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CDU im Schwabenalter

Ortsverband Bodelshausen feierte mit Erwin Teufel

Seit 40 Jahren gibt es den CDU-Gemeindeverband Bodelshausen. Das Jubiläum wurde am Samstag im Gasthaus Hirsch gefeiert. Höhepunkt war ein Vortrag des ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, der betonte, dass er an der Selbstständigkeit des Ortes nicht ganz unschuldig sei.

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Bodelshausen. Gemeindeverbands-Vorsitzender Walter Gutbrod führte durchs Programm. Und Karl-Heinz Arnold spannte den Bogen von 1945 bis 2012. Er präsentierte Streiflichter aus 67 Jahren persönlicher CDU-Geschichte: Vater Albert Arnold war Gründungsmitglied der CDU; der Sohn fand im Nachlass einen Mitgliedsausweis vom September 1945 – ein Dokument von historischem Wert. Arnold selbst ist seit 1978 Mitglied beim Gemeindeverband. „Wir brauchen dringend junge Menschen“, appellierte er an die „frischeren“ Generationen.

Erwin Teufel und seine Frau Edeltraud (vorne rechts) zu Besuch beim CDU-Ortsverband Bodelshausen. ... Erwin Teufel und seine Frau Edeltraud (vorne rechts) zu Besuch beim CDU-Ortsverband Bodelshausen. Bild: Faden

Bürgermeister Uwe Ganzenmüller sagte, die CDU habe „großen Anteil an der positiven Entwicklung der Gemeinde“. Ob beim Ausbau des Kindergartenwesens, bei der Sanierung der Ortsmitte oder beim Hochwasserschutz: Die Christdemokraten hätten im Ort stets „Politik zum Wohle der Gesellschaft“ betrieben. Annette Widmann-Mauz lobte den CDU-Ortsverband Bodelshausen als „runde Sache“. Vielfältig, bodenständig, bürgernah – das seien die Vorzüge der Partei, so die Parlamentarische Staatssekretärin. Auch in Bodelshausen säßen „Unternehmer und Arbeiter auf Augenhöhe am selben Tisch“.

Klaus Tappeser gratulierte dem Geburtstagskind zum „Schwabenalter“. Die CDU-Bodelshausen halte er mit ihrer „spannenden Breite der Mitglieder und Ideen“ für „fantastisch“, sagte der Kreisvorsitzende. Für 25-jährige Mitgliedschaft ehrte Tappeser Erika Dürr, für 40-jährige Alfred Steinhilber.

Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel sprach über Vergangenes und Zukünftiges, über Verdienste und anstehende Aufgaben der Christdemokraten. Zu Bodelshausen habe er „mehr Beziehungen als man glaubt“: Mit Jürgen Todenhöfer, der lange in Bodelshausen lebte, ist Teufel befreundet; Ex-Bürgermeister Emil Schweizer war ein Kurskollege. Auch an der Selbstständigkeit des Ortes sei er „nicht ganz unschuldig“, betonte Teufel: 1972 kam er ins Innenministerium und setzte sich unter anderem dafür ein, dass kleinere Gemeinden eigenständig blieben. Heute sei Bodelshausen „eine starke Industriegemeinde, die zu Recht selbstständig geblieben ist“. Teufel zitierte Max Frisch, der einst sagte: „Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen.“ In Bodelshausen habe man das getan.

Der 73-Jährige beleuchtete die Gründungsgeschichte der CDU. Es sei faszinierend, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in verschiedenen Teilen Deutschlands Menschen unabhängig voneinander auf die Idee gekommen seien, eine konfessionsübergreifende Partei zu gründen – sogar in der Sowjetischen Besatzungszone.

In der Sozialen Marktwirtschaft habe man Wettbewerb mit Solidarität und sozialer Gerechtigkeit verbunden, das sei „etwas grundlegend Neues“ gewesen. Und dort sieht Teufel „nicht die Ursache, sondern die Lösung gegenwärtiger Probleme“. Das Maß der Wirtschaft sei immer der Mensch. Außerdem fordert der 73-Jährige: „Kein Risiko ohne Haftung!“

Teufel präsentierte noch den einen oder anderen „Gedankensplitter“: Vor der Aufbau-Generation nach dem Krieg habe er „größte Hochachtung“. Seine Mutter musste damals, mit Ende 20, drei Kinder ganz alleine durchbringen. Die Leistung dieser Generation könne als „Ansporn für unsere Zeit“ dienen. Europa sei heute, da die Welt immer mehr zu einer Welt werde, „so wichtig wie in den 50ern“. Das ehrenamtliche Engagement in Baden-Württemberg sei herausragend. Teufel pries das differenzierte Schul- und das duale Ausbildungssystem sowie die Fülle der Patentanmeldungen im Ländle.

Die Solidarität müsse denen gelten, die sich nicht mehr alleine helfen können. Aus der offensichtlichen demografischen Entwicklung und den daraus erwachsenden Erkenntnissen ziehe man noch viel zu wenig Folgerungen: „Wir müssen uns vorbereiten auf die Situation, das ist mindestens genauso wichtig wie die Klima- und die Energiewende.“

Rückblick auf 40 Jahre CDU in Bodelshausen
Gegründet wurde der CDU-Ortsverband Bodelshausen am 21. März 1972 im Gasthaus Löwen. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Knut Ludwig gewählt. Die Gründungsmitglieder waren unter anderem Gisela Lutz, Albrecht Rapp und Alfred Steinhilber. 1980 war die CDU mit sechs Mitgliedern stärkste Partei im Gemeinderat. 1981 zählte der Ortsverband 41 Mitglieder, das Durchschnittsalter lag zwischen 30 und 40 Jahren. 1998 starb Knut Ludwig bei einem Verkehrsunfall. „Schock und Stillstand“ habe dies für die CDU Bodelshausen zunächst bedeutet, sagte Walter Gutbrod bei der Jubiläumsfeier. Heute hat der Gemeindeverband 21 Mitglieder.


29.10.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 29.10.2012 - 08:04 Uhr

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