eine nächtliche Betrachterin schaut sich die größte Krippe des Kirchentellinsfurter Krippenwegs im ... Eine nächtliche Betrachterin schaut sich die größte Krippe des Kirchentellinsfurter Krippenwegs im Schaufenster von Maler Ludwig beim Schloss an. Das Stück stammt von Familie Deiß: 1987 schenkten die einen Großeltern den Stall, die anderen die „Grundausstattung“. Seither kam jedes Jahr eine Figur dazu. Bilder: Ziehe

Gemeinderätin Ruth Setzler hatte die Idee aus Konstanz mitgebracht. Dort in der Niederburg, den verwinkelten Gassen der Altstadt, stellen Ladenbesitzer Krippen in ihren Schaufenstern aus. „Das wäre doch auch etwas für Kirchentellinsfurt“, dachte sich Setzler und bekam in den Ratskolleginnen Barbara Krahl und Petra Kriegeskorte zwei Mitstreiterinnen. Innerhalb von zwei Monaten fanden sie nicht nur die erhofften 24, sondern sogar 34 Krippen und Aussteller.

Berühmte Herberge im Immobilien-Kasten

„Kirchentellinsfurt hat sich herausgeputzt – ich habe die vergangenen Tage viel staunen dürfen“, freute sich Setzler beim Eröffnen des Krippenwegs beim Weihnachtsmarkt am Samstag. Einige Leute hatten Krippen, andere Stellplätze angeboten. Wieder andere hatten sich samt ihrer Krippe gleich auf die Suche nach einem Wunschstandort gemacht.

Puppenbauerin Krahl und ihr Mann haben sogar eigens eine Krippe gebaut (Bild unten). Ein einfacher Stall samt Stroh und Weihnachtsstern, in dem Joseph mit Laterne, die liegende Maria und das Jesus-Kind zu sehen sind. Alle Figuren sind aus Stoff gefertigt. „Für mich war das ein Anstoß, etwas auszuprobieren, was ich schon lange einmal machen wollte“, sagt Krahl. Als Standort haben sie den seit Jahren leerstehenden Laden in der Dorfstraße gewählt: Die Krippe füllt dort eine Leerstelle im Ort mit einem wahren Hingucker.

Eine ebenfalls selbergemachte Krippe ist weiter oben an der Straße bei der Volksbank zu sehen – ausgerechnet im Immobilien-Kasten. Dieses einfache Modell hat die Familie Baer herausgeputzt: Es ist eine Nachkriegskrippe. Alexandra Baer-Staigers Onkel hatte, gerade aus dem Krieg heimgekehrt, die Figuren aus alten Holzschachteln für seinen Bruder gesägt, der damals ein kleiner Junge war. „Es gab ja nicht viel – trotzdem wollte man ein schönes Fest haben“, sagt Baer-Staiger. Aus dem Provisorium wurde über Jahre die etablierte Familien-Krippe. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, sie wieder aufzubauen“, sagt Baer-Staiger. Nie hatte das Familien-Schmuckstück einen prominenteren Ehrenplatz.

Eigens für den Krippenweg hat Gemeinderätin und Puppenbauerin Barbara Krahl eine neue Krippe ... Eigens für den Krippenweg hat Gemeinderätin und Puppenbauerin Barbara Krahl eine neue Krippe gestaltet, die nun im Schaufenster des aufgegebenen Ladens in der Dorfstraße zu sehen ist.

In den Schaufenstern des Modehauses Knoblich und der Kreissparkasse stehen Krippen mit handgeschnitzten Figuren. Eine Indio-Krippe von Pater Eduardo aus Peru findet der Flaneur im Weilhauweg, ein Exponat mit Ostheimer Figuren im Volksbänkle. Die größte Darstellung bietet das Schaufenster von Maler Ludwig (Bild oben). Das Gegenstück dazu ist bei Design Hecht im Schirm-Areal in einem Schaufenster zur Tankstelle hin zu entdecken: Holzquader symbolisieren dort das Krippen-Personal. Augenzwinkernder Minimalismus.

Krippenschau rund um die Uhr

Die Kinder des Regenbogen-Kindergartens haben eigens Fensterbild-Krippen gebastelt. Ebenso die Gemeindemitglieder der methodistischen Kirche. Eines der drei Fenster ziert ein Stern: In jedem Zacken ist eine Figur oder eine Gruppe zu sehen, im Zentrum steht die Krippe. Jede der drei Gruppen der Kernzeit-Betreuung hat eine eigene Krippendarstellung ins Fenster des ehemaligen Verwaltungsgebäudes gehängt, darunter knuddelige Arrangements in kleinen Guckkästen.

Eine kunterbunte Vielfalt, hinter der viele Geschichten stecken. Am besten also, man geht in der Dezember-Dunkelheit mit Taschenlampe ausgerüstet auf Pirsch durch den Ort. Auch in den Fenstern von vier Privathäusern gibt es etwas zu sehen. „Die Krippen kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit anschauen“, versichert Setzler. Wer es gut abpasst, kann auf seiner Tour im K’ffeehaus oder im Fischerheim einkehren, sich dort aufwärmen und die dort ausgestellten Krippen ansehen. „Die Resonanz ist schon jetzt so groß, dass wir den Krippenweg sicherlich nächstes Jahr wieder anbieten wollen“, sagt Setzler.

Kirchem im Krippenfieber
Wer will, kann – die Krippen in den Kirchen eingerechnet – jeden Tag bis zum Ende des Krippenweges eine neue Darstellung der Geburt Christi entdecken: Bis zum Dreikönigstag sind die Weihnachtskrippen zu sehen, viele abends bis 21 Uhr beleuchtet. Wem das zu lange dauert, der kann den vier Kilometer langen Rundweg auch in einem Abendspaziergang schaffen. Alle Krippen sind mit einem DinA4-Zettel markiert, bei einigen steht auch die Geschichte der Krippe daneben. Den Plan zum Ablaufen gibt es online unter www.kirchentellinsfurt.de .


05.12.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 05.12.2012 - 08:01 Uhr

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