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Neues Standbein für Bodelshäuser Unternehmen

Joma arbeitet künftig für Holzgerlinger Diagnose-Startup

Gestern wurde in der Region ein weiterer Medizintechnik-Standort eröffnet: Die Curetis AG mit Sitz in Holzgerlingen lässt in Bodelshausen künftig Plastikkartuschen für die molekulare Diagnostik von Infektionskrankheiten fertigen.

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Ulrich Eisele
Mit einem Knopfdruck startete gestern in der Bodelshäuser Robert-Bosch-Straße die ... Mit einem Knopfdruck startete gestern in der Bodelshäuser Robert-Bosch-Straße die Reinraumproduktion der Kartuschen für das Testsystem Unyvero der Firma Curetis. Montiert werden dort 95 Plastikeinzelteile von einem Automaten, den die vermummten Mitarbeiter nur kontrollieren müssen. Bilder: Rippmann

Bodelshausen. Partner der Curetis ist die Joma Polytec Kunststofftechnik GmbH, in deren Räumen in der Robert-Bosch-Straße die Kartusche hergestellt und montiert wird. Joma ist ein erfolgreiches Zulieferunternehmen für Kunststoffspritz- und -gussteile, die im Automobilbau und in der Medizintechnik Verwendung finden. Vermittelt wurde die Partnerschaft von der interkommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft BioRegio STERN.

Artikelbild: Joma arbeitet künftig für Holzgerlinger Diagnose-Startup

Die Curetis AG ist ein junges Startup-Unternehmen (2007) für die molekulare Diagnostik von Infektionskrankheiten. Die 26 Mitarbeiter der Firma haben das neue Diagnosesystem Unyvero entwickelt, mit dem die Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung schneller als bisher festgestellt werden können. Dies ermöglicht Ärzten eine gezieltere Therapie mit Medikamenten.

Der Test besteht aus einer (Computer-)Analyseplattform, die in kürzester Zeit mehrere Proben scannt und vergleicht. Innerhalb von drei bis vier Stunden kann man damit den genetischen Code eines Bakteriums entschlüsseln. Bisher sind dafür Laboruntersuchungen notwendig, die drei bis vier Tage dauern. Währenddessen muss sich ein Arzt auf seine gute Nase und die Statistik verlassen. Er verschreibt Breitband-Antibiotika auf Verdacht – mit dem unerwünschten Nebeneffekt, dass sich Antibiotika-Resistenzen bilden und die verordneten Medikamente immer weniger wirksam werden.

In Bodelshausen wird die Plastikkartusche für die Reagenzien hergestellt. Sie besteht aus 95 Einzelteilen. Das viereckige Gehäuse von der Größe einer Festplatte kann bis zu zwölf Plastikröhrchen für Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin, Speichel und Bronchialsekret aufnehmen. Alle Plastikteile werden von Joma im Auftrag der Curetis AG hergestellt.

Man habe sich für das Bodelshäuser Unternehmen entschieden, weil es über viel Erfahrung in der Herstellung von Spritzgussteilen verfüge und höchste Qualität liefere, sagte Curetis-Vorstand Oliver Schacht. Montiert werden die Einzelteile von einem Automaten des Remstäler Anlagenbauers Contexo. Nicht, um Arbeitsplätze zu sparen, sondern weil die gesamte Herstellung unter Reinraum-Bedingungen stattfinden muss. „Der Mensch“ sei im Produktionsablauf „das größte Risiko“, erklärte Produktionsleiter Guido Sarnowski. In der Kartuschen-Produktion sollen künftig sechs bis acht Personen beschäftigt werden, im Zulieferbetrieb bei Joma Polytec etwa fünf bis sechs.

„Scharfe Waffe“ gegen Infektionen

Von den Geschäftsführern und Gästen wurde die Eröffnung des neuen Standorts als „bedeutender Schritt in die Zukunft“ gefeiert. Joma-Chef Hans-Ernst Maute pries – auch als Vize-Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer – den Wagemut der beteiligten Unternehmen, die mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise in dieses Vorhaben investiert hätten. 27 Millionen Euro Risikokapital habe Curetis in den Jahren 2008 bis 2010 gesammelt. Geschäftsführer Oliver Schacht betonte mehrfach, sein Ziel sei, den Ärzten eine „scharfe Waffe“ im Kampf gegen oftmals tödlich verlaufende Infektionserkrankungen zu liefern.

Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz streifte in ihrer Rede den Wandel in der Region vom Textilgewerbe zur Medizintechnik. Sie verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Erfindung zur Verbesserung der Krankenhaushygiene und Eindämmung von Infektionskrankheiten beitrage – weltweit. Professor Cornelius Knabbe, der mit seinen medizinischen Forschungen die Grundlagen zur Entwicklung des Tests schuf, nannte diesen einen „Schritt von der kalkulierten zur individualisierten Therapie“, der „erhebliche Kosteneinsparungen“ im Gesundheitswesen bringen werde.

Arbeitsplätze für elf bis 14 Personen und zwei Automaten
Die Curetis AG wurde 2007 in Holzgerlingen gegründet. Sie hat 26 Mitarbeiter und bisher 27 Millionen Euro Kapital gesammelt. Geschäftsführer ist Oliver Schacht (Bild).

In Bodelshausen will die Curetis von 2012 an mit acht Mitarbeitern bis zu 100 000 Test-Kartuschen im Jahr produzieren. Die Kosten für einen Test werden mit 150 bis 160 Euro veranschlagt.

Alle Plastikteile für die Kartusche werden von Joma Polytec im selben Gebäude (Robert-Bosch-Straße 4) angefertigt. Arbeitsplätze: fünf bis sechs.

Der Automat für den Zusammenbau der Kartusche wurde von der Firma Contexo in Winterbach entwickelt. Die Druckstraße zum Beschriften der Röhrchen lieferte der Dußlinger Anlagenbauer Zeltwanger.


16.10.2011 - 08:30 Uhr

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