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Mördchen fürs Örtchen

Beim Krimitag wurde Dußlingen zum „Tatort“

Mordsmäßig kriminell ging es in der Dußlinger Mediothek zu: Kriminalautoren aus dem Ländle lasen anlässlich des ersten vom Autorennetzwerk „Syndikat“ organisierten Krimitags aus ihren Werken.

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amancay Kappeller
Kurzkrimis für Geschäftige: Bei der Kriminacht in der Dußlinger Mediathek las die Autorin ... Kurzkrimis für Geschäftige: Bei der Kriminacht in der Dußlinger Mediathek las die Autorin Silvija Hinzmann.Bild: Franke

Dußlingen. Über 600 Krimiautorinnen und -autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören dem „Syndikat“ an. Drei Autoren dieses Zusammenschlusses lasen am Donnerstagabend beim Krimitag in der Dußlinger Mediothek aus ihren aktuellen Werken. „Krimi-Blues“, so das Motto der Veranstaltung, zu der rund 60 interessierte Zuhörer/innen kamen.

Schwabenkrimi-Autor Veit Müller führte durchs Programm. Den 8. Dezember habe man als Krimitag bestimmt, weil dies der Todestag von Friedrich Glauser sei, erklärte der Tübinger Journalist: Glauser (1896 bis 1938) gilt als Vater des deutschsprachigen Kriminalromans. Krimi-Lesungen und -Diskussionen fanden außer in Dußlingen parallel noch in zehn anderen (Groß-)Städten statt. „Trotz jeder Menge Mord und Totschlags ist der Kriminalroman immer noch sehr lebendig“, so Müller in seiner Einleitung.

Silvija Hinzmann, 55 Jahre, betrat als erste die Krimi-Bühne. Die gebürtige Kroatin, die seit 1970 in Stuttgart lebt und arbeitet, gab die von ihr verfasste Episode „Ach Wien…“ aus der Anthologie „Mördchen fürs Örtchen: Kurzkrimis für Geschäftige“ zum Besten. In dieser mörderischen Mini-Geschichte bekommt es der hobbykriminelle Ich-Erzähler vor malerischer Wiener Fiaker- und Kaffeehaus-Kulisse eher zufällig und aus reiner Neugier mit einem Räuberpärchen zu tun. Gerichts-Dolmetscherin Hinzmann trug ihren Kurzkrimi mit echtem Wiener Schmäh vor – den aufmerksamen Zuhörern gefiel’s.

Veit Müller las anschließend aus seinem neuen Kriminalroman „Tübinger Blues“. Das Auditorium lauschte dem fesselnden Vortrag des 59-Jährigen gebannt. In seinem jüngsten Werk ermittelt Lokaljournalist Luka Blum zum vierten Mal. Es geht um einen brutalen Mord am Pfeifferstein im Schönbuch bei Bebenhausen, außerdem um einen Mann, der von der Blauen Brücke in Tübingen auf die Gleise zu Tode stürzt – Lesarten des Blutvergießens mit Lokalbezug.

Müller, gebürtiger Pfälzer, der seit Jahrzehnten im Ländle lebt, präsentierte einen spannenden Abschnitt vom Anfang seines Romans: Frau und Mann, die sich übers Internet kennengelernt haben, treffen sich im „finsteren Tann“. Anders als in herkömmlichen „Schauergeschichten“ scheint dieses Mal aber die Frau „der“ Bösewicht zu sein: Sie lockt den Mann tief in den Wald, wo er über ein steinernes Kreuz mit der Aufschrift „Mordplatz“ stolpert. An der spannendsten Stelle unterbrach Müller folgerichtig die Lesung.

Vor, zwischen und nach den Lesungen spielte und sang der Tübinger Musiker Jürgen Sturm in Begleitung von Mary Jane (Cajon) zur Begeisterung der Gäste bekannte Rock- und Bluessongs. Ganz besonders gefielen „Hymn“ (Barclay James Harvest), Hotel California (The Eagles) und die Zugabe „Let it be“ (Beatles), bei der auch Veit Müller mitsang.

Den dritten Schwabenkrimi, „Eisblume“, stellte die 41-jährige Sybille Baecker vor – wie die beiden anderen Vorleser des Abends keine „echte“ Schwäbin, sondern „Reigschmeckte“. In „Eisblume“ ermittelt der Tübinger Kommissar und Whiskyliebhaber Andreas Brander bereits zum dritten Mal. Ein junger Südafrikaner wird in der Universitätsstadt zusammen geschlagen und stirbt. Hat die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund? Der Kriminalroman der Wahl-Ammerbucherin: Nicht nur spannend, sondern auch brandaktuell.

12.12.2011 - 08:30 Uhr

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