Modellauto-Club bangt um Rennstrecke in „Rottehalle“
Womöglich sind sie gezählt, die Tage, an denen in der ehemaligen „Rottehalle“ auf dem Gelände des Zweckverbands Abfallverwertung Dusslingen (ZAV) im Industriegebiet „Steinig“ Modellauto-Rennen gefahren werden können: Streusalz möchte eine Schelklinger Firma dort künftig lagern. Die Mini-Flitzer müssten dann weichen.
Dußlingen / Gomaringen. Motorengedröhn, Reifenquietschen, in der Hallenluft liegt mehr als nur ein Hauch von Benzin: Man könnte meinen, man sei bei einem „echten“ Autorennen, wenn die ferngesteuerten Modellautos des Radio Control Club (RCC) Steinlach in der „Rottehalle“ auf dem Gelände der Dusslinger Mülldeponie mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 70 Kilometern pro Stunde ihre Runden drehen.
Rennautos im Maßstab eins zu fünf flitzen derzeit noch durch die ehemalige „Rottehalle“ in Dußlingen – nun befürchtet der Radio Control Club (RCC) Steinlach, dass er dieses großzügige Domizil bald verlassen muss. Bild: Rippmann
1998 wurde der Gomaringer Modellsport-Club gegründet, seit zehn Jahren nutzen die Miniaturautofreunde die Hälfte der leerstehenden 7000-Quadratmeter-Halle; hier verrotteten früher organische Abfälle, ehe sich die Abfallentsorgungspolitik wandelte und plötzlich niemand wusste, was statt dessen mit dem Gebäude passieren sollte.
Eine 240 Meter lange „Glattbahnstrecke“ ist dort entstanden, mit allem Drum und Dran: Flutlichtanlage, selbstgebautem erhöhtem Fahrerstand für bis zu zehn Fahrer, Fahrerlager mit Tischen, Rundumbande mit ein wenig Werbung und eingebauten Schleifen im Boden, die die Rundenzeiten der Rennautos messen.
„Für uns Vereinsmitglieder wäre es ein Weltuntergang, wenn wir die Halle verlieren würden“, sagt Vereinsvorstand Peter Doller. Schließlich sei der Club der einzige Deutschlands, der über eine permanente Glattbahn-Hallenstrecke verfüge. „Das ist ein Geschenk, so was bekommen wir nie wieder“, fürchtet der Industriemeister aus Gönningen, dessen Sohn sogar bei den Deutschen Meisterschaften mitfährt. Die Miete einer Halle in vergleichbarer Größe kann sich der Verein, der derzeit 36 Mitglieder „vom Teenie bis zum Rentner“ hat, nicht leisten, sagt Doller. Viele kommen von weit her, aus dem Zollernalbkreis, aus dem Raum Stuttgart, sogar aus Ulm.
Noch weigert sich der passionierte Modellautolenker aber, daran zu glauben, dass bald Schluss sein könnte für die Mini-Hobel in der Halle: „Ich habe es nur in der Zeitung gelesen, uns hat bisher niemand informiert. In den vergangenen Jahren sollte die Halle schon ein paar Mal vermietet werden, aber im Endeffekt sind alle abgesprungen.“ Auch glaubt der Gönninger nicht, dass die Dußlinger von dem erhöhten Lastwagenverkehr, den eine geplante Nutzung als Streusalz- und Schuttlager mit sich bringen würde, „begeistert“ wären; Doller, der das ferngesteuerte Fahren „mit 15 Jahren in Reutlingen auf den „Bösmannsäckern“ für sich entdeckte, hofft deshalb, dass das letzte Wort in der Angelegenheit noch nicht gesprochen ist. „Und wenn es doch hart auf hart kommt, werden wir Bürgermeister Manfred Schmiderer fragen, ob er eine Alternative weiß.“
Dass er in der Rottehalle noch lange Gas geben kann, das hofft auch Thorsten Siedler: Seit drei Jahren ist der Balinger im Verein, die Hallenpiste findet er klasse. „Wenn wir sie nicht mehr haben, wissen wir nicht, was wir machen sollen, es wäre traurig. Wir würden dann ohne Strecke dastehen.“ Auch für einen 35-jährigen Albstädter wäre der Verlust der Halle „eine Katastrophe, es gibt ja sonst weit und breit nichts.“
Dem Verein bliebe dann nur noch die „Offroad-Strecke“ in der Robert-Bosch-Straße, am Ortseingang von Gomaringen; in regelmäßigen Abständen wird außerdem eine „Elektrostrecke“ in der Hinterweilerer Hublandhalle aufgebaut.
Was mit dem stillgelegten Müllwerk passieren soll:
Die Schelklinger Firma SWS-Steinwerk will wie berichtet zwei Hallen des stillgelegten Dußlinger Müllwerks mieten. In der ehemaligen „Rottehalle“ möchte sie Streusalz einlagern. In der Verfahrenstechnik-Halle soll hingegen eine Sondermüll-Mischanlage entstehen. SWS-Steinwerk kooperiert dabei mit der Wacker Chemie AG. Dies könnte noch zu einem heißen Thema werden, denn anderswo sind Partner von Wacker Chemie mit diesem Vorhaben bereits gescheitert – in Haigerloch hatte es Bürgerproteste gegeben, weil Kritiker befürchteten, giftige Substanzen könnten in die Umwelt gelangen. Die beiden Hallen und vor allem die technischen Anlagen hatten in den 80er-Jahren 50 Millionen Euro gekostet, 1991 wurde der Betrieb stillgelegt. Seither suchen der Abfallzweckverband und die Gemeinde Dußlingen nach einer neuen Nutzung für die Gebäude.