Obst- und Gartenbauverein lud zu Mostbesen und Verkostung
Zehn Flaschen Most, vier Tester – bei der Verkostung des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) zählten am Freitag Geschmack, Geruch und Aussehen des Getränks. Am Wochenende folgte dann ein Mostbesen.
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Sascha Geldermann
Kritisch beäugen Kurt Koch, Manfred Bahnmüller und Günter Hack den Most, den die Kirchentellinsfurter zur Mostprämierung vorbeigebracht hatten. Bild: Faden
Kirchentellinsfurt. Mit dem Aussehen der ersten von zehn Mostproben war der Wein-Fachberater Günter Hack am Freitag schon einmal zufrieden: Goldgelb und klar – genau wie es sein soll. Der Geschmack überzeugte ihn dann weniger: „Da fehlt einfach die Spritzigkeit.“ Manfred Bahnmüller und Kurt Koch vom OGV stimmten ihm zu. Sie gaben zusammen mit Hack ihre Bewertungen bei der Verkostung ab.
Drei Dinge braucht der Most
Drei Stunden hatten alle Interessierten Zeit, mindestens zwei Liter ihres selbst erzeugten Mosts zum Vereinshaus zu bringen. „Mit der Verkostung möchten wir den Menschen Most wieder ins Gedächtnis rufen“, sagte der OGV-Vorsitzende Walter Stoll. So populär wie früher sei das Getränk schließlich einfach nicht mehr.
Maximal hundert Punkte konnte ein Tester einer Mostprobe geben. Zu 50 Prozent ging der Geschmack in diese Wertung ein – der Rest der Punkte verteilte sich auf Farbe, Geruch, Klarheit und Nachklang. Später erklärte Hack bei einem Vortrag, welche drei Faktoren den Geschmack den Mostes bestimmen: „Neben Zucker und Säuregehalt sind das auch die Gerbstoffe, die dem Getränk seine spezielle Herbheit verleihen.“
Bahnmüller und Koch sind zwar Most-Kenner, es war allerdings die erste Verkostung für die beiden. Fachmann Hack gab ihnen daher vorher ein paar Tipps. „Brot eignet sich nicht zur Neutralisierung des Geschmacks, Wasser hilft da mehr – und Eukalyptus wirkt Wunder“, sagte er. Weil Letzteres nicht vor Ort war, tranken die drei Tester zwischen den Proben ein Glas Wasser, bevor sie wieder kosteten, rochen und Punkte notierten.
Hack gab seinen beiden Kollegen vor der Bewertung eine Warnung: „Die meisten Tester tendieren erst einmal dazu, die Proben mit der fortschreitenden Zeit immer besser zu bewerten – nicht zuletzt wegen des Alkohols.“
Nachdem die drei alle zehn Mostsorten probiert hatten, gossen sie sich einige davon noch einmal ein – zum besseren Vergleich. „Fehlgeschmack hatte keiner“, sagte Hack. Oder wie Koch es formulierte: „Trinken kann man die alle.“
Letztendlich setzte sich Probe Nummer 4 mit insgesamt 275 Punkten durch. Wie der beiliegende Zettel verriet, wurden dafür Schweizer Wasserbirnen gepresst. Die Gärung war ohne Hefezusatz in einem Plastikfass erfolgt – wie bei den meisten Proben. „Holzfässer für die Gärung sind am Aussterben – obwohl sie für mehr Aroma sorgen können“, sagte Hack. Probe Nummer 4 gehörte Gerhard Helle, der Mitglied im Tübinger Obst- und Gartenbauverein ist und seinen Most auch verkauft. Der 57-Jährige hat viel Erfahrung bei der Mostherstellung: „Das habe ich schon als Siebenjähriger zusammen mit meinem Vater gemacht.“
Am Samstag und Sonntag servierte der OGV seinen eigenen Most. 120 Liter hatten die Mitglieder gepresst und acht Wochen gären lassen. Was in diesem Jahr eine Premiere war, möchte Stoll im nächsten unbedingt wiederholen: „Verkostung und Mostbesen sind bereits fest in unserem Programm für 2012 eingeplant.“