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Kirchentellinsfurt solidarisch mit Einhorn-Beschäftigten

Mit einer plakativen Aktion zeigt die Gemeinde Kirchentellinsfurt Solidarität mit den Beschäftigten der insolventen Traditionsfirma Einhorn.

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Uschi Hahn
Nicht nur wie hier am Südring, auch in der Wannweiler Straße und bei der Esso-Tankstelle künden ... Nicht nur wie hier am Südring, auch in der Wannweiler Straße und bei der Esso-Tankstelle künden Transparente von der Solidarität der Gemeinde Kirchentellinsfurt mit den Beschäftigten der Textilfirma Einhorn. Bild: Grohe

Kirchentellinsfurt. Gleich vier Transparente hängen seit Montag in Kirchentellinsfurt: zwei über dem Südring, eines beim Real-Markt über der Wannweiler Straße und eins an der Esso-Tankstelle gegenüber der Einhornstraße. Sie heißt nach jener Firma, in der als letztem Betrieb die einst blühende Kirchentellinsfurter Textilindustrie noch weiter lebt. Noch. Denn der Produzent edler Männerhemden hat, wie berichtet, nach einer wochenlangen Hängepartie Insolvenz angemeldet.

„Solidarität mit den Beschäftigten von Einhorn!“, steht auf den solide gefertigten Schriftbändern. Und, in etwas kleinerer Schrift, „Die Bürgerschaft der Gemeinde Kirchentellinsfurt“. Man wolle damit „ein Zeichen setzen, um klar zu stellen, wie wichtig Einhorn für uns ist“, sagt Ortsbaumeister Martin Lack über den seit 1924 in Kirchentellinsfurt produzierenden Textilbetrieb. Lacks Bauhofmitarbeiter haben die Transparente aufgehängt.

Beschlossen wurde die Aktion bei einem Treffen mit dem Einhorn-Betriebsrat, an dem neben Bürgermeister Bernhard Knauss alle Gemeinderäte teilnahmen, „die noch nicht im Urlaub waren“, wie Karlheinz Armbruster, FWV-Rat und einer der ehrenamtlichen Stellvertreter des Bürgermeisters sagt.

Mit den Transparenten, so Armbruster, „wollen wir auf die Situation bei Einhorn aufmerksam machen“. Armbruster weiß, wie symbolisch die Aktion ist: „Wir können ja sonst nicht viel tun“, sagt der Handwerksmeister über die Situation in dem Betrieb, der schon 2007 kurz vor der Pleite stand und damals von dem Münchener Finanzinvestor Aurelius übernommen wurde. Doch vielleicht, so hofft Armbruster, erreicht die plakative Aktion ja eines: „Den Verantwortlichen ein bisschen ein schlechtes Gewissen machen.“

„Natürlich freut uns das“, sagt Sabine Wagner, Betriebsratsvorsitzende bei Einhorn, über die Solidaritäts-Transparente. „Hoffentlich hilft’s.“ Seit 19 Jahren arbeitet Wagner bei Einhorn. Wie rüde die neuen Eigentümer mit den Beschäftigten umgingen, musste sie selbst erleben. Die Geschäftsleitung wollte ihr und einer anderen Betriebsrätin im vergangenen Jahr wegen Vertrauensbruch kündigen. Doch das Arbeitsgericht Reutlingen wies den Entlassungsantrag als haltlos zurück.

Auch kurz vor dem Insolvenzantrag bekamen noch einmal sechs Einhorn-Beschäftigte die Kündigung, auch sie wehren sich gerichtlich gegen die Entlassungen. Rechnet man sie und die zeitlich befristet Beschäftigten mit, sind von der Pleite rund 80 Mitarbeiter betroffen.

Was aus ihnen wird, hängt jetzt erst einmal vom Reutlinger Rechtsanwalt Jürgen Sulz ab. Er wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Bis in zwei Wochen will Sulz ein Gespräch mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft führen, so Wagner. Bis dahin bleibt den Beschäftigten nur die Hoffnung auf eine Zukunft mit Einhorn.

25.08.2010 - 08:00 Uhr | geändert: 25.08.2010 - 08:18 Uhr
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