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Hängematten zwischen Obstbäumen

Wie das Gomaringer „Streuobstparadies“ aussehen könnte

„Den Schwarzwälder Bommelhut gibt es nur in zwei Tälern – bekannt ist er von Amerika bis Japan“: Für Joachim Löckelt, Obstfachmann beim Landratsamt, ist diese Kopfbedeckung das beste Beispiel für erfolgreiches Marketing. Die Schwaben könnten davon viel lernen. Jetzt will auch Gomaringen mitmachen beim „Schwäbischen Streuobstparadies“.

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Gabi Schweizer
Na sowas: Da wachsen an einem Baum Äpfel und Blüten gleichzeitig. Was für ein Wunder-volles ... Na sowas: Da wachsen an einem Baum Äpfel und Blüten gleichzeitig. Was für ein Wunder-volles Streuobstland. Archivbild: Sommer

Gomaringen. Schnäpse aller Art entstehen bei Ludwig Junger in Stockach. Im Herbst riecht es im ganzen Schlosshof nach frisch gepresstem Apfelsaft – dort hat Willi Kern seine Mosterei. Der Obst- und Gartenbauverein schenkt bei Festen den „Gomaringer Apfelsaft“ aus. Bewertungen sind immer schwierig, weil es viele andere Dörfer mit ebenfalls leckeren Säften gibt – aber derjenige aus der Wiesazgemeinde spielt sicherlich in der Top-Liga mit. Erwin Ott und Günther Weihing wissen, wir man alte Obstbaugeräte repariert.

All das ist den Gomaringern gut bekannt – allen voran Jürgen Hirning vom Obst- und Gartenbauverein, der am Dienstagabend wegen des „Streuobstparadieses“ in die Gemeinderatssitzung gekommen war. Außerhalb Gomaringens aber wissen wenige davon. Neulich war Manuela Feiler, Tourismusbeauftragte des Landkreises und neben Joachim Löckelt für das Marketingprojekt „Schwäbisches Streuobstparadies“ zuständig, bei einem Gespräch mit den örtlichen Einzelhändlern und Gastronomen. Hotels gibt es nämlich etliche in der Gemeinde. Die Übernachtungszahlen seien aber seit zwei Jahren rückläufig, erfuhr Feiler. Und fragte prompt, warum die Gastwirte ihre lokalen Besonderheiten nicht besser verwerten. Ideen hat sie viele: Die Hotels könnten den vor Ort gewonnenen Saft ausschenken. Die Bäckerei könnte Kochkurse anbieten und vorher die dafür notwendigen Äpfel lesen. Ansätze für ein auf die Region zugeschnittenes Tourismuskonzept gibt es schon: Eins der Hotels beispielsweise bietet gezielt Übernachtungen für Radfahrer an.

Das „Schwäbische Streuobstparadies“ ist eine Aktion von sechs Landkreisen (Tübingen, Reutlingen, Zollernalb, Esslingen, Göppingen und Böblingen), die sich im Mai zu einem Verein zusammenschließen möchten, in dem auch möglichst viele Gemeinden, Direktvermarkter und Sponsoren Mitglied werden sollen. Das Ziel: die heimischen Streuobstwiesen zu erhalten – unter anderem durch Tourismus. Der Verein soll im Frühjahr gegründet werden. Betreut wird er dann von einer Geschäftsstelle mit anderthalb Personalstellen aus. Wo diese angesiedelt wird, ist bisher unklar. Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander hat Interesse angemeldet – es sind aber auch Münsingen, Bad Urach und Beuron im Gespräch.

Das Steinlachtal hat einiges zu bieten, zum Beispiel den Mössinger Panoramaweg, das Nehrener Kirschenfeld und in Gomaringen die Streuobstwiesen, die sich wie ein Gürtel um die Gemeinde legen. „Ich kann ihnen keine Verdoppelung des Mostpreises versprechen“, wandte sich Joachim Löckelt an Willi Kern. Aber wenn es gelänge, ein Logo wie den Bommelhut zu entwickeln, gebe es es eine „Wertsteigerung“ – dann könnten auch die Wiesenbesitzer mehr Geld für ihre Ware bekommen.

Viele Ideen zählten Feiler und Löckelt auf: neue Produkte wie Seifen und Cremes, Übernachtungen in einem „Streuobst-Romantikzimmer“, Streuobst-Menüs, ein regionales Schaufenster, Hängematten zwischen den Bäumen und Kästchen mit Überweisungsträgern daneben: Dafür, gab Löckelt zu, sei er schon belächelt worden. Aber er kennt Orte, wo es funktionierte. Immer wieder landeten dann fünf, 20, manchmal 50 Euro auf dem Spendenkonto.

A propos Geld: Das Land hat 120 000 Euro zugesagt – das macht, über fünf Jahre verteilt, jeweils 5000 Euro. Weitere Fördergelder sollen von Bund und EU kommen. Außerdem summieren sich die Mitgliedsbeiträge: für Landkreise 7000 Euro pro Jahr, für Gemeinden im Schnitt 1500 Euro, für Vereine 100 bis 500 Euro, für Betriebe 250 bis 750 Euro.

Im Umkehrschluss können lokale Initiativen sich besser vermarkten und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig es ist, dieses Kulturgut zu erhalten. Es gehe gar nicht darum, viel Neues zu schaffen, erklärte Feiler. Man wolle beispielsweise in Gomaringen keinen Lehrgarten anlegen. Dafür das Gustav Schwab-Museum, den Geschichtslehrpfad, den Buchbach und Vereinsfeste besser bekannt machen. Sollten Fördergelder aus dem Programm „Plenum“ bewilligt werden, könnte der Verein darüber auch einzelne Projekte fördern. Ein Maschinenring könnte ein guter Service für die Streuobstwiesen-Pfleger sein. Radwege sollen ausgebaut werden, langfristig vielleicht auch eine Autoroute.

Das Votum des Gemeinderats war einstimmig: Alle wollten sich dem neuen Verein anschließen. Im Dorf, so erklärte Schmiderer, habe die Streuobstpflege eine lange Tradition und sei nicht an eine bestimmte Partei gebunden. Bestes Beispiel: Jürgen Hirning vom OGV saß mal für die Grüne Liste im Gemeinderat, Willi Kern ist CDU-Fraktionssprecher.

Allerdings klang im Gemeinderat auch durch, dass es mit einer besseren Vermarktungsstrategie nicht getan ist. Elvira Fischer gefällt das Konzept des Mössinger Netzwerks Streuobst – schon Kindergartenkinder sollen sich mit dem Thema befassen. Joachim Löckelt nannte als gutes Beispiel die Nehrener Kirschenfeldschule, die mit dem Obst- und Gartenbauverein kooperiert – dessen Vorsitzender Norbert Saur ist geschickterweise auch der Hausmeister. Allerdings, betonte Löckelt, müssten bei solchen Projekten genügend Ehrenamtliche mitmachen: „Die Schulen sagen selten Nein!“

27.01.2012 - 08:30 Uhr

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