per eMail empfehlen


   

Auf Sinnsuche in Kirchentellinsfurt

Ein Bankkaufmann und ein Trauerbegleiter geben Ratschläge für ein erfülltes Leben

In Zeiten von Burnout und Erschöpfung suchen immer mehr Menschen nach einem Ruhepol, einem Ausgleich gegen den Stress des Alltags. Werner Ziegler und Armin Reeck wollen auf ihre ganz eigene Weise helfen.

Anzeige


Timm Schönfelder

Kirchentellinsfurt. Werner Ziegler hat ein Buch geschrieben. „Mehr als nur Sprüche“ heißt der Titel. Vor kurzem stellte er es im Seminarraum des Kirchentellinsfurter Bahnhofs vor. Mit ihm stand Armin Reeck am Podium, ein Trauerbegleiter aus Dunningen bei Rottweil.

Werner Ziegler (links) und Armin Reeck wollen Zuversicht spenden. Bild: Schönfelder Werner Ziegler (links) und Armin Reeck wollen Zuversicht spenden. Bild: Schönfelder

Zur Einstimmung ertönt ein meditatives Stück von Mike Oldfield, ein Beamer wirft bunt strahlende Naturbilder an die Wand. Dann stoppt die Musik plötzlich, Ziegler tritt bedächtig ans Podium. Neben ihm steht Reeck mit gesenktem Blick und gefalteten Händen.

Ziegler ist gelernter Bankkaufmann. Vor etwa zehn Jahren begann er, sich in seiner Freizeit mit Motivations- und Coachingtechniken zu beschäftigen. Er besuchte verschiedene Fortbildungen und absolvierte ein Fernstudium. Seit 2010 coacht er freiberuflich. Reeck arbeitete zwölf Jahre lang in einem Bestattungsunternehmen, vor drei Jahren wurde er freigestellt. Nun biete er Hilfe in Lebenskrisen an, sagt Reeck. Seine Vision sei es, den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Burnout und Überlastung sind für Ziegler zentrale Probleme der heutigen Arbeitswelt. Das habe ihn auch motiviert, das Buch zu schreiben. Dazu hat er allerlei Sprüche und Weisheiten gesammelt und sie, thematisch geordnet, mit seinen eigenen Deutungen versehen. Man müsse „ganzheitlich vorbeugen“, betont Ziegler. Er mahnt zu mehr Ruhe und Gelassenheit.

„Der liebe Gott ist mein bester Freund“, bekennt Reeck. In seinem Glauben findet er Halt. Er spricht langsam und schwermütig. Dann holt er sein Baritonsaxophon hervor und spielt „Aber dich gibt‘s nur einmal für mich“. Einige Zuhörer schließen die Augen und summen leise mit.

Ziegler hat eine Präsentation mit Sprüchen aus seinem Buch vorbereitet. Er rät zu reichlich Bewegung, gutem Essen und einer positiven Denkweise. In einem gesunden Körper wohne schließlich ein gesunder Geist.

„Sag ja zum Leben!“, ruft Reeck. „Schließe Frieden mit dir selbst!“ Er spielt „He‘s the world“ von Michael Jackson. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein Exkurs zu Dietrich Bonhoeffer. Reeck stimmt „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ an. Einige Zuhörer singen etwas schüchtern mit.

„Halten Sie sich mental fit, bleiben Sie neugierig“, empfiehlt Ziegler. Reeck spielt „My Way“. „Mal wieder einen Gottesdienst besuchen“, rät Ziegler. Oder meditieren, um zur Ruhe zu kommen. Autogenes Training machen. „Meditation ist die Antwort vom lieben Gott“, fasst Reeck zusammen. Zum Abschluss sollen deshalb alle Teilnehmer die Augen schließen, sich von allem loslösen. Ein Zug fährt vorbei. „Den Kopf leer kriegen“, sagt Reeck.

Langsam verlassen die Zuhörer den Seminarraum. Aus der Anlage erklingt ein Livemitschnitt von Reecks Blasmusikverein. Eine Handvoll Interessierter bleibt zurück, um sich mit den beiden Rednern zu unterhalten. Eigens aus Frankfurt am Main sei er angereist, gesteht ein Mann mittleren Alters. „Wir müssen erkennen, wer wir sind, nicht wer wir sein wollen“, fährt er fort. Ein junges Pärchen hingegen beschließt, nun einfach mehr ans sich selbst zu denken.

Wenn sich Reeck mit jemandem unterhält, rückt er umso näher mit seinem Gesicht heran, je dichter er seinen Gedanken spinnt. Eisern hält er Augenkontakt. „Auch wenn es schwierig ist, musst du immer an das Gute denken“, sagt er.

23.04.2013 - 06:00 Uhr | geändert: 23.04.2013 - 06:23 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

SSC Tübingen schlägt TSG II mit 5:1 Millipay Micropayment

Toter und Totalschäden: Ein Massencrash zum Üben

Friedrichstraße feiert ihr neues Gesicht

Rallye von Rottenburg in den Orient

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt | Christine Falkenberg

Adebar ist wieder da: Störche sammeln sich im Kreis

Kreisliga A: Altingen schlägt Lustnau 3:2 Millipay Micropayment

Beachparty in Oberndorf: Bei 15 Grad in den Heuballen-Pool

Das Brunnenwasserfest in Bildern

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt: Markus Appenzeller

An der Uni Tübingen entsteht ein 3D-Modell des römischen Rottenburg

Kreisliga A3: Eintracht Rottenburg - SC Azurri Mössingen 0:1 Millipay Micropayment

8. Reutlinger Oldtimertag auf dem Marktplatz

Kunststücke mit dem JoJo: Europameister Carlos Braun aus Entringen

Wakeboarding auf der Ammer in Tübingen schlägt Wellen

Falscher Straßenbelag in der Tübinger Friedrichstraße

Samstag Zaz, Sonntag LaBrassBanda beim Sommer-Open-Air

Rettung am Bahnübergang: Trainieren für den Ernstfall

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Ganz schön zu kämpfen hatten die Tübinger Feuerwehrleute in der Nacht zum Montag, um die ...

Wissen, was war

Die Woche vom 16. bis 22. August: Brennender Triebwagen, neue Hürden für Asylbewerberunterkunft und die große Tübinger Umweltzone

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse
Szene um 1914, Soldaten auf dem Weg zum Bahnhof Eyach winken in Börstingen einer Frau zu, die mit ...

Mit den Kindern des Feindes geteilt

Zum Themenabend „1914 – Feld der Ehre – Ährenfelder“ lud das Börstinger Dorfmuseum Kulturtankstelle am Samstagabend ins Gasthaus Lamm. Dort gab es zu den Lesungen und einer kleinen Ausstellung auch „schmackhafte Kriegskost“.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion