Im Rathaus gab‘s Information zur geplanten Bürgerstiftung
Als erste Gemeinde im Steinlachtal will Dußlingen eine Bürgerstiftung ins Leben rufen. Rund 30 Interessierte kamen am Dienstagabend zur ersten Informationsrunde ins Rathaus.
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Ulrich Eisele
Dußlingen. „Es ist keine Schande, reich zu sein! Es ist nur eine Schande, reich zu sterben.“ Mit diesem Slogan wirbt die Initiative Bürgerstiftungen deutschlandweit für die Idee, sein Vermögen oder Teile davon einer kommunalen Stiftung zur vermachen. Rund 2,6 Billionen Euro werden bis 2020 in Deutschland schätzungsweise vererbt. Auch in Dußlingen gibt es nach Bürgermeister Thomas Hölschs Erfahrung Personen, die nur auf die Gelegenheit warten, stiften zu gehen.
Deshalb lud er einen Experten ins Rathaus, der sich mit dem Thema näher auskennt: Hans-Ulrich Steinhilber stammt ursprünglich aus Dußlingen, war 35 Jahre lang Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales bei der Stadt Ostfildern und ist nun dort im Vorstand der 2007 gegründeten Bürgerstiftung. Die besteht aus zwölf ehrenamtlichen Personen, die wie ein Stiftungsrat fungieren, vier Vorstandsmitgliedern, und verwaltet rund 2,5 Millionen Euro Immobilienbesitz sowie 575 000 Euro Barvermögen.
Ausschließlich von den Erträgen finanziert der Fonds kleinere und größere Projekte, die nicht in Konkurrenz zu Aufgaben der Kommunalverwaltung oder bereits bestehender Vereine stehen. Das Stiftungsvermögen bleibt unangetastet. Hauptaugenmerk wird in Ostfildern auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen gerichtet. Doch die Ziele einer Bürgerstiftung können sehr verschieden sein.
Deutlich wurde dies an einem Werbefilm der Bundes-Initiative Bürgerstiftungen: Da gibt es Stiftungen, die verwahrloste Parkanlagen pflegen, Hausaufgabenhilfe für Migrantenkinder anbieten oder deren Bildungsinteresse wecken. Auch einen Bürgerstiftungs-TÜV gibt es, der bescheinigt, ob eine Stiftung gemeinnützig, transparent, überparteilich und -konfessionell ist und vertrauenswürdig mit den Geldern umgeht.
In Ostfildern, so erzählte, Hans-Ulrich Steinhilber, wurden beispielsweise Gelder für ein CVJM-Projekt ausgegeben, das Jugendlichen bei der Berufsfindung hilft. Objekt der Zuwendung ist auch ein Jugendhilfezentrum, das mit Kindern ein Mal in der Woche ein warmes Essen kocht. Auch ein Tanztheater-Stück wurde unterstützt, das Instrumentalisten und Breakdancer zusammen auf die Bühne brachten.
Bewusst keine Vorgaben will Bürgermeister Thomas Hölsch bei der Gründung einer Dußlinger Bürgerstiftung machen. Die Gemeinde spiele sozusagen nur den „Geburtshelfer“, das Engagement müsse von den Bürgern kommen. Ob da überhaupt genügend zusammen kommt, will Hölsch mit einem Formular im „Gemeindeboten“ klären. Auf diesem könnten stiftungswillige Bürger ihre Absicht bekunden, bei der Dußlinger Bürgerstiftung mitzumachen.
Gefragt ist aber nicht ausschließlich Geld. Auch sinnvolle Ideen und Mitarbeit im Beirat halten eine Stiftung in Schwung. Ganz wichtig: Man wolle nicht in Konkurrenz zu bestehenden Fördervereinen – etwa für die Schule oder fürs Gemeindepflegehaus – treten, sagte Hölsch. Die Stiftung solle auch nicht zur Finanzierung von Aufgaben dienen, die bisher aus dem Gemeindesäckel bezahlt wurden.
Im Anschluss an den Vortrag kamen eine ganze Menge organisatorischer Fragen, die Hans-Ulrich Steinhilber geduldig beantwortete: Wie viel Startkapital ist nötig? Können gestiftete Grundstücke in Geld umgewandelt werden? Geht es auch umgekehrt? Steinhilber riet den Dußlingern dazu, beherzt einen Anfang zu wagen – auch wenn am Anfang nur wenig Kapital zusammenkomme. Das steht für den erfahrenen Bürgerstifter auch nicht im Vordergrund – wichtig sei vor allem die Qualität sozialer Beziehungen, die vor Ort durch eine Bürgerstiftung gestiftet würden.
Mit gutem Beispiel ging der Referent voran. Er uns seine drei Geschwister würden jeweils 500 Euro in die neue Dußlinger Bürgerstiftung einzahlen, kündigte Hans-Ulrich Steinhilber an. Auch Bürgermeister Hölsch will sein Wahlversprechen einlösen, statt Wahlbier eine nicht genau bezifferte Summe stiften.
Bürgerstiftung – die Idee
Eine Bürgerstiftung ist eine selbstständige und unabhängige Institution zur Förderung gemeinnütziger und mildtätiger Zwecke, die einen langfristigen Vermögensaufbau betreibt, ihre Organisationsstruktur und Mittelvergabe transparent macht.
Ziel ist, einer großen Zahl von Bürgern und Bürgerinnen zu ermöglichen, spezifische Beiträge zum Gemeinwohl unter einem gemeinsamen Dach zu verfolgen. Der langfristige Aufbau des Stiftungsvermögens durch Zustiftungen sichert die finanzielle Unabhängigkeit einer Bürgerstiftung und gewährleistet die Kontinuität ihrer Arbeit.