K‘furter Kraftwerk läuft seit 80 Jahren zuverlässig
Das Wasserkraftwerk in Kirchentellinsfurt liefert Strom seit 1926. Aber auch wenn jetzt überall nach neuen Pumpspeicher-Standorten gesucht wird: An einen Ausbau des Kraftwerks denken derzeit die Betreiber nicht.
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David Malecki
Das Pumpspeicherkraftwerk in Kirchentellinsfurt gehört bis jetzt zu den wenigen seiner Art im Land. Vom unteren Stausee am Neckar (links unten) wird das Wasser mit billigem Nachtstrom hinauf in den oberen Stausee auf der Hochfläche des Einsiedel gepumpt. Zu Spitzenverbrauchszeiten treibt das herabstürzende Wasser die Turbinen des Neckarkraftwerks an. Luftbild: Manfred Grohe
Kirchentellinsfurt. Aus der Luft betrachtet wirkt das Hochspeicherbecken am Einsiedelhof wie ein künstlicher Fischteich. Oder wie ein übergroßes Freibad-Becken. Das Betriebsgebäude mit den Turbinen und den Drehstromgeneratoren fällt dagegen auf den ersten Blick kaum auf. Aber es liefert sauberen Strom – und das seit über 80 Jahren. Das Wasserkraftwerk ist seit 1926 aktiv und stammt damit noch aus einer früheren Ära der Wasserkraftnutzung.
In den vergangenen Jahrzehnten hat es zuverlässig und kostengünstig Energie geliefert. Mögen der Bedarf an Strom und die Ansprüche an ein Kraftwerk seit den zwanziger Jahren auch enorm gestiegen sein: Ausmustern wollten die Betreiber das Wasserkraftwerk, das mit lediglich 1300 Kilowatt zu den kleinsten seiner Art zählt, nicht. Solche Ideen waren weder beim Betreiber noch beim Regionalverband Neckar-Alb im Gespräch.
Dass aber das über 80 Jahre alte Kraftwerk im Kirchentellinsfurter Neckartal mit dem Speicherbecken auf dem Einsiedel in den neuesten Plänen für die regionale Energiepolitik wohl kaum berücksichtigt wird, scheint auch durch. Der Regionalverband äußert sich sehr zurückhaltend. Der Standort sei zwar in den neuen Regionalplan aufgenommen worden, das kleine Kraftwerk stehe aufgrund seiner geringen Leistung aber nicht im Gespräch für eine Erweiterung oder Modernisierung.
Die Betreiber von den Stadtwerken Reutlingen sehen das ähnlich. Man schaue sich nach effizienteren Standorten um. Das Albvorland ist für Pumpspeicher-Kraftwerke womöglich besser geeignet: Die dort möglichen größeren Fallhöhen zwischen Speicherbecken und Turbinenanlage versprechen mehr Erfolg und Stromausbeute.
„Wir haben vor drei Jahren für Kirchentellinsfurt eine Nutzungsgenehmigung für weitere 25 Jahre bekommen“, erklärt Thomas Steger von den Stadtwerken Reutlingen. „Das Werk ist eine hervorragende Sache und wird weiter laufen wie gehabt – auch wenn leistungsstärkere Kleinkraftwerke in der Region entstehen werden.“
Das Wasserkraftwerk im Kirchentellinsfurter Neckartal
Das Werk wurde bereits 1926 in Betrieb genommen. Es besitzt eine Laufwasser- und eine Pumpspeicherkomponente. Die Zwillingsturbinen haben eine Leistung von maximal 1300 kW. Im Laufwasserkraftwerk wird Wasser aus dem Neckar geleitet und über einen Kanal den Turbinen zugeführt, welche an die Generatoren gekoppelt sind. Die Pumpspeicherfunktion nutzt das Gefälle zwischen oberem Stausee und Gegenspeicherbecken. Wasser wird nachts günstig hinaufgepumpt und tagsüber durch die Turbinen abgelassen. Mit dieser umweltfreundlichen Technologie werden in Deutschland etwa 7 Gigawatt Strom im Jahr erzeugt.