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Kirchentellinsfurt: Stopp nach 93 Metern

Erdwärmebohrung stieß auf problematische Bodenschicht

Nicht so tief ins Erdreich ragen wie geplant werden die Erdsonden, die künftig das Rathaus samt Anbau mit Wärme versorgen. Bei der ersten öffentlichen Probebohrung gestern wurde eine potenziell riskante Bodenschicht gefunden.

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Stephan Gokeler

Kirchentellinsfurt. Vormittags hatten zahlreiche Kirchentellinsfurter auf der Baustelle vorbeigeschaut. Nachdem im Ort und auch im Gemeinderat Bedenken wegen der Erdwärmebohrungen laut geworden waren, hatten sich Bürgermeister Bernhard Knauss und Ortsbaumeister Martin Lack dazu entschlossen, öffentlich zur Probebohrung einzuladen, damit sich die Bevölkerung selbst ein Bild vom Ablauf machen kann.

Gutachter Daniel Viguié mit den Probestückchen, die bei der Bohrung zutage gefördert wurden. Ein ... Gutachter Daniel Viguié mit den Probestückchen, die bei der Bohrung zutage gefördert wurden. Ein paar kleine davon sind Anhydrid, das bei Kontakt mit Wasser zu Gips wird und aufquillt. Bild: Gokeler

Der Geologe Daniel Viguié, der für das in Starzach-Felldorf ansässige Planungsbüro Tewag die von der Kirchentellinsfurter Firma Goller durchgeführte Bohrung begleitete und das nach oben beförderte Gestein umgehend vor Ort prüfte, bekam von den Zuschauern auch kritische Fragen gestellt. Zum Beispiel, ob er nicht im Auftrag der Gemeinde ein Gefälligkeitsgutachten abliefern werde. Viguié versicherte, dass er völlig unabhängig arbeite und genau hinsehen werde.

Als er nachmittags den Beweis dafür antrat und die Bohrung bei einer Tiefe von 94 Metern stoppte, war allerdings kaum mehr Publikum vor Ort, dem er die kleinen weißlichen Körnchen hätte zeigen können. Der Bohrer war auf eine Schicht gestoßen, in der das Gestein zu einem kleinen Teil aus Anhydrid besteht. Dieses Material verwandelt sich bei Kontakt mit Wasser zu Gips und quillt dabei auf. Andernorts hat dieser Effekt schon zu Gebäudeschäden geführt. Staufen im Breisgau ist das bekannteste Beispiel und der Grund für die inzwischen verbreiteten Vorbehalte gegen Erdwärmebohrungen.

Gutachter sieht keinen Grund für Panik

Gutachter Viguié sieht allerdings keinen Grund für Panik – weder im Allgemeinen noch in Kirchentellinsfurt. „Es haben allein in Baden-Württemberg etwa 30 000 Erdwärmebohrungen stattgefunden, vielleicht bei zehn kam es hinterher zu Problemen“, sagt er. Und selbst diese wenigen Fälle hätten wohl verhindert werden können, wäre man umsichtiger vorgegangen. Ob das Anhydrid im Kirchentellinsfurter Untergrund überhaupt Probleme verursacht hätte, ist ohne detailliertere Untersuchungen nicht festzustellen. „Es ist aber Konsens, dass man zur Sicherheit keine Sonden in Schichten einbringt, in denen man Anhydrid gefunden hat“, so Viguié.

Geplant waren Bohrungen bis 90 Meter

Noch von der Baustelle aus informierte er telefonisch das Landratsamt über den Fund und besprach der weitere Vorgehen. Genehmigt war die Bohrung bis zu einer Tiefe von 110 Metern. Nun wurde die erste Sonde lediglich bis auf 93 Meter Tiefe eingebracht und das Bohrloch anschließend sofort mit sogenanntem Füllbinder versiegelt. Der Füllstoff sorgt für einen wasserdichten Abschluss zum umgebenden Erdreich und damit auch zu darunter liegenden Anhydridvorkommen. Damit ist laut Viguié jede denkbare Gefahr gebannt.

Für die weiteren Bohrungen wird nun eine neuer Antrag gestellt, der von vornherein auf 93 Meter Tiefe begrenzt ist. Für Martin Lack ist diese Einschränkung kein großes Problem. „Unsere ursprüngliche Planung sah eigentlich nur eine Bohrtiefe von 90 Metern vor. Erst auf Anregung des Landratsamts haben wir es nun mit einer tieferen Bohrung versucht. Nachdem wir jetzt wissen, dass bei 93 Metern Schluss ist, werden wir eben doch fünf Bohrungen benötigen, um die nötige Wärmemenge nach oben zu befördern“, beschreibt er die Auswirkungen.

Auch alle folgenden Bohrungen werden wieder von Gutachter Viguié begleitet werden. Zwar sei auf dem kleinen Terrain nicht zu erwarten, dass an benachbarten Bohrlöchern andere Ergebnisse zu Tage träten. „Aber der Untergrund verläuft eben nicht immer in komplett ebenen Linien, deshalb ist es schon sinnvoll, weiterhin genau hinzusehen“, findet er.

13.11.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 13.11.2012 - 14:14 Uhr

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