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100 Jahre Heinz Fischer KG

Die Tüftler in der alten Mühle

Als 1911 die Schönbuchbahn nach Dettenhausen kam, witterte der junge Flaschner Christian Fischer seine Chance: 1912 kaufte er die Alte Mühle im Schaichtal – nun hatte er nicht nur Anschluss an die Märkte, sondern auch Strom für seine Blechner-Werkstatt. 100 Jahre später ist aus dem Familienbetrieb eine florierende Firma geworden – für maßgefertigte Filter aller Art.

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Martin Mayer

Dettenhausen. Die Chronik der Heinz Fischer KG steht für 100 Jahre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Schönbuch-Dorfes Dettenhausen. Die Geschichte des Firmengründers Christian Fischer – des ältesten Sohnes des mit elf Kindern gesegneten „Königlichen Straßenwärters“ gleichen Namens – beginnt in kargen Verhältnissen. Sein Handwerksbetrieb, zunächst zusammen mit einem Bruder gegründet, wird durch Fleiß, Findigkeit und durch Kontakte zum Autobauer Daimler zu einer Mittelstandsfirma, die sich heute „in der Hightech-Branche“ behauptet.

Aus dem Flaschner-Betrieb, der vor 100 Jahren am gleichen Ort begann, entwickelte sich mit der ... Aus dem Flaschner-Betrieb, der vor 100 Jahren am gleichen Ort begann, entwickelte sich mit der Heinz Fischer KG ein Fabrikant für Hightech-Filter aller Art: Frank Gumpinger (links) und Matthias Maier bei der Bestückung eines Kanalfilters mit Taschenfilter-Einsätzen. Bilder: Metz

„Unsere Kunden sind typische Hightech-Firmen“, sagt Heinz-Christian Fischer, der das Unternehmen seit 1994 führt. Der einstige Fertigungsbetrieb für Flaschnerartikel, der Ende der 20er-Jahre zum „Preß- und Stanzwerk“ wurde und Karosserieteile für Daimler und Bosch produzierte, spezialisierte sich nach „einem Impuls von außen“ auf Filteranlagen. Auch dabei war Daimler mit im Spiel. Heinz Fischer, der Sohn des Firmengründers, leitete die Spezialisierung mit Innenraum-Filtern für Autos ein. Und er machte daraus, wie sein Sohn Heinz-Christian sagt, „ein eigenständiges Programm“.

Familienfirma in der dritten und vierten Generation: Heinz-Christian Fischer (rechts) und Tochter ... Familienfirma in der dritten und vierten Generation: Heinz-Christian Fischer (rechts) und Tochter Franziska vor der Alten Mühle, dem Stammhaus der Firma.

Als der Vater 1990 nach einen Schlaganfall plötzlich starb, führte Heinz-Christian Fischer die Firma zusammen mit seiner Schwester Rosemarie Fischer-Zommernig weiter. Die Geschwister änderten 1991 den Firmennamen in „Heinz Fischer KG“, denn ein „Preß- und Stanzwerk“ war die Firma mit ihren Luftfilter-Komponenten nicht mehr. Ende 1993 schied die Schwester aus dem Unternehmen aus.

Klimatechnik für Busse, Bahnen und Büros

In den 90er-Jahren wurde die Produktion modernisiert. Die Firma stellte auf zukunftsweisende Techniken und Materialien um. Heute ist sie „Auftragsfertiger“ von Filteranlagen für Maschinenbau- und Anlagentechnik, für Haustechnik und Wohnungskomfort. Die Fischer KG produziert Luftfilter für Industriebetriebe, Spezialfilter für Krankenhäuser oder für die Herstellung von Arzneimitteln und Chemieprodukten. Auch die Luft und das Klima in Bussen, Bahnen, Bürogebäuden helfen Fischers Filter zu verbessern. Und mit der Klimatechnik für Passiv- und Niedrigenergiehäuser erschloss sich der Firma „ein neuer Markt“. „Wir liefern maßgeschneiderte Nischenprodukte“, erklärt Heinz-Christian Fischer. Im Vergleich zu Vater und Großvater sieht er sich „weniger als Tüftler“: Er sei eher ein „technisch angehauchter Vertriebsspezialist“.

„Etwas über 50 Beschäftigte“ hat die Heinz Fischer KG heute an den beiden Standorten Dettenhausen und Clausthal-Zellerfeld im Harz. Über Umsatzzahlen will der Geschäftsführer auch im Jahr des Jubiläums „nicht so gern reden“ – wie so viele Mittelständler. Er sagt nur: „Wir sind zufrieden“. Die Firma arbeitet vorwiegend für deutsche und europäische Partner. Neue Kunden im ferneren Ausland wie in Mexico, Indien oder Israel seien ihr eher über die „Global Players“ unter ihren bisherigen Auftraggebern zugewachsen.

Mit dem Auftragsvolumen wuchs auch der Platzbedarf. Mitte der 60er-Jahre wurden zwei neue Produktionshallen östlich der Alten Mühle ins Dettenhäuser Schaichtal gebaut. Um die gleiche Zeit kaufte Heinz Fischer eine fast neue Fabrikanlage in Clausthal-Zellerfeld – um den norddeutschen Markt besser zu erschließen. „Die Aussicht auf Zonenrandförderung erleichterten die Entscheidung, dort eine Schwesterfirma zu gründen“, heißt es in der Firmen-Chronik.

Prämierte Halle in rostrotem Stahlmantel

Mittelpunkt der Firma aber blieb bis heute die Alte Mühle im Dettenhäuser Schaichtal, die „Keimzelle des Unternehmens“. Die hatte Firmengründer Christian Fischer zusammen mit seinem Bruder Wilhelm 1912 für 10 000 Goldmark gekauft. Hier wurden mit Hilfe der Brüder und der Ersparnisse der Schwestern die ersten Maschinen angeschafft und die ersten Großaufträge der Bahn und für die Daimler-Benz-Werke abgewickelt. Hier wurde nach den beiden Weltkriegen mit den Mitarbeitern aus Dettenhausen, Walddorfhäslach, Kirchentellinsfurt und Tübingen neu durchgestartet.

Und hier wurde 2007 auch die so dringend benötigte neue Produktionshalle platziert. Die mit eingefrästen Ornamenten versehene rostrote Stahlfassade und das 40 Meter lange Panoramafenster an der Südfront der Werkhalle zum Mühlbach hin machte die Heinz Fischer KG über die Luftfilter-Branche hinaus bekannt. Die Architektur des gut 1000 Quadratmeter umfassenden Industriebaus wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Trotz aller Hightech-Zwänge ist die Firma an ihrem „Stammhaus“ im Schaichtal geblieben. Auch eines ihrer ersten Erfolgsprodukte hat sie weiterhin im Programm: „Die alten Filter für die Oldtimer und die Daimler-Klassiker“, sagt Heinz-Christian Fischer, „die liefern wir immer noch.“

05.09.2012 - 08:30 Uhr

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