2011 hat sich in den Bodelshäuser Industriegebieten wieder einiges getan. Auch der Nutzungswandel auf dem ehemaligen Bauwerk-Areal ist mittlerweile abgeschlossen.
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Eine Industrieanlage auf dem Bauwerk-Areal: Mittlerweile sind in dem Gewerbegebiet alle Flächen verkauft. Bild: Rippmann
Bodelshausen. Im Jahr 2003 stellte die Parkettfabrik „Bauwerk“ ihre Produktion in Bodelshausen ein. Damals verloren wesentliche Teile des 7,5 Hektar großen Gewerbe-Areals ihre Funktion. Die Gemeinde musste deshalb über eine neue Nutzung des Standorts nachdenken. Gemeinsam mit der Reutlinger Immobilien-Entwicklungsfirma Fiedler und dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Fachhochschule Nürtingen wurde nach einer neuen Perspektive für das Areal gesucht. Der benachbarte Textilhersteller Marc Cain erwarb Anfang des Jahres verbleibende Grundstücke und Gebäude, um sich Erweiterungsflächen für sein anhaltendes Wachstum zu sichern.
Alte expandieren, Neue sind die Ausnahme
Die Gemeinde selbst übernahm im ehemaligen Bauwerk-Areal 3,5 Hektar. Mittlerweile seien alle Flächen verkauft, sagt Bürgermeister Uwe Ganzenmüller zufrieden. Neuansiedlungen seien eher die Ausnahme, es handele sich vor allem um Firmen, die erweitern wollen. Über 8000 Quadratmeter des Firmengeländes erwarben benachbarte Unternehmen, um sich Expansionsflächen zu sichern. Der Energieerzeuger „Holz & Energie“ kaufte ein rund 15 600 Quadratmeter großes Grundstück und betreibt dort das Holzhackschnitzel-Kraftwerk weiter – ökologische Energie, günstig zu haben für das Gewerbe-Areal. Auf dem Bauwerk-Areal habe man eine „gelungene Mischung“ hinbekommen, findet Ganzenmüller. Innerstädtische Entwicklungsmöglichkeiten bieten, ohne „auf die grüne Wiese“ gehen zu müssen: Das ist das erklärte Ziel.
Im vergangenen Jahr legte der Kunststoffteil-Hersteller Joma-Polytec Verwaltung, Logistik und Produktion in seinem Neubau (dunkles Gebäude) in der Bodelshäuser Höfelstraße zusammen. Bild: Franke
Für seine ausgedehnten Industrieareale ist Bodelshausen bekannt. 38 Hektar Gewerbefläche hat der Ort bei einer Gesamtfläche von rund 14 Quadratkilometern und rund 5800 Einwohnern. Vier ausgewiesene Industriegebiete gibt es in der Gemeinde: West, Seelosen, Blöhstein und Bolgärten. Neben Tübingen sei Bodelshausen die einzige „Einpendlergemeinde“ im Kreis, erklärt Ganzenmüller: Weit mehr Menschen pendeln nach Bodelshausen, um dort zu arbeiten (2010 waren es 1997), als von dort an eine Arbeitsstelle in einem anderen Ort (2010: 1361). „Wir sind Konjunkturmotor im Kreis“, freut sich der Bürgermeister. „Beispielhaft“ nennt Ganzenmüller Bodelshausen in dieser Beziehung.
Kindergärten und Firmen kooperieren
Freie Gewerbeflächen gibt es derzeit noch im westlich gelegenen Gebiet „Grenzäcker“ und in den „Bolgärten“ beim Jugendhaus Fokus. 33 000 Quadratmeter sind in den Grenzäckern noch zu haben. In den Bolgärten, einem eingeschränkten Gewerbegebiet, seien es noch 4800 Quadratmeter, sagt Kämmerer Horst Köhnlein.
Oberhalb des Industriegebiets West, Richtung Oberhausen, gibt es außerdem noch die „Vorsorgefläche Hirschen“ mit einer Gesamtgröße von sieben Hektar. 1,4 Millionen Euro Erschließungskosten hat die Gemeinde im ersten Bauabschnitt ins Gebiet Grenzäcker investiert – im zweiten Abschnitt waren es 700 000 Euro.
Der Gemeinde sei es wichtig, den örtlichen Betrieben „immer genug Entwicklungsmöglichkeiten“ zu bieten, betont Ganzenmüller. Bestandsentwicklung sei „ein Hauptthema“. Man betreibe aktive Wirtschaftsförderung – aber immer an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Ansiedlungswillige Betriebe nach Bodelshausen zu holen und jene, die bereits da sind, zum Expandieren zu bewegen, das sei vorrangig. Vorbildlich findet Ganzenmüller die Kooperation mit den Firmen bei der Kinderbetreuung: Die Gemeinde garantiert Mitarbeitern örtlicher Unternehmen Kindergartenplätze für den Nachwuchs. Ganzenmüller: „Eine Win-win-Situation.“
Fertig umgebaut ist mittlerweile auch das Maute-Areal: Ende letzten Jahres wurde dort der U-förmige Bau an der Bahnhofstraße / Ecke Daimlerstraße, das „Center M“, abgerissen. Es galt als erstes Outlet-Center dieser Art in Deutschland und existierte seit Mitte der 1990er-Jahre. Die Rewe-Group hat an dieser Stelle einen Penny-Markt errichtet, der heute seine Discounter-Pforten öffnet.