Das Dettenhäuser Feuerwehr-Konzept zur Stärkung des Ehrenamts, das bundesweit für Aufsehen sorgte, hat die Dettenhäuser Feuerwehr jetzt zur EU nach Brüssel gebracht: Beim Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten vertraten sie vor EU-Gästen die Feuerwehren des Landes.
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Vertraten die baden-württembergische Feuerwehr vor EU-Gästen des Landes in Brüssel (von links): Landesbranddirektor Hermann Schröder, die Dettenhäuser Feuerwehrleute Michael Burkhardt, Martin Bauer, Tina Marquardt, Walter Pfeiffer, Heiko Mögle und Albrecht Schmid sowie Frank Knödler, der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands.
Brüssel / Dettenhausen. Die vom Dettenhäuser Gemeinderat bekräftigte Auffassung, dass der freiwillige Dienst bei der Feuerwehr mehr Wertschätzung verdient und mit einem Konzept zur Stärkung des Ehrenamts gewürdigt werden sollte, hatte 2008/2009 bundesweit Furore gemacht (wir berichteten). Nicht alle Vergünstigungen, die der Gemeinderat damals den örtlichen Feuerwehrleuten zugutekommen lassen wollte, konnten vom Tübinger Landratsamt zugelassen werden – doch Beifall bekam das (unter anderem vom damaligen Dettenhäuser Feuerwehr-Kommandanten Walter Pfeiffer mit ausgearbeitete) Konzept ringsum.
„In zehn Minuten zur Stelle“: Der Dettenhäuser Ehren-Kommandant Walter Pfeiffer (rechts) erklärte den Gästen von Ministerpräsident Stefan Mappus (Mitte) in Brüssel die Vielseitigkeit und die Einsatzkonzepte der Freiwilligen Feuerwehr.
Daran erinnerte sich offenbar Landesbranddirektor Hermann Schröder, als er mit der Vorbereitung des Neujahrsempfangs des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und dessen Minister für Bundes- und Europa-Angelegenheiten befasst war. Der Empfang in der Ständigen Landesvertretung in Brüssel sollte 2011 als Auftakt zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ ganz im Zeichen des ehrenamtlichen Engagements stehen. Schröder lud neben der Jugendfeuerwehr Karlsruhe die Dettenhäuser Wehrleute ein, die Feuerwehren des Landes in Brüssel zu vertreten. Mit ihrem Ehrenamts-Konzept gilt die Dettenhäuser Löschtruppe als vorbildlich.
Bei dem Empfang am Abend des vergangenen Mittwoch, 26. Januar, präsentierte der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Georg Wacker (Staatssekretär im Kultusministerium), das baden-württembergische Feuerwehrwesen als eines von drei „hochkarätigen Beispielen“ der Ehrenamts-Arbeit im Land. Während die Karlsruher Jugendfeuerwehr ihr bundesweit beachtetes Nachwuchs-Konzept vorstellte, erläuterte Dettenhausens Ehrenkomandant Walter Pfeiffer, wie es die Feuerwehren im Land schaffen, „in zehn Minuten zur Stelle“ zu sein.
Die freiwilligen Feuerwehrleute (landesweit immerhin 110 000 Frauen und Männer, dazu 1900 Hauptamtliche) erledigen eine „gesetzliche Pflichtaufgabe – wie es ausdrücklich im Dettenhäuser Feuerwehr-Konzept heißt: „die einzige gesetzliche Pflichtaufgabe in Deutschland, die durch Freiwillige geleistet wird“. „Eine kostengünstigere und effektivere Lösung gibt es nicht“, heißt es dort. Dettenhausens Walter Pfeiffer schilderte den Brüsseler Empfangsgästen von Ministerpräsident Stefan Mappus, wie die Feuerwehr-Freiwilligen in den 1108 Gemeinden des Landes vom ersten Alarm bis zum Eintreffen am Brand- oder Unfallort (re-)agieren.
Pfeiffers Dettenhäuser Feuerwehr-Kollegen Tina Marquardt, Michael Burkhardt, Heiko Mögle, Albrecht Schmid und Martin Bauer illustrierten die Power-Point-Präsentation ihres Ehrenkommandanten zur Freude der rund 500 Gäste mit realitätsnahen Inszenierungen. Sie warfen sich minutenschnell in ihre Ausrüstung, griffen zu Kettensäge oder Löschinstrumenten und kamen binnen der vorgeschriebenen Zehn-Minuten-Frist mit Strahlenschutzanzug, Chemieschutzanzug, in Schnittschutzkleidung oder unter einer Wärmeschutzhaube zum Hilfseinsatz. Pfeiffer und seine Kollegen demonstrierten die Vielfalt der Hilfsaktionen vom Einsatz bei Bränden oder bei Sturmschäden bis hin zur Unfallrettung, zum Einsatz als Chemie- oder Strahlenschutzwehr oder bis hin zum Einsätzen, um Tiere zu retten.
Am Ende überreichten sie den Gästen Schwarzwälder Pralinen mit der Aufschrift 112. Damit wollten sie auf den Tag des europäischen Notrufs am 11. Februar 2011 hinweisen.
Ministerpräsident Stefan Mappus hatte den Feuerwehrleuten schon im Vorfeld des Empfangs für ihre Einsatzbereitschaft gedankt: „Ich habe großen Respekt vor allen, die sich ehrenamtlich aktiv in unsere Gesellschaft einbringen“, erklärte er. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Menschen in ihrer Freizeit unentgeltlich für andere einsetzen.“ – Eine Führung durch die europäischen Parlamentsgebäude rundete am Folgetag den Brüsseler Einsatz der Dettenhäuser Feuerwehr ab.