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Alte Figur reanimiert

Die Butzenzunft Hirrlingen feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Vor 50 Jahren wurde die Butzenzunft Hirrlingen gegründet. Gefeiert wird am heutigen Freitag mit einem Festakt und am nächsten Wochenende mit umfangreichem Fasnetsprogramm.

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Frank Rumpel

Hirrlingen. Die Fasnetsfigur des Butz gibt es vielerorts und doch ist es die „Einmaligkeit“, die Zunftmeister Helmut Saile am Hirrlinger Butz besonders gut gefällt. „Wir haben es geschafft, eine überlieferte Tradition unverfälscht weiterzuführen“, sagt er und spielt damit auf die alten Butzenmasken an, die es am Ort noch gibt. So stammt ein Butzenpaar laut dendrochronologischer Untersuchung vermutlich vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Verbindung nach

Friaul ist sichtbar

Damals waren die Gesichter des Butz noch etwas runder, als sie es heute sind. Eine ähnliche Maske, samt Lederband oberhalb der Stirn und Tannenzweig, fand der 2010 verstorbene Volkskundler Prof. Herbert Schwedt auch bei Masken im Friaul, wohin es von Hirrlingen aus tatsächlich eine Verbindung gab, stammten doch die Grafen von Attems, Ortsherren im 18. Jahrhundert, von dort. Eine direkte Verbindung beider Masken aber hielt Schwedt für unwahrscheinlich.

Einflüsse des

rheinischen Karnevals

Die Figur des Hirrlinger Butz hielt sich freilich nicht durchgängig am Ort. Vielmehr, erzählt Saile, der selbst schon als vierjähriger Junge Mitglied in der Butzenzunft wurde und so mit der Fasnet groß wurde, „waren bis in die 1950er Jahre die Einflüsse des rheinischen Karnevals stark“. 1909 etwa ritt beim Faschingsumzug Prinz Karneval in Hirrlingen ein. Die alten Butzenmaske tauchte in dieser Zeit allenfalls vereinzelt auf.

Im Jahre 1963 sprang der Butz erstmals als Zunftfigur, aber bereits in beträchtlicher Anzahl, beim ... Im Jahre 1963 sprang der Butz erstmals als Zunftfigur, aber bereits in beträchtlicher Anzahl, beim Hirrlinger Fasnetsumzug mit. Bild: privat

1959 erinnerte der Rottenburger Rudolf Stürmer, im Brotberuf Lehrer in Hirrlingen, in einem Artikel in der ROTTENBURGER POST an die alten Lichtstuben, in denen sich zumindest bis zur Elektrifizierung Hirrlingens 1912 die Jugend traf und die Männer an der Fasnet „vermaschgeret“ kamen. Das nannte man „Butzenspringen“. Den eigentlichen Ausschlag zur Wiederbelebung der Figur aber gab nach den Archivrecherchen Sailes eine Ausstellung zur Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht am Tübinger Ludwig-Uhland-Institut, die sich auch einige Hirrlinger ansahen und daraufhin beschlossen, den Butz wieder auf die Straße zu schicken. Das taten sie am „aoseligen Dauschdig“ 1961 und liefen am folgenden Fasnetsdienstag auch beim Umzug mit, sagt Saile, dem an der Figur vor allem „das Offene“ gefällt, wie er sagt. „Man hat die Möglichkeit, auf die Leute zuzugehen.“

Der erste Zunftmeister hieß Hans Linder

Im Jahr darauf gab es dann gleich zwei Gründungsveranstaltungen. Am 14. Mai trafen sich 17 Hirrlinger, darunter auch Herbert Schwedt und Hans Linder, im Gasthaus „Löwen“. Aufgabe der neuen Zunft war es laut Urkunde, „altes Hirrlinger Brauchtum und Kulturgut zu erhalten, das überlieferte Fasnetsbrauchtum mit dem Original-Butz zu pflegen und zu fördern.“ Allerdings, erzählt Helmut Saile, der die Zunft seit 2001 leitet, wurde keine Satzung verabschiedet, weil die Butzen zunächst eine Gruppe der 1949 neu gegründeten Narrenzunft werden sollten. Allein: Einig wurden sich die Narren nicht, weshalb sich die Butzenzunft am 16. Juni 1962 gleich noch einmal traf und eine eigene Satzung verabschiedete. Erster Zunftmeister wurde der Schneidermeister Hans Linder. Erst im Lauf dieses Jahres wurde Maske und Häs des Butz vereinheitlicht. Bis dahin hatte man ausrangierte Frauenröcke getragen und die Masken fertigten die Schnitzer nach Gusto. „Da war keine Maske, wie die andere“, sagt Saile.

Anfangs war keine Maske wie die andere

So waren 1965 bei einer Ausstellung 82 verschiedene Hirrlinger Butzenlarven zu sehen. Die heutigen Masken orientieren sich an einer Larve aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatte die Zunft dann 1963 beim Narrentreffen in Schömberg.

Bereits im Jahr 1964 kam eine Hexengruppe dazu, von der sich 1977 die heutigen „Original Hirrlinger Schlosshexen“ abspalteten. Während bei letzteren nur Männer unters Häs dürfen, können bei den Schlosshexen, wie übrigens auch beim Butz, beide Geschlechter mitmachen. Die Butzenzuttel dagegen, die ebenfalls eine Holzmaske trägt, ist Frauen und Mädchen vorbehalten. In rascher Folge gründeten sich bald auch Trachtengruppe, historische Gruppe und Fanfarenzug, die allesamt 1965 unters Dach der neu gegründeten Heimatzunft schlüpften. 1968 richtete die Zunft ihr erstes (von bisher vier) Landschaftstreffen Neckar-Alb aus.

Rund 180 aktive Narren, inklusive Showtanzgruppen, zählt die Hirrlinger Butzenzunft heute. Nachwuchssorgen hat sie zumindest momentan nicht, sagt Zunftmeister Helmut Saile, der sich in diesem Jahr ganz besonders auf die Fasnet freut, zu der er noch immer seine erste, 1975 von Valentin Kessler geschnitzte Maske trägt. „Die hat es mir einfach angetan.“

So feiert die Hirrlinger Butzenzunft ihr Jubiläum
Am heutigen Freitag, 20. Januar, gibt es ab 19 Uhr eine öffentliche Brauchtumsvorführung der Butzenzunft vor dem Hirrlinger Schloss. Der sich um 20 Uhr anschließende Festakt im Bürgerhaus ist nur für geladene Gäste.
Am Samstag, 28. Januar, gibt es ab 13 Uhr einen Kinder-Showtanznachmittag in der Eichenberghalle. Um 20 Uhr beginnt dort ein „Galaabend für Showtanzgruppen“.
Nach einem „Narren-Gottesdienst“ um 10 Uhr ist am Sonntag, 29. Januar, um 11 Uhr Zunftmeisterempfang für geladene Gäste im Bürgerhaus. Derweil wird in der Eichenberghalle bewirtet und im Ort ist Fleckafasnet. Der große Jubiläums-Umzug startet um 13.30 Uhr.


20.01.2012 - 08:30 Uhr

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