Erste Planungsrate eines Denkmals für Zwangsarbeiter
Ein Denkmal für die Zwangsarbeiter, die 1944 auf dem Höhnisch unter unmenschlichen Bedingungen Ölschiefer abbauen mussten, fordert die Dußlinger SPD. Der Gemeinderat bewilligte bei den Haushaltsberatungen dafür eine Planungsrate von 1000 Euro.
Dußlingen. Es war eines der vielen absurden Verbrechen der Nazi-Diktatur in den letzten Kriegsmonaten: Aus heimischem Ölschiefer versuchte man ab Mitte 1943, Öl für die Treibstoff-verknappte deutsche Armee zu gewinnen. Doch die Ausbeute und Qualität waren zu gering, das Öl war allenfalls als Schmiermittel zu gebrauchen.
Ölschieferwerk Dußlingen: Diese Geschichtspfad-Tafel ist bisher die einzige Erinnerung vor Ort.Bild: Eisele
Aber dafür wurden rund 15 000 Häftlinge aus sieben Konzentrationslagern unmenschlich gequält. Mehr als 3480 Menschen starben beim „Unternehmen Wüste“ an Entkräftung oder wurden ermordet. Auf dem KZ-Friedhof Bisingen sind 1156, in Dautmergen-Schömberg 1777 von ihnen beerdigt.
Den ganzen Tag auf sie eingeschlagen
Für den Ölschieferabbau wurden entlang der Zollernbahn zehn Lager zwischen Schörzingen und Dußlingen angelegt. Mit den Tiefbauarbeiten war die Kölner Firma Krutwig beauftragt, die dafür Zwangsarbeiter aus dem elsässischen Konzentrationslager Natzweiler zugeteilt bekam.
Bewacht wurden diese von „Schutzleuten“ der Organisation Todt, einer nach militärischem Vorbild organisierten Bautruppe. „Darunter gab es anständige Leute und welche, die hatten immer einen Prügel dabei“, zitiert SPD-Gemeinderätin Renate Schelling einen Zeitzeugen. „Die haben den ganzen Tag auf die Leute eingeschlagen.“
Ältere Dußlinger erinnern sich noch an die italienische Kriegsgefangenen, die in zwei Baracken an der Robert-Wörner- und der Wilhelm-Herter-Straße hausten. Manche warfen ihnen auf dem Weg zur Arbeit oder zurück heimlich ein Brot, eine Kartoffel, einen Apfel zu. Auf dem Höhnisch mussten die Zwangsarbeiter im Tagebau auf einer 1,5 Hektar großen Fläche im Gewann „Moosäcker-Höhnisch“ den Ölschiefer abbauen und auf Loren verladen. Die brachten den Schotter auf einem extra Gleis zur Verschwelungsanlage, wo das Öl auf beheizten Eisenrosten aus dem Gestein „geschmolzen“ wurde.
Heute sind fast alle Spuren dieser Geschichte getilgt. Weite Teile des Lagers „Wüste 1“ sind überbaut. Das zuletzt noch stehende Gasentschwefelungsgebäude wurde 1996 abgerissen. Aufs Betriebsgelände der Firma Sülzle führt noch ein Gleisanschluss, auf dem einst die Loren zwischen Höhnisch und Ölschieferwerk rollten. Eine Tafel des 2004 angelegten Dußlinger Geschichtspfades im Forchenweg (Bild) verweist darauf, was einst an dieser Stelle geschehen ist.
Das sei zu wenig, um den Opfern ein würdiges Gedenken zu bewahren, meint die Dußlinger SPD-Ratsfraktion. Schließlich haben andere „Wüste“-Gemeinden wie Bisingen und Dautmergen-Schömberg längst große Gedenkstätten geschaffen, in denen man sich fundiert über dieses bedrückende Kapitel der Heimatgeschichte informieren kann. So etwas in der Art müsse es auch in Dußlingen geben – ob ein Denkmal oder eine Ort, an dem man sich informieren kann wie im Dokumentationsraum des KZ-Außenlagers Hailfingen im Tailfinger Rathaus, ließ die SPD-Fraktion offen.
Bei den Haushaltsberatungen (siehe auch die folgende Seite) beantragte die Fraktion 1000 Euro fürs Entwickeln eines Gedenkstätten-Konzepts. Über den Antrag wurde nur kurz diskutiert: Im Grundsatz finde er die Idee gut, sagte Klaus Zürn (FWV), doch befürchte er, dass ein „Gedenkstein“ im Außenbereich nur mit Graffiti beschmutzt werde. Und Frank Diez (DWV) hätte es besser gefunden, wenn die SPD zuerst eine inhaltliche Diskussion geführt hätte. Doch bei der Abstimmung erhoben sich alle Hände.
Gemeinsame DuGoNe-Gedenkstätte?
Vielleicht müsse man die Sache ja auch interkommunal anpacken, meinte Zürn. Denn Teile der Ölschieferproduktion lagen auch auf Nehrener Markung, und etliche der 739 in Dußlingen tätigen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen – die auch in den Irus- und Alb-Werken sowie in der Landwirtschaft eingesetzt wurden –, waren auch in Gomaringen untergebracht.