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Bürger stoppen ihre Unterschriftensammlung

Die Ambacher Mühle wird abgerissen

Der Vertrag ist geschlossen, das Unternehmen ist beauftragt. Bis Weihnachten soll die Ambacher Mühle in Dußlingen fallen. Die Abriss-Gegner stoppten am Donnerstagmittag ihre Unterschriftenaktion.

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Eike Freese

Dußlingen. Womöglich schon am Montag beginnt der Abriss der Ambacher Mühle. Am gestrigen Freitag zahlte die Gemeinde Dußlingen den Kaufpreis für das Grundstück an der Kappelstraße 22, nachdem der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend fast einstimmig Grünes Licht für die Vergabe an ein Hechinger Unternehmen gegeben hatte. Bis Weihnachten sollen die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen und abgerechnet sein. Über ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger verfolgten die Sitzung.

Wohl eines der letzten Bilder der Ambacher Mühle, direkt an der Dußlinger Steinlach. In den ... Wohl eines der letzten Bilder der Ambacher Mühle, direkt an der Dußlinger Steinlach. In den kommenden Tagen beginnt der Abriss des Gebäudes.Bild: Freese

Mit der Ambacher Mühle fällt ein Dußlinger Gebäude, dessen Geschichte bis ins 15. Jahrhundert reicht. Engagierte Dußlingerinnen und Dußlinger hatten deshalb erst Mitte November ein Bürgerbegehren gestartet, das den schnellen Abriss der Mühle verhindern sollte. Spürbar irritiert vom spontanen Bürgerwillen hatten Verwaltung und Rat eine endgültige Entscheidung auf der letzten Sitzung Mitte November vertagt, um per Kommunalaufsicht zunächst die Zulässigkeit des Bürgerwillens zu prüfen. Das Ergebnis stand erst am Donnerstag fest: das Bürgerbegehren ist trotz der Kürze der Zeit in allen Punkten in Ordnung.

In allen Punkten bis auf einen: Die Aktiven um den Architekten Bruno Müller hatten bis Donnerstagmittag 324 Unterschriften für den Erhalt der Ambacher Mühle sammeln können. Für einen folgenden Bürgerentscheid hätten sie in Dußlingen 418 Unterschriften gebraucht. Noch am Mittag setzten sie die Verwaltung davon in Kenntnis, dass sie weitere Aktivitäten einstellen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Bürgerinnen und Bürger noch nicht von der Entscheidung der Kommunalaufsicht.

Zu Beginn der Sitzung am Abend verlas Bruno Müller für die Initiative eine Stellungnahme vor dem Gemeinderat. Eine „bittere Enttäuschung“ nannte der Architekt den möglichen Abriss der Mühle. Er beklagte mangelnde Information der Bürger in der Vergangenheit. Die Aktiven hätten sich selber „in ein uns bis dahin völlig fremdes Verfahren geschubst“. Müller mahnte künftig mehr Transparenz in den Entscheidungen der Gemeinde an und schlug Initiativen für mehr Bürgerbeteiligung vor. Er monierte eine E-Mail aus Kreisen des Gemeinderats, die von einer Unterschrift unter das Begehren abgeraten hätten. Hier „fehlten das Verständnis und der nötige Respekt für dieses legitime Verfahren“, so Müller vor dem Gemeinderat. In seinen Augen seien schnelle wirtschaftlich orientierte Entscheidungen getroffen worden, ohne die emotionale Verbundenheit der Dußlinger mit der Mühle und ihre mögliche kulturelle Bedeutung im Bürgerdialog zu prüfen. Jüngst hatte Müller dem TAGBLATT gegenüber zudem betont, dass das Bürgerbegehren selbst nur angesichts des Kaufs der Gemeinde im November stattfinden konnte – früher, sagte Müller vor Tagesfrist, hätte die Aktion in seinen Augen also gar nicht starten können.

Bürgermeister Thomas Hölsch verteidigte das Vorgehen im Rathaus. Für „interessierte Bürger“ sei es stets möglich gewesen, in der Presse, im Gemeindeblatt oder im Kontakt mit dem Rat die Pläne für die Zukunft der Mühle zu verfolgen. „Dußlingen muss sich nicht verstecken im Vergleich mit anderen Gemeinden, was die Öffentlichkeitsarbeit angeht“, so Hölsch. „Und nebenbei bemerkt gibt es auch eine Bürgerpflicht, sich mit aktuellen Entwicklungen zu beschäftigen.“

Im Rat selbst entstand nur wenig Diskussion über die vergangenen Monate. DWV-Rätin Antje Wellhäuser schlug vor, zumindest einzelne Teile des Mühlen-Interieurs, vor allem alte Mühlen-Technik, vor dem Bagger zu bewahren. Ob das möglich ist, ist fraglich. Allenfalls „Fragmente“, so Kämmerer Fritz Rall, könnte die Gemeinde an sich nehmen und an einem noch unbestimmten Ort lagern. Skepsis im Rat: „Wenn es dem Gemüt gut tut“, sagte FWV-Sprecher Klaus Zürn betont nüchtern, „lagern wir halt etwas ein für die nächsten hundert Jahre.“

Auch Mitglieder der Erbengemeinschaft der Mühle verfolgten die Sitzung am Donnerstagabend. Jahrelang hatte die Gruppe keinen geeigneten Käufer für das Grundstück in prominenter Lage finden können – weder zur Nutzung des Bestehenden, noch für eine andere Bebauung. Hölsch wiederholte am Abend sein Argument, dass dies trotz Aussicht auf hohe Sanierungsförderung ausblieb. Gegenüber dem TAGBLATT hatten Dußlinger Räte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass das Gremium selbst in jüngster Zeit auch hinter verschlossenen Türen einen möglichen Abriss nie infrage gestellt hatte. Auch SPD-Rätin Renate Schelling, selbst befangen aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen zur Erbengemeinschaft, sagte: „Ich bin nicht dafür bekannt, die kulturellen Schätze Dußlingens einfach so zu übergehen. Aber über die Zukunft dieser Mühle haben wir jetzt wirklich nicht mehr diskutiert.“

Müller: „Wir alle könnten gemeinsam davon profitieren“
Architekt Bruno Müller, der seit Anfang November für den Erhalt der Ambacher Mühle spricht, forderte angesichts der etwas hektisch-diffusen Unsicherheiten der vergangenen Wochen neue Impulse für kompetente und engagierte Bürgerbeteiligung im Ort. Nachdem die Aktiven von ihrer Forderung nach Erhalt der Ambacher Mühle zurückgetreten seien, sei etwa ein „Informationsabend oder -nachmittag“ mit Referaten und Workshops zum Thema Bürgerbeteiligung sinnvoll, um künftige Beiträge aus der Bürgerschaft frühzeitig zu stützen und zu stärken. „Wir alle könnten gemeinsam davon profitieren“, so Müller am Donnerstag vor dem Gemeinderat.


01.12.2012 - 08:30 Uhr

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