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Gomaringen: Alte Häuser ganz neu

Architekten stellten Entwürfe für Kindler‘sche Fabrik und Buck‘sche Scheuer vor

„Es ist alles wunderbar, jetzt sollte man bloß das Geld dafür haben“, resümierte Bürgermeister Manfred Schmiderer am Ende der Info-Veranstaltung. Die Gäste gaben Anregungen, äußerten aber kaum grundsätzliche Kritik.

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Gabi Schweizer
Die Garagentore sollen verglast werden und viel Tageslicht ins Gebäude lassen: So könnte die ... Die Garagentore sollen verglast werden und viel Tageslicht ins Gebäude lassen: So könnte die Buck’sche Scheuer eines Tages aussehen. Entwurf: Häfele Architekten

Gomaringen. Eigentlich hat die Gemeinde gerade gar kein Geld zum Bauen. Aber wenn sie Zuschüsse abgreifen will, muss sie belastbare Zahlen vorlegen. Folglich haben sich nun zwei Architektenbüros ans Werk gemacht und Vorentwürfe geliefert: Riehle und Assoziierte für die Kindler‘sche Fabrik, die eines Tages das Rathaus und andere kommunale Einrichtungen beherbergen soll; die Tübinger Architektengemeinschaft Haefele für die Buck’sche Scheuer, in der hauptsächlich die Bibliothek unterkommen soll.

Außen ändert sich nicht viel, innen alles: Die Reutlinger Architektengemeinschaft Riehle und ... Außen ändert sich nicht viel, innen alles: Die Reutlinger Architektengemeinschaft Riehle und Assoziierte hat einen Vorentwurf für die Kindlersche Fabrik angefertigt. Geschätzte Kosten: 5,9 Millionen Euro.Entwurf: Riehle und Assoziierte

Vorgestern nun lud die Gemeinde zu einem Infoabend – gut 60 Besucher/innen kamen. Allerdings verwies Bürgermeister Manfred Schmiderer auch auf einen Nachteil der frühzeitigen Beteiligung: Vorerst handelt es sich eben tatsächlich nur um Entwürfe, auch belastbare Zahlen fehlen noch. Auf rund 5,9 Millionen Euro taxiert Thorismuth Gaiser die Sanierung der Kindler’schen Fabrik – bei der Schätzung hat er alles berücksichtigt, sogar die Einrichtung und die Außenanlagen. Der Entwurf sieht vor, die Fassade zu erhalten. Zwar war lange unklar, ob das um 1900 errichtete Gebäude tatsächlich denkmalgeschützt ist – nun tendiert die Denkmalbehörde aber zu einem Ja. Und Schmiderer verwehrte sich so oder so gegen einen Vorschlag aus dem Publikum, man könne das Haus doch abreißen und historiengetreu wieder aufbauen. Denn der Gemeinderat habe schon vor Jahren dafür plädiert, die ehemalige Miederwarenfabrik zu erhalten. Als ein privater Investor keine Käufer für Eigentumswohnungen fand und das ortsbildprägende Gebäude zu verfallen drohte, kaufte die Gemeinde es wieder zurück.

Im Innern allerdings müsste alles umgebaut und entkernt werden, um den brandschutzrechtlichen Vorgaben zu genügen und Platz zu schaffen für die Gemeindeverwaltung (1510 Quadratmeter), den Gemeindeverwaltungsverband (97 Quadratmeter) und die Polizei (125 Quadratmeter). Auch die Statik muss gut untersucht werden. Drei verschiedene Pläne stellten Gaiser und sein Kollege Hans Bühler vor – im Wesentlichen unterscheiden die Entwürfe sich dadurch, wie der Sitzungssaal platziert und ob er für größere Veranstaltungen erweiterbar ist. Bei der großzügigsten Variante ist er zentral im Obergeschoss platziert, mit frei beweglichen Wänden, die, wenn zurückgeschoben, den Raum in den Flur öffnen. Allerdings würden dann auch die Heizkosten steigen, gab Schmiderer zu bedenken – und grundsätzlich bestehe in Gomaringen ja kein Mangel an Veranstaltungsräumen.

Einen Mangel an Parkplätzen sah eine Besucherin durchaus: Wenn deren 44 geschaffen würden, die meisten davon beim Zentralomnibusbahnhof, wie viele davon bräuchte dann die Verwaltung selbst? Dieser Parkplatz sei hauptsächlich für die Mitarbeiter gedacht, sagte Schmiderer und ließ durchblicken, dass man sich an die vom Landratsamt vorgeschriebene Stellplatzzahl halten werde. Allerdings: Das nahe gelegene Parkdeck wäre stabil genug für ein weiteres Stockwerk – dieses könnte völlig unabhängig vom neuen Dienstleistungszentrum irgendwann gebaut werden. Er spekuliert aber auch darauf, dass sich mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad bewegen, wenn das Rathaus zentraler liegt. Mehr Verkehr, mehr Risse in den Häusern, glaubt eine Besucherin, die In der Stelle wohnt – entsprechend skeptisch sieht sie die Sanierungspläne. Schmiderer, etwas überrascht, versprach, dieser Sache nachzugehen.

In der neuen Ortsmitte sollen außerdem das Jugendbüro und die Sophienpflege unterkommen – nämlich in der denkmalgeschützten Buck’schen Scheuer aus dem Jahr 1540, deren größter Teil für die Bibliothek vorgesehen ist. Sie würde sich über das gesamte Erdgeschoss erstrecken und die Galerie: Wie bei alten Scheunen üblich, gibt es anderthalb Stockwerke, so dass der Bauer mit dem Heuwagen reinfahren konnte. Das (transparente) Fachwerk soll bestehen bleiben und den Raum gliedern. An der nördlichen Außenseite könnte Gottfried Haefele sich Sichtfachwerk vorstellen – „das kommt aber auf den Zustand an“. Die Verwaltung käme ins erste der drei Dachgeschosse – das Architektenbüro hat dort sogar Platz für den Gemeindeverwaltungsverband gefunden, der folglich sowohl hier als auch in der Kindler’schen Fabrik untergebracht werden könnte. Gleiches gilt für die Grundbucheinsichtsstelle (Notariate sind ab 2018 privatisiert).

Das zweite Dachgeschoss würde vorerst Reservefläche bleiben, das dritte ist winzig klein. Über Dachgauben käme Tageslicht in die Zimmer, unten träten Glaswände an die Stelle der großen Scheunentore. Gar nicht benötigt würde das Buck’sche Wohnhaus, das zwischen 1820 und 1840 entstanden sein muss. Was damit geschieht, ist noch unklar. Für den Umbau der Buck‘schen Scheuer rechnet das Büro Haefele mit Kosten von rund zwei Millionen Euro.

Die Pläne werden nun auf die Gemeindehomepage gestellt, wer Anmerkungen hat, kann sich direkt ans Rathaus wenden. Was letztlich gemacht wird, entscheidet allerdings der Gemeinderat. Ab Januar sollen die Pläne konkretisiert werden. An Fördergeldern fest zugesagt sind eine Million Euro aus dem Bund-Länder-Programm, mit dem die Sanierung der Ortsmitte gefördert wird. Bis allerspätestens 2025 müssen die Arbeiten dann abgeschlossen sein. Weitere Zuschüsse erhofft sich die Gemeinde zum Beispiel aus Denkmalschutz-Töpfen.

24.11.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 24.11.2011 - 08:40 Uhr

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