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Handel fürchtet steigende Kosten

Podiumsdiskussion mit Finanzminister Nils Schmid bei Marc Cain

„Ist die Energiewende wirtschaftlich?“ Um diese Frage ging es am Mittwoch beim Jahrestreffen des Handelsverbandes Baden-Württemberg. Im Firmengebäude von Marc Cain diskutierten fünf Unternehmer mit Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid über die Auswirkungen der Energiewende auf den Handel.

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Susanne Mutschler
Steffen Jost Steffen Jost

Bodelshausen. Ort der Begegnung war die elegante Empfangshalle der international agierenden Bodelshäuser Modefirma Marc Cain. Chef Helmut Schlotterer, Gastgeber und Podiumsteilnehmer, kannte den baden-württembergischen Finanzminister Nils Schmid schon seit einer gemeinsamen Südamerikareise. Er hoffe in Brasilien – ähnlich wie bereits in China und Russland – auf einen künftigen Exportmarkt. „Wir kreieren ein Produkt, das Begehrlichkeit erzeugt“, sagte er selbstbewusst. Die neueste Marc Cain-Stricktechnologie mache es beispielsweise möglich, komplette Kleidungsstücke ohne Nähte zu produzieren, was die bisherige Endkonfektion in Rumänien erübrige.

Rudolf Pütz Rudolf Pütz

Mit ihm auf der Bühne saßen Rudolf Pütz von der Möbelfirma Vitra in Weil am Rhein, Detlev Weiler, aus Offenburg, Vorstand von Edeka, und Steffen Jost, Modehändler aus Bruchsal – Edda Markeli vom Südwestrundfunk moderierte. Rund 280 geladene Gäste verfolgten die Debatte aufmerksam. Dabei halfen ihnen die ausgelegten Kopfhörer, denn die Akustik in dem in Glas, Stahl und Weiß schimmernden Produktionskomplex hinkt dem futuristischen High-Tech-Design noch hinterher.

Nils Schmid Nils Schmid

In seiner Begrüßungsansprache lobte Horst Lenk, Präsident des Handelsverbandes Baden-Württemberg, die attraktiven Räumlichkeiten als „repräsentatives Headquarter“. Sogar die Feuerlöscher seien blendend weiß, stellte er fest. Von der Entwicklung der Energiekosten war Lenk weniger begeistert. Die Politik der Energiewende treffe den Handel besonders, fürchtete er. Das neue Gesetz für erneuerbare Energien (EEG) erlege den Einzelhändlern nicht nur Gebührensteigerungen auf. Sie hätten außerdem Einbußen im Verkauf hinzunehmen, weil den privaten Haushalten durch die höheren Energiekosten weniger Geld zum Ausgeben bleibe.

H. Schlotterer H. Schlotterer

Das aktuelle Konsumklima allerdings fand er „erstaunlich stabil“: „Die Verbraucher legen wenig zurück und gönnen sich was.“ Als weitere Belastung nannte er die Rundfunkgebühren, die im Rundfunkstaatsvertrag von 2013 an „um ein Vielfaches anwachsen“ werden. Einen solchen „Gebührenwucher“ werde „sich der Handel mit Sicherheit nicht gefallen lassen“. Eben so wenig werde der Handelsverband eine City-Maut akzeptieren. Damit konterkariere man das Konzept der Innenstadtentwicklung und treibe die Menschen zwangsläufig in Einkaufszentren am Stadtrand.

Detlev Weiler Detlev Weiler

„Der deutsche Staat hat kein Einnahmeproblem“, begründete der Handelsverbandschef seine Ausführungen. Finanzminister Schmid hielt ihm die finanziellen „Sünden der Vergangenheit“ dagegen, deren „strukturelle Defizite“ erst einmal beglichen werden müssten. Er lobte die „inhabergeführten Zentren“ mit ihrem „Bekenntnis zur Heimatregion“ als die „Wirtschaftsmacht von nebenan“. „Wir müssen gemeinsam durch die Energiewende hindurch“, betonte er. „Die Prognosen bei der Strompreisentwicklung divergieren noch stark“, versuchte er die Sorgen des Handels zu beschwichtigen. Die Ausnahmeregelungen, die besonders energieintensive Betriebe – zu denen die Einzelhändler nicht gehören – von der EEG-Umlage freistellen, werde man „noch einmal auf den Prüfstand stellen“, versprach er. Im Übrigen verwies er auf die Preiskontrollfunktion durch ein „Energie-Monitoring“. Vom gestern begonnenen Klimagipfel erhoffte er sich einen „Masterplan“, der „in einem Guss“ für alle Bundesländer gelten werde. Auf Versorgungsgewissheit und Bezahlbarkeit sei Baden-Württembergs „beneidenswert gute“ Wirtschaft „in jeder Sekunde“ angewiesen, äußerte er, deshalb werde die Grundlast über Gas- und Kohlekraftwerke gesichert. An der Technologie für Speicherkapazitäten für erneuerbare Energien werde „mit Hochdruck“ gearbeitet. Den „Horror vor einem Stromausfall“ konnte er seinen Zuhörern damit nicht völlig nehmen. Im Lebensmittelbereich wäre das „der Ruin der Einzelhändler“, sagte ein Gast.

Die weiteren Themen kreisten um die firmeninterne Energiespartechnologie, wobei sich Marc Cain auf dem neuesten Stand präsentierte. LED-Beleuchtungssysteme sind auch in Josts Modehäusern Standard, bei Vitra setzt man auf Fotovoltaik und Geothermie. Bei Edeka-Neubauten achtet man auf Greenbuilding, Geothermie und betreibt sogar ein eigenes Lichtstudio, um die LED-Ausleuchtung der Waren im Supermarkt zu optimieren. Kritik ging dagegen an den „Förderdschungel“, der die Anträge von mittelständischen Unternehmen unnötig verkompliziere. Als Wünsche nahm der Minister eine Abwrackprämie für energiefressende Maschinen und Fördermittel für energiesparendes Dämmen beim Umbauen von Firmengebäuden mit. Bilder: Marc Cain / Handelsverband

03.11.2012 - 08:30 Uhr

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