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Was Gomaringen will

Mobilität: am meisten Stimmen für die Regionalstadtbahn

Im Juli tritt Steffen Heß seine Stelle als neuer Gomaringer Rathauschef an. Worum soll ein Bürgermeister sich zuerst kümmern? Das fragten wir Bürger/innen vor der Wahl. Eins wurde bei unserer TAGBLATT-Umfrage deutlich: Die Gomaringer wollen einen besseren öffentlichen Nahverkehr. Raser und Straßenlärm waren bei Wahlveranstaltungen immer wieder Thema.

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Gabi Schweizer

Gomaringen. Ein Rathaus in der ehemaligen Kindlerschen Fabrik – ja, das sei eine gute Idee, sagten 49 von 80 Menschen, die unseren Fragebogen beantwortet haben. 16 sind anderer Ansicht, die übrigen haben sich zu dieser Frage nicht geäußert. Freilich: Die Grundsatzentscheidung hat der Gemeinderat schon getroffen, nachdem klar war, dass ein privater Investor mit seinem Vorsatz, Wohnungen in dem historischen Gebäude einzurichten gescheitert war.

Artikelbild: Mobilität: am meisten Stimmen für die Regionalstadtbahn © DGA - Fotolia.com © DGA - Fotolia.com

Momentan ermittelt ein Architektenbüro die genauen Kosten, damit die Gemeinde Fördergelder beantragen kann. Bei einer ersten groben Schätzung war von 5,9 Millionen Euro die Rede. In der Kindlerschen Fabrik soll allerdings nicht nur die Rathaus-Crew einziehen, vielmehr soll ein komplettes Dienstleistungszentrum entstehen. Es sei immer besser, ein vorhandenes Objekt „wiederzuverwenden“, als neue Bauflächen auszuweisen, schrieb eine Lesern, die mit Ja gestimmt hatte: „Die Frage ist halt: Ist ein neues Rathaus notwendig? Falls ja, wird diese Lösung bestimmt sehr ,stilvoll‘.“ Das jetzige Rathaus, so argumentieren Gemeinderat und Verwaltung, sei sanierungsbedürftig und außerdem zu klein. Ehe die Gemeinde die Kindlersche Fabrik zurückkaufte, hatte es Neubau-Pläne gegeben.

Wo sollen die Leute denn parken, wird das Zentrum plötzlich voller Autos sein? Diese Sorge kam bei einem Infoabend vor einiger Zeit immer wieder auf. Und bei Wahlveranstaltungen war öfters von Rasern, Lärmbelästigung oder Am-Straßenrand-Parkern die Rede – alles nicht gern gesehene Phänomene, die etliche Ortsteile betreffen. So große Staus wie auf unserem Bild wird es in Gomaringen wohl kaum geben. Für Unmut sorgen Autos jedoch immer wieder. „Lärmbelästigung durch zu schnelles Fahren am Ortsausgang nach Bronnweiler“ kritisierte ein Gomaringer in unserer Umfrage – und schlug vor, Blitzer aufzubauen oder einen Kreisverkehr „wie bereits 1999 angekündigt“. Eine „Verkehrsberuhigung, zum Beispiel in der Tübinger Straße“, ist das Anliegen eines weiteren Lesers oder einer Leserin. „Fahrradwege“ hat jemand neben den „Verkehr“ geschrieben.

Allerdings ist es durchaus so, dass die meisten Bürger mit dem eigenen Auto unterwegs sind. In der Gemeinde gibt es zwar Busse, aber Engpässe, was deren Zeitplan betrifft – beispielsweise abends in den Schulferien. Anders als in den Nachbargemeinden Nehren und Dußlingen hält auch keine Bahn. „Wie könnte Ihrer Meinung nach die Anbindung und Erreichbarkeit Gomaringens am ehesten verbessert werden?“ fragten wir. 33 Leser/innen nannten die Regionalstadtbahn, 28 sprachen sich für eine Haltestelle der Hohenzollerischen Landesbahn aus, nur neun für den Ausbau der vorhandenen Straßen.

Einen ganz klaren Favoriten gab es bei den Themen, um die sich der neue Bürgermeister vorrangig kümmern sollte: 36 Bürger/innen sahen ihn bei der wirtschaftlichen Entwicklung in der Verantwortung, 29 nannten den Verkehr, 26 die Ortsmitte, 20 die Schulsituation, zehn die Kultur, sechs die Einkaufsmöglichkeiten und vier den Sport.

Tier- und Umweltschutz forderte eine Leserin zusätzlich ein: Mülleimer für Hundehinterlassenschaften, ein Verbot von Hetzjagden für Jäger – das sei „Tierquälerei“. Am Dorfbild gefällt nicht alles: Einen „Rückbau des Schildbürgerstreichs Hinter der Hurt“ forderte jemand, auf einem anderen Bogen wurde das Naturana-Hochhaus angeprangert: „Ist da ein Rückbau möglich?“ Wohl nicht, das Gebäude ist in Privatbesitz. Immer wieder war von Jugendlichen die Rede – jemand forderte mehr Angebote, beispielsweise auch außerhalb der Vereine. „Jugendarbeit siehe Nehren“ schrieb eine andere Person – warum, ist unklar. Der markanteste Unterschied ist, dass es im Nachbardorf einen Streetworker gibt. Drei Leute beschwerten sich über Müll, der das Dorf verunziert – und den junge Leute hinterlassen würden. Ausdrückliches Lob gab es für Kultur und Sport: „In Gomaringen sehr gut“, hieß es da auf einem Antwortbogen.

Mehr „ärztliche Versorgung“ – beziehungsweise einen Augenarzt – hätte jemand gern. Von einem Generationenhaus und Dialog zwischen Alt und Jung war mal die Rede. Oder davon, dass es Senioren und Menschen mit Behinderung leichter gemacht werden solle, mobil zu bleiben. Dazu die Forderung, das ganze Dorf zu gestalten, „nicht nur die Ortsmitte“. Eine andere Person schrieb schlicht: „Schulden abbauen!“ „Verantwortungsbewusstsein zeigen vor Gott und den Menschen“ – so stellt sich ein/e Gläubige/r das Bürgermeisteramt vor und hat gleich mal alle vorgegebenen Schwerpunktthemen angekreuzt. Wie auch jener Leser oder jene Leserin, die der Ansicht ist, ein Bürgermeister solle sich um alle Themen gleich gut kümmern: „Ein ,Lieblingskind’ verhindert den Weitblick.“ Bild: © DGA - Fotolia.com

© D. Schuerstedt - Fotolia.com

02.05.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 17.10.2012 - 11:03 Uhr

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