Glück gehabt. Musik und Dichter, Wetter, Wort und Ort – alles war gut beim zweiten Bodelshäuser Lesegarten am Samstagabend.
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Bodelshausen. Obstgarten-Literatur-Salon in der Kalkofenstraße. Ein Dichter aus der Großstadt ist in die Gemeinde gekommen. Timo Brunke, der in Stuttgart lebt. Dort und anderswo als Vortragskünstler bekannt ist. Stichwort Slam Poetry. Jetzt aber unter der Treppe steht, die hoch führt zur Terrasse mit dem Hohenzollernblick, gegenüber von dem Apfelbaum im Garten von Renate und Eckhard Merkel. Dorthin hat das Forum eingeladen. Dessen Leiterin Sabine Engeser begrüßt die Köpfe zwischen den 140 Ohren, die dem Ruf gefolgt sind.
Er silbt und zilpzalpt: Timo Brunke im Bodelshäuser Lesegarten.Bild: Franke
Sie erläutert das, was der Sprecher tun wird, seine Form, die von ihm geschaffene Poesie zu Gehör zu machen. Eine, bei der des Menschen Möglichkeit zur Mündlichkeit im Mittelpunkt steht. Brunke, ein Mann, der dem Augenblick den Ohrenblick beigeselle, Literatur zur Lauteratur werden lasse. Spannend.
Dazu der Merkelsche Garten: Objekte aus bayrischen Glashütten oder vom Breisacher Keramikmarkt sind zu bewundern, Figuren aus Schwemmholz der Isar, eine Offizierskiste, bestückt mit Pflanzen. Dazu Musik der Sonderklasse. Ricarda Oehl und Rebecca Schmidt traten mit ihren Querflöten in eine schöne Beziehung miteinander, indem sie Stücke von Mozart, Romberg, Cambini und Frank Michael spielten.
Besondere Bühne für Timo Brunke. Der Mann, der die Glocken bimmeln lassen kann. Die Glockenspiele des Kölner Doms, der Kathedralen von Chartres und Mailand, der Wurmlinger Kapelle silbt er summend nach. Entfaltet Vortragsarten im Lesegarten, die man selten antrifft. Ein Gang durch die Fußgängerzone, eine Menge Worte wälzt sich, gereimt aneinanderhängend, übers Pflaster. Ein kleiner Satz bleibt in der Muschel hängen. „Lasst uns Menschen werden!“ Und „Was glotzen wir so romantisch, während der Fortschritt seine Füße frisst!“
Er bringt Jakob van Hoddis’ „Weltende“ und seinen Birnbäumchenansiedlungsversuch zusammen, fängt – im Hörsaal auf dem Kopf stehend – an, mit dem Bahnhof zu reden, den er in der Physikvorlesung verstanden hat. Eine „Schwäbische Mignon“ lässt er auftreten und den Keltenkönig Holbo, der irgendwo von der Archäologie-Studentin Uli ausgegraben wird. Irrwitzigt eine sägende Ritze-Ratze-Ursonate aus sich heraus. Huldigt seinem Lieblingspoeten Oskar Pastior, dem Experimentator, „Oskar passt ins Ohr“. Ein inniger Pastioral-Verkehr.
Es gelingt ihm auch, einen Dia-Abend in fünf Teilen in die Luft zu zaubern, ohne Apparat wohlgemerkt. Nur aus Worten. Man sieht sie aber förmlich vor sich, die Fotoserie: Ein Suppenwürfel im Grand Canyon. Ausgehend von der Frage, ob er denn eigentlich einen Vogel habe, silbt er sich durch die Gefiederwelt, zilpzalpt, zwitschert und zicküthet. Worauf er ein sehr langes Gedicht an die Dauer der Liebe hirnlich hervorholt. Wo der Boden Waldeslust verspürt. Verführerisch, sich ihm zu überlassen. Allerdings ist jede Lade, die er aufzieht, doppelbödig. jon
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