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Mini-Oase statt Flatterband

Dußlingen plant ästhetisch reizvollen Ort an der Steinlachburg

An der Steinlachburg herrscht noch viel Handlungsbedarf: „Parkraumparadies“ und „Viel Raum für Ideen“ wären euphemistische Ausdrücke für die Öde vor Ort. Jetzt gibt es Planungen für ein Grün in der Mitte.

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Eike Freese

Allein schon dieses Wort! „Sunk Garden“. Das klingt nach englischer Romantik. Nach kultiviertem Small Talk in der Cricket-Pause. Nach Ladys mit großen Hüten und einer Tasse Tee am abgespreizten Finger. Es klingt so gut, dass sich SPD-Gemeinderat Gerhard Iwanczuk geradezu hingerissen für die Variante 2 aussprach, als das Reutlinger Büro Dreigrün Ende vergangener Woche seine Ideen im Dußlinger Rathaus vorstellte. Deren poetischer Name: eben „Sunk Garden“. Ein kleiner Park, tiefer ins Erdreich gestaltet als die direkte Umgebung an der Steinlachburg.

Unüberdacht – und doch reizvoll fürs Publikum: Ein „Sunk Garden“ wäre eine von mehreren ... Unüberdacht – und doch reizvoll fürs Publikum: Ein „Sunk Garden“ wäre eine von mehreren Möglichkeiten für die Gestaltung des Platzes.Bild: Dreigrün

„Das klingt einfach toll“, so Ivanczuk augenzwinkernd. „Ich würde dann auch gerne einen Englischen Rasen an der Stelle sehen!“ Große Heiterkeit. „Gute Idee“, witzelte Bürgermeister Thomas Hölsch. „Sie können gerne eine Patenschaft dafür übernehmen.“

Derzeit kann von Englischem Rasen nicht die Rede sein. An der Steinlachburg sieht es aus wie Kraut und Rüben. Dort stehen Autos (nein, kein Aston Martin wurde je gesichtet), die alten Brauereigebäude sind lange abgerissen, die Villa steht noch einsam in einer Öde. Und in der Mitte des Platzes ist Raum für Gestaltung. Dort will die Gemeinde etwas Schönes hinsetzen. Schön – aber auch möglichst günstig. „Wir wollen einfach nicht, dass dort Autos parken“, so Thomas Hölsch. Und weiter: „Die einfachste Lösung wäre natürlich Flatterband. Schön ist das aber nicht.“

Drei Ideen präsentierte das beauftragte Büro Dreigrün für den bekannten Platz im Dußlinger Osten: Einen erhobenen Klein-Park, auf dem sich etwa, so ein Vorschlag, eine Boule-Bahn gut machen könnte. Der angesprochene „Sunk Garden“. Und eine eher natürliche „Landschafts“-Variante, mit einer Erhebung, Bänken und einem großen Baum. Die letzte Möglichkeit wäre wohl am kostengünstigsten, strahlt allerdings auch wenig Geselligkeit aus.

„Bei den anderen Varianten wird viel Leben stattfinden“, sagte Planer Zimmermann – und gab zu bedenken: „Sie als Gemeinderat müssen sich überlegen, ob Sie Publikum an der Stelle haben möchten.“ Mit diesen Worten war im Grunde natürlich die Frage angerissen, welches Publikum genau man sich dort vorstellen könnte. Familien? Jugendliche? Vielleicht den einen oder anderen Randalierer? „Wir müssen schauen, ob das ein Treffpunkt dort sein soll oder nicht“, sagte DWV-Rätin Antje Wellhäuser. „Und dabei auch die Anwohner einbeziehen.“ FWV-Rat Herbert Dieter stimmte ihr zu – und weitere Diskussionen kamen nicht auf. Das Vandalismus-Problem, so Zimmermann, reduziere sich mit steigender Attraktivität des Platzes für die direkten Anwohner und alle anderen Dußlinger. „Immerhin diskutieren wir hier nicht über eine überdachte Bushaltestelle“, witzelte ein Ratsmitglied, augenscheinlich mit Blick auf entsprechende Debatten im Gomaringer Gemeinderat (wir berichteten).

Schon eher war die Frage, ob nicht ein Spielplatz etwas Schönes für die Familien der Umgebung wäre. DWV-Rat Stefan Hagen sprach sich dafür aus („Das ist ein schöner Platz für Leute mit kleinen Kindern“). Das Echo war verhalten. Die künftige Kinderdichte sei dort künftig wohl nicht sehr hoch, sagte Landschaftarchitekt Zimmermann. Und Rathauschef Hölsch gab zu bedenken, dass „gerade in der Villa selbst eher mit ein paar Dinks, aber nicht mit Kinder zu rechnen“ ist. „Dinks“ heißt „Double Income No Kids“ – und meint wohlhabende Paare, die lebensstilbedingt eher in verhaltenem Maß zum Bevölkerungswachstum beitragen.

Mit den verhältnismäßig moderaten Kosten der „Sunk Garden“-Variante (rund 44 000 Euro) wird nun weitergeplant. Die Anwohner werden zur Gestaltung befragt. Im Jahr 2013 soll das kleine Grün fertig sein. In der Verwaltung wird der sehr poetische Name übrigens nicht verwendet. Dort trägt das Vorhaben noch die recht prosaische Überschrift: „Bauvorhaben Wendehammer“.

27.09.2012 - 08:30 Uhr

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