American Girl trifft urschwäbischs Mädle. Und gemeinsam amüsieren Amy und Emmi mit einem auf dialekt- und akzentbedingtem Kauderwelsch beruhenden verbalen Ping-Pong. Am Samstagabend war „Frl. Schwab und Miss Smith leuchten Ihnen heim“ erstmals zu sehen: in der Dußlinger Bücherei-Mediothek.
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Kathrin löffler
Miss Smith („Oh my god! Oh my god!“) und Fäulein Schwab („Sie send zu schbät! Zu schbät! Zu schbät!“) leuchteten den Dußlinger heim: Lindenhof-Vorpremiere mit Carola Schwelien (links) und Ida Ott. Bild: Rippmann
Dußlingen. Miss Smith – Amy – ist sehr blond, sehr pink (ein „I love Brad“ ziert ihr Shirt), sehr „Oh my god! Oh my god!“. Und aus den United States im Ländle gelandet, um die von der ausgewanderten Großmutter vererbten schwäbischen Wurzeln ausfindig zu machen. Auch Emmi, ihr schwäbisches Pendant, trifft das Klischee ganz gut: Das Fräulein Schwab, das halt „von do“ stammt, zeigt sich ordnungsliebend, pedantisch („Sie send zu schbät! Zu schbät! Zu schbät!“) der von Anglizismen heimgesuchten Umgangssprache gänzlich abgeneigt und sich über Coffee to go, Smalltalk, „Climba“, „Bika“ und „Jogga“ echauffierend.
Die Schwab und die Smith treffen aufeinander, versuchen sich an einer fragwürdigen Rekonstruktion der Historie der Schwaben mit Ostelblern und -älblern, animieren zum schwäbisch-amerikanischen Workout, konkurrieren um die größten Erfinder und Tüftler, gründen schließlich den Ahnenforschungs-Verein „Back to the Roots“ und lassen dabei keinen Ami- und Schwaben-Witz aus. Das gefiel.
Die Gemeinde Dußlingen hatte in Kooperation mit der Bücherei -Mediothek geladen. Rund 180 waren in die Räume der neuen Bibliothek gekommen – darunter viele Ehrenamtliche von den örtlichen Vereinen, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz – und spendeten viel Beifall für Ida Ott als Frl. Schwab und Carola Schwelien als Miss Smith. Die beiden Schauspielerinnen, erstere kennt man auch als eine der Drei vom Dohlengässle, präsentierten ihr neues Kabarett am Samstag zum ersten Mal. Büchereileiterin Monika Schramm „wollte sie hierhaben“ und hat Kontakt aufgenommen. Im Theater Lindenhof ist erst morgen Premiere.
Charmant wirken die beiden Damen vor allem aufgrund des von ihnen produzierten sprachlichen Mit- und Durcheinanders: Da mischt sich amerikanischer Slang und dauerfreundlicher Singsang mit verhindertem Schwäbisch, entstehen sprachliche Übersetzungsunfälle („Der Oettinger, der kann so gut Englisch, den versteh‘ sogar ich, der isch a richdigs Mannsbild, a really manpicture!“, oder auch: Wenn’d mi frogsch, des kosch de Hasa gäba, give it to the rabbits!“), entpuppen sich Versuche, ein schwäbisches Wörterbuch unreflektiert auswendig zu lernen, als böse Fehler („Emmi, du siehst äbr arg abgschäfft aus!“), folgt ein Missverständnis dem nächsten („Where are you fromm?“ „Fromm? Kadohlisch! Katholic!“ „Cadillac?“).
Ein bisschen mit Stereotypen wird freilich auch gespielt: „Weißt du, wie der Grand Canyon entstanden ist? Da hat ein Schwabe einen Pfennig verloren.“ Lacher und Wiedererkennungswert erzeugte dies aber dennoch. Dass der Schwabe an sich durchaus auch Sinn für Selbstironie hat, stellt Emmi unter Beweis: „Warum hat ein Schwabe immer eine leere Weinflasche im Kühlschrank? Falls jemand kommt, der nichts trinken will.“
Die Miss und das Fräulein streiten sich um die größten landsmannschaftlichen Errungenschaften („Wir machen immer was mit Rodeo.“ – „Hemmr au, Hammllauf!“), brüsten sich mit Spareribs und Spätzle, legen angesichts einer relativ leeren Sektflasche und ihres relativ vollen Zustands die Theorie eines auch nicht ganz unbekannten Schwaben dar, singen, dichten, verordnen dem Publikum gymnastische und gruppendynamisch wertvolle Übungen zum Spätzlesspeckabbau und fordern „Gimme the swabish energy!“.
In der Hauptsache aber geht es den beiden um das gemeinsame Interesse für Ahnenforschung – also wird das gesamte Prozedere einer schwäbischen Vereinsgründung samt Vorstandswahl auf die Schippe genommen. Doch um aufgenommen zu werden und die amerikanisch-schwäbische Familienzusammenführung zu einem guten Ende zu bringen, muss die Miss von der anderen Seite des Ozeans per Integrationstest zeigen, was von ihren schwäbischen Wurzeln noch vorhanden ist. Nicht einfach in diesen Zeiten – für die Hauptstadt Baden-Württembergs kann man heuer schon mal „Stuttgart 21“ halten. Dafür klappt es mit den wichtigsten schwäbischen Ortsbestimmungen (oba doba, enna denna, außa daußa, do ond genao do) doch ganz gut.
Spätestens mit der Entdeckung des gemeinsamen transatlantischen Männergeschmacks, der einen Schwaben einem Cowboy präferiert, sind die anfänglichen Vorurteile gänzlich ad absurdum geführt: „Gang mr bloß furt mit Amerika!“