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In höchster Not

Mobbing als Thema beim Gomaringer Elternforum

Barbara Waidmann, Schulsozialpädagogin an der Tübinger Pestalozzischule, erklärte am Dienstag im Gomaringer Elternforum einer kleinen Schar , welchen Anteil die Gruppendynamik am Mobbingprozess hat.

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Susanne Mutschler

Gomaringen. „Es geht nie nur um das betroffene Kind“, machte die Referentin Barbara Waidmann den Unterschied zwischen Ärgern und Mobben klar. Dass Kinder in Gruppen bisweilen „miteinander ins Gehege kommen“, sich foppen und piesacken, fand sie unbedenklich, solange die Fähigkeit zur Empathie nicht verloren geht. „Die meisten Kinder habe eine Empfindsamkeit dafür, wann sie zu weit gegangen sind“.

Mobbing ist mehr als ein Überschuss an Aggression, der sich an einem angreifbaren Außenseiter austobt. Damit aus einem gehänselten Kind ein schikaniertes Opfer wird, brauche der „Mobber“ den Beifall seiner aktiven Unterstützer und das ängstliche Schweigen der Unbeteiligten, erklärte sie die Dynamik des Mobbingprozesses. Gerade das Nichtstun der Zugucker verstärke den immensen psychischen Druck, der auf dem geplagten Kind laste. Mobbingerfahrungen von körperlichen Übergriffen über Erpressung bis zur Diffamierung im Internet bringen Kinder „in höchste Not“, wusste sie und zählte Stresssymptome auf, die von diffusen Schmerzen über Leistungsabfall bis zur Lähmung aller natürlichen Reaktionen reichten. Nicht einmal mehr weglaufen zu können, werde als doppelte Schmach erlebt.

Das Eingreifen der Erwachsenen sei unabdingbar. „Mobbing hört nicht von allein auf“, sondern spiele sich „unter den Augen und hinter dem Rücken der ganzen Gruppe“ ab. Den Eltern riet die Tübinger Fachfrau, mit dem Kind „in Muße“ und mit „Mitgefühl“ die erlittene Pein zu rekonstruieren. Es sei wichtig, das Erlebte auszusprechen. Auch die Strategien gegen das Ausgeliefertsein sollten immer gemeinsam mit dem Kind entwickelt werden. „Es gibt kein Rezept“ für das richtige Verhalten, sagte sie, aber „Mobbing muss immer öffentlich werden“.

Die Aggression „mit einer klaren Haltung“ zu stoppen, sei der erste Schritt. „War doch nur Spaß“ als Entschuldigung für ausgeteilte Kränkungen ließ sie nicht gelten. Das Fehlverhalten des „Mobbers“ sei zwar ebenfalls als eine Botschaft aus psychosozialer Not zu verstehen, trotzdem sollten die Verantwortlichen für ihre Taten gerade stehen und sich Wege zur Wiedergutmachung überlegen.

So lange die soziale Dynamik in der Gruppe unverändert bleibe, sei ein Schulwechsel weder für die Täter noch für die Opfer „die erste Idee“. Um „die Front der Schweigenden zu stärken“, erwähnte sie die Einrichtung eines Klassenrates. Wirksam könnten auch schriftlich ausgearbeitete Verträge mit verbindlichen Zukunftsversprechen sein, die alle Beteiligten in ihrer Hosentasche tragen. „Störungen durch Mobbing haben Vorrang vor dem Lehrplan“, betonte sie, auch wenn das ein paar Schulstunden koste.

Den Gomaringer Eltern riet sie, eigene Erfahrungen zu dokumentieren, andere Eltern zu mobilisieren, den Elternbeirat und den Rektor zu informieren, sich an den Schulsozialarbeiter zu wenden oder gleich einen Profi von der Tübinger Bildungsberatungsstelle zu Hilfe zu rufen. In Schulen mit Mediation, Streitschlichtern und Schulsozialarbeitern ist Mobbing seltener, wusste sie.

Zur Prävention zählte sie Begegnungen mit den Vereinen Tima (Tübinger Initiative für Mädchenarbeit) und dem Tübinger Verein für Jungen- und Männerarbeit „Pfunzkerle“. Zarten Kindern könnte eine Kampfsportart zu einer anderen Körpersprache verhelfen.

Mobbing und Cybermobbing
Der Trendbegriff „Mobbing“ kommt aus dem englischen und bedeutet soviel wie „über jemanden herfallen, jemanden schikanieren oder anpöbeln“. Häufig findet Mobbing am Arbeitsplatz statt. Mit der Verbreitung sozialer Netzwerke im Internet ist der Begriff des „Cyber-Mobbing“ aktuell geworden. Er meint die seelische Verletzung von Menschen über neue Kommunikationsmedien – häufig geschützt durch die Anonymität, die diese gewährleisten.


29.11.2012 - 08:30 Uhr

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