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Die Älteren sind weg

So mancher spürt den Verlust der Hauptschule in Dettenhausen

Was bedeutet es, wenn eine Hauptschule auf dem Dorf schließt? Dettenhausen hatte nun ein Jahr Zeit, mit den Folgen zurechtzukommen.

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Mario Beisswenger

Dettenhausen. An der Schönbuchschule selbst sind die Folgen am heftigsten zu spüren. Die Dettenhäuser Schule ist nun seit einem Jahr eine reine Grundschule (siehe „Die letzten Jahre als Hauptschule“). Die Schule nutzte die Zeit, um sich in Arbeitsgruppen von Lehrern, Schulamt, Eltern und Ortsverwaltung über die neue Rolle klar zu werden. Im Sommer legte Rektorin Karin Zimmermann das Konzept dem Gemeinderat vor.

In der Dettenhäuser Grundschule lassen sich mit den rund 200 Kindern noch immer schöne Feste ... In der Dettenhäuser Grundschule lassen sich mit den rund 200 Kindern noch immer schöne Feste feiern, wie im Juli mit dem Thema Olympiade.Bild: Schönbuchschule

Neben dem pädagogischen Ertrag fand sich auch die Lehrerschaft neu zusammen. „Das war die Chance für uns, uns als Kollegium neu zu entdecken“, sagt Zimmermann. Die Jahre zuvor ging es viel zu oft nur darum, wer aus der Lehrerschaft nun gehen soll. „Eine der ersten Amtshandlungen als Rektorin war, über Versetzungen zu entscheiden.“

Zimmermann nennt einige Folgen, wenn eine Hauptschule nicht mehr am Ort ist. Vereine, speziell der Sportverein, hätten größere Probleme, Nachwuchs zu gewinnen. Einige Handwerksbetriebe würden wohl auch vermissen, dass der rührige Verein „Bürger für Bürger“ ihnen keine Praktikanten mehr aus dem Dorf vermittelt. Der Kontakt von älteren und jüngeren Schülern fehlt der Rektorin besonders. „Ich kann den Vierern auch nicht mehr zeigen, was Hauptschüler lernen.“

Ein Problem könnte ihrer Einschätzung nach werden, dass die Sozialarbeit mit Jugendlichen nicht mehr so leicht an ihre Zielgruppe heran kommt. Wenn die von Schulen außerhalb wieder nach Dettenhausen kommen, „wissen wir nicht mehr, was die so treiben“.

Dieses Problem sieht auch Bürgermeister Thomas Engesser. Die Sozialarbeit mit Jugendlichen müsse sicher neu aufgestellt werden. Ansonsten analysiert er die Lage ohne Hauptschule nüchtern. Die Entscheidung sei schon vor seinem Amtsantritt gefallen.

Einen „Teileinschnitt“ bedeute der Verlust für Vereine und Handwerksbetriebe, so Engesser. Die Schule fehle sicher als Standortfaktor. „Aber eine Hauptschule mit zu wenig Kindern macht keinen Sinn mehr.“ Es sei ja nicht nur die demografische Entwicklung. Die Eltern hätten sich auch einfach von der Hauptschule abgewandt. Wolfgang Motzer, befragt über die Folgen der Hauptschul-Schließung als Gemeinderat und Handwerksmeister, glaubt nicht, „dass es in Dettenhausen wirklich zu spüren ist“. Versucht habe es ja der Rat mit der angedachten Kooperation mit Steinenbronn und Waldenbuch, wenigstens die Schule zum Teil zu halten.

Die Bewerber-Situation auf seine Lehrstelle sei für ihn als Fensterbauer nicht schlechter geworden. Sein Handwerk sei ein Nischenberuf, für den viel geworben werden müsse. Eine Anfrage bei der Personalabteilung der Rittergruppe (Ritter Solar, RNO) brachte das Ergebnis, dass sie für die Ausbildung als Industriekaufmann ohnehin nur Realschüler akzeptieren.

In Bony’s Frischmarkt im Dorfzentrum wurde registriert, dass der Kochunterricht eingestellt wurde. Sonst sei der Wegfall der Hauptschule nicht so aufgefallen, meint Claudia Häßler. „Ihren Schleck kaufen die Kinder immer noch.“

Gary Ruckaberle, Vorsitzender der Schaichtal-Schützen, hat den Wegfall der Hauptschule immerhin wahrgenommen. „Eine Ansprechstelle fällt weg.“ Projekttage seien nun nicht mehr möglich. Seine Einschätzung: „Grundsätzlich ist die Schule für jeden Verein, der nach Nachwuchs schaut, der Hauptansprechpartner.“

Die letzten Jahre als Hauptschule
Im Sommer 2011 gingen die letzten Neuntklässler von der Schönbuchschule in Dettenhausen ab. Es waren nur noch sieben Schüler. Zuvor zählte die Schule oft mehr als 300 Kinder, zwei oder drei Züge füllten die Grundschule, die Hauptschule war einzügig.
2007/08 gab es die erste jahrgangsübergreifende Klasse für die Fünfer und Sechser. Zuvor hatte es die Schulverwaltung gebilligt, wenn auch mal die Mindestschülerzahl von 16 unterschritten wurde. Nun aber wurde sie streng gehandhabt. 2008/09 wurde dann die Sechste, Siebte und Achte zusammen unterrichtet. Eine fünfte Klasse kam jedoch nicht mehr zustande. Schließlich beschloss Ende 2009 die Schulkonferenz, die Hauptschule in Dettenhausen aufzugeben. Das Kollegium schrumpfte von 24 auf zwölf Personen.


22.09.2012 - 08:30 Uhr

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