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Wasserhund auf Trüffeljagd

Karl-Heinz Klink und Héros ernteten die ersten schwarzen Knollen

Bobby interessierte sich nicht für Trüffel. Der steirische Rauhaardackel jagte lieber Schwarzwild und Rehe. Aber Héros ist ein Feinschmecker. „Allez, allez!“, ruft ihm Karl-Heinz Klink zu. Und der Wasserpudel schnüffelt, scharrt und gräbt.

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susanne wiedmann

Es blieb ihm nichts anderes übrig. Er war der schwächste von 14 Welpen. Der Hunger trieb ihn dazu, nach Futter zu graben. Dabei entwickelte er eine exzellente Schnüffelnase. Héros ist ein Italiener. Ein Lagotto Romagnolo, seine Familie gehört zu den Wasserhunden. Und sein Fell ist so zerzaust wie eine luftgetrocknete Dauerwelle. Héros wuchs aber in einer provenzalischen Trüffelbaumschule auf. Viereinhalb Monate lang. Bis ihn Karl-Heinz Klink vor kurzem nach Dußlingen beförderte. Nun tollt er auf Klinks Trüffelplantage umher. Irgendwo im Steinlachtal. Wo er seine Trüffelpflanzen kultiviert, soll nicht bekannt werden, weil Klink fürchtet, jemand könnte sie ausreißen.

„Allez, allez!“, ruft Klink. „Du Heros, geh’ mal gucken!“ Drei Mal wöchentlich muss Héros üben. Denn noch ist er nicht der perfekte Trüffelhund. „Isch halt noch ein Baby.“ Dennoch findet er sekundenschnell den Trüffel, den Klink für das Training auf seinem 60 Ar großen Grundstück vergraben hat – springt, schnüffelt, scharrt und schnappt den warzigen Edelpilz. „Brav, so isch brav.“ Der steirische Rauhaardackel Bobby, Héros Vorgänger als Spürnase, hatte seinen Kopf immer anderswo. Und er hat nie kapiert, „dass Trüffel was Tolles sind“, sagt Klink. Deshalb hat er auf dem Trüffelhain nichts mehr zu suchen. Auch sein Training wurde eingestellt.

Héros schnüffelt und scharrt nahe eines Haselnussstrauches auf der Trüffelplantage von Karl-Heinz ... Héros schnüffelt und scharrt nahe eines Haselnussstrauches auf der Trüffelplantage von Karl-Heinz Klink.Bilder: Wiedmann

Aber Héros sorgt für Goldgräberstimmung. Denn nicht nur im Training buddelte er die schwarzen Knollen aus. Er entdeckte bereits bei einem Kunden von Klink die ersten beiden reifen Burgundertrüffel an den Wurzeln eines Haselnussstrauches. „Das ist die Bestätigung, dass es funktionieren kann“, sagt Klink erfreut. Nicht nur mit Héros, sondern auch mit dem Trüffelanbau in der Region. „Jetzt ist die richtige Zeit für die Ernte.“ In den kühlen Herbstnächten werde der Trüffelgeschmack immer intensiver. Überhaupt: Es war ein optimaler Trüffelsommer. Warm und feucht.

Artikelbild: Karl-Heinz Klink und Héros ernteten die ersten schwarzen Knollen

Im Burgund herrsche das gleiche Klima wie in Württemberg. Es ähneln sich die Niederschlagsmengen und die Sonnenstunden. „Und das Steinlachtal ist das Epizentrum des Schwäbischen Burgunds.“

Heimische Pflanzenarten – Haselnusssträucher, Hainbuchen, Flaum-, Stein- und Zerreichen – hat der 52-Jährige bei französischen Trüffelbaumschulen gekauft und deren Saatgut mit Trüffelsporen „impfen“ lassen. Darüber berichteten wir erstmals bereits im Frühjahr. Mit hundert Pflanzen bestückte Klink seinen Trüffelhain. Der kalkhaltige Boden sei ideal für Burgunder-Trüffel mit einem pH-Wert zwischen 6,8 und 7,2. Und vom Winterfrost lassen sich die Trüffel nicht zerstören. Dann zerfallen sie zu Sporen, setzen sich an den Wurzeln ab und sorgen für ein neues Trüffelwachstum. Die meisten Edelpilze auf seiner Plantage werden vermutlich erst in zwei Jahren reif sein.

Bereits Anfang des Jahres meldete Klink ein Gewerbe als Generalimporteur französischer Trüffelpflanzen in Deutschland an. Das Geschäft laufe prima, sagt er. „Ich kann mich nicht beklagen.“ 400 bis 500 Trüffelpflanzen habe er bereits verkauft. Er findet, die Trüffelkultur könnte ein Zweig der Landwirtschaft sein – wie der Wein- oder Obstanbau. Vor allem, weil die Burgunder-Trüffel an schattigen Nordhängen wachsen, die sich für den Weinbau nicht eignen. Nun hat Klink zertifiziertes deutsches Saatgut für Rotbuchen gekauft, das in Frankreich mit Trüffelsporen geimpft wird. „Aus einem Kilo Bucheckern entstehen 700 Bäume“, erklärt der Dußlinger. Er möchte sie Forstleuten und privaten Waldbesitzern anbieten. Die Forsthochschule Rottenburg habe für ihr Aboretum bereits eine Flammeiche mit Burgundertrüffel und eine Zerreiche bestellt, berichtet er stolz

Wenn seine Trüffelkultur sieben bis zehn Jahre alt ist, erwartet Karl-Heinz Klink durchschnittlich 100 bis 400 Gramm Trüffel pro Pflanze. Bis dahin wird Héros ein perfekter Knollenjäger sein. Und der starke Geruch der reifen Trüffel wird ihn umtreiben. Wildschweine sind jedenfalls keine Gourmets. Sie mögen die Trüffel nur, wenn sie voll Eiweiß und Maden stecken.

Wenn die Trüffeladern verschwinden
Mit Trüffeln wird viel Schindluder getrieben, warnt Karl-Heinz Klink. Trüffelöle seien meist synthetisch hergestellt. Und Trüffel, die eingefroren waren, sind daran zu erkennen, dass die Adern verschwinden. Klink verarbeitet die Pilze gerne zu Trüffelbutter: Fünf Gramm Trüffeln in 0,2 Millimeter feine Scheiben hobeln, zu 50 Gramm Butter geben und zwei Stunden ziehen lassen. Sie kann portionsweise eingefroren werden.


24.11.2012 - 08:33 Uhr | geändert: 24.11.2012 - 08:41 Uhr

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